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Lightroom (Classic) CC, Adobes Philosophie und meine Probleme damit

Mit meinem letzten Beitrag, zu Adobes neuem Lightroom CC und deren Philosophie, habe ich wohl etwas getroffen. Dazu gleich ein paar persönliche Worte und ein Versuch, mein Problem nochmal differenzierter zu beschreiben.

Persönliches

Zu meinem letzten Beitrag über Adobe, Lightroom CC und die Philosophie dahinter. Viele stimmten mir zu und verstanden mein Problem damit. Andere wiederum verstanden mich überhaupt nicht und finden die neuen Produkte toll – was wirklich vollkommen in Ordnung ist, ich finde es nur nicht gut, wenn man dabei einen Ton wählt, der durchaus als Angriff oder Beleidigung interpretiert werden kann.

Ich werde weiter meine Meinung sagen und aufschreiben. Ich beleidige keinen Lightroom-Anwender – ich bin selbst noch einer – und spreche niemandem seine Meinung ab. Wenn jemand meinen Standpunkt nicht versteht oder nicht nachvollziehen kann, dann kann man das sachlich schreiben und sagen, Beleidigungen werde ich nicht als Kommentar freischalten und E-Mails direkt löschen.

Mein Problem mit Adobe aktuell

Ein Versuch, meine WTF-Momente zusammen zu fassen:

Eigene Produkte schlecht reden

Auf der MAX 2017, der Keynote von Adobe wo sie neue Produkte vorstellen, stellt sich Adobe auf die Bühne und drückt auf die Jammer-Taste:

Was war (ist) Lightroom nicht kompliziert, so viele Probleme damit, was konnte nicht alles passieren: RAWs wurden nicht gefunden und niemand wusste wo diese waren, der Katalog wurde nicht gefunden und ein neuer wurde erstellt – alle Bilder weg? Hach war das alles eine schreckliche Zeit mit diesem Lightroom.

Aber jetzt wird alles besser, Lightroom CC ist da, alles in die Cloud, überall verfügbar, guck mal wie einfach das ist, am Notebook importieren, am iPad bearbeiten, im Bus am iPhone weitermachen und zu Hause am Desktop beenden – Alles so viel toller.

Ach ja, Lightroom CC kann natürlich noch längst nicht alles, deshalb haben wir das alte Lightroom als Lightroom Classic CC weiter im Portfolio und ja, wir versprechen hoch und heilig, dass Classic uns wichtig ist, wir verstehen, dass nicht jeder alles hochladen kann, will oder darf also machen wir an Classic auch weiter.

Moment, ist das alte Lightroom nun total schrecklich oder total wichtig für Adobe? Kennt irgendjemand einen Fotografen, der ernsthaft ein Problem damit hatte, dass Lightroom ein Fragezeichen/Ausrufezeichen an das Thumbnail gemalt hat, wenn das NAS oder die externe Platte mit Terabytes an RAW-Daten nicht verbunden war? Es gibt weitere Adobe-Videos in denen sie meiner Meinung nach wirklich Blödsinn erzählen – “Fotografen haben uns gesagt, dass…” – Ich möchte mal wissen, welche Fotografen das waren.

Es ist offensichtlich, dass Adobe vorher bewusst war, in was für ein Wespennest sie stechen würden, es ist aber auch offensichtlich, dass sie versuchen den Kunden, sagen wir mal, sehr merkwürdige Dinge erzählen wollen…

Neue Fotografen finden Lightroom kompliziert? Fotografen wollen einen sicheren Speicherplatz für ihre RAWs, in der Cloud? Wirklich? Immerhin gibt es hier die klare Ansage, dass es Classic CC weiterhin geben wird – Ich sage: mal gucken wie lange! Bei Lightroom 5 hieß es damals auch, dass ich immer eine Einzelplatz-Lizenz geben würde, weil Adobe ja verstünde, dass ein Abo nicht für jeden die richtige Lösung sei.

Immer wieder ist die Rede davon, dass die originalen RAWs in Adobes Cloud ja ein Backup seien. Nein, solange es nicht mindestens eine zweite Kopie gibt, ist das eben kein Backup, es sind die Originale. Wie lange wird man einen Löschvorgang rückgängig machen können? Versichert uns Adobe schriftlich, dass sie niemals einen Datenbestand verlieren? Was passiert, wenn wir das Abo kündigen? Das alte Lightroom (Classic) CC läuft als Light-Version weiter auf unserem Datenbestand, die Cloud dürfte dann offline gehen, OK, sicher wird man vorher einen Download anstoßen können.

Immerhin könne sie auch selbstironisch sein:

Falscher Ansatz

Ich kenne sehr wohl Fotografen außer mir, die gerne eine Lösung hätten, um einfacher mit zwei Geräten am Katalog zu arbeiten. Ein Katalog, on Location neue Bilder importieren und unterwegs bearbeiten, zu Hause mit dem Katalog abgleichen.

“Ja nu, das Adobe doch gemacht?!”

Na klar. Eine Lösung ist sehr wohl, einfach alles auf zentrale Server zu legen. Aber Hand aufs Herz, das kann doch nicht die Lösung sein? Ich beschreibe mal ein nicht zu ungewöhnliches Szenario:

Ein Fotograf hat im Büro einen Desktop mit einer oder mehreren Lightroom-Katalogen. Die RAW-Daten liegen auf einem NAS. Mit einem Notebook fährt er zu einem Auftrag. Vor Ort, im Hotel, import er 2000 Hochzeitsfotos auf sein Notebook und möchte dort auch anfangen diese auszusortieren und zu bearbeiten. Im Zug, Flugzeug oder im Auto als Beifahrer kann er damit weitermachen. – Bis hierhin kein Problem mit dem vorhandenem, dem alten Lightroom (Classic).

Zurück im Büro sollen nun die Bilder vom Shooting in den/einen Hauptkatalog übernommen werden. Das ist der Punkt, den Adobe nie wirklich gelöst hat. Man kann den Notebook-Katalog in einen anderen importieren, allerdings besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass man dann doppelte Stichwörter in seinen Katalogen bekommt. Es gibt umständliche Umwege um die Stichwörter von einem Katalog in einen anderen zu bekommen oder man setzt auf einen einzigen Katalog, den man zwischen den Geräten mit einem Sync-Tool abgleichen lässt. So richtig toll ist das alles nicht.

Diesen Workflow hätte Adobe mal angehen können.

Für diesen letzten Schritt ist es aber keine Lösung, on Location 2000 RAWs in die Adobe-Cloud zu laden. Wenn die im Schnitt 30 MB groß sind, sind das fast 60 Gigabyte! Mit mobilem Datenvolumen zumindest eine Herausforderung. Mit 100 MBit/s Upload sind das fast 2 Stunden – und wer hat schon 100 MBit/s Upload? Ich rede noch gar nicht von 50 Megapixeln einer Canon 5Ds oder einer Nikon D850, da sind 30 MB pro RAW eher lächerlich wenig. Dann werden Bilder aussortiert, so dass man Ende vielleicht nur 1000 behalten möchte, 500 davon sollen bearbeitet werden, der Rest bleibt für evtl. später zu erstellende Alternativen im Katalog.

Nein, der zugrunde liegende Ansatz, alles in die Cloud, ist in meinen Augen so komplett verkehrt, dass ich gar nicht nachvollziehen kann, dass darüber überhaupt diskutiert werden muss.

Mit keiner Silbe erwähnt Adobe, jedenfalls nicht, dass ich es bisher gesehen hätte, dass sich das noch ändern wird, dass man selektiver hochladen können wird, dass mehr Kataloge unterstützt werden etc. Nein. In einem Kommentar zur Frage, ob man denn mit Lightroom CC auch lokal arbeiten könnte, weil vielleicht mal kein Internet verfügbar ist, hieß es, man könne in den Optionen einstellen, dass man eine lokale Kopie der RAWs haben möchte… ALLER RAWs! Sprich: Wer das enthaltene Terabyte Platz auch nutzt, der braucht lokal auch ein Terabyte Patz für seine RAWs … Ich habe zwar 1 TB in meinem Notebook, da sind aber auch andere Dinge drauf, frei sind vielleicht 300-400 GB – Und jetzt?

Ich habe nichts gegen die Cloud. Für bestimmte Dinge kann das praktisch sein – Das ging aber schon jetzt, ganz ohne CC. Man konnte RAW-Daten auf eine Dropbox oder anderes Cloud-Drive schieben, und zwar genau die, die man unterwegs haben wollte. Und man konnte sie jederzeit wieder zurück auf die lokale Platte schieben.

Adobe verfolgt hier eine Philosophie, die extrem utopisch ist: Endlos Platz, endlos schnelles Internet überall und immer. Richtig, wenn das alles gegeben ist, tolle Lösung… wenn man mit einem Terabyte auskommt – Es wird aber bestimmt möglich sein, mehr Geld drauf zu werfen, nur frage ich mich weiter: Welcher Fotograf findet es ernsthaft toll, seinen 3 TB oder 6 TB oder noch größeren Katalog mit Fotos der letzten Jahre online zu stellen… und wofür?

Rechtliches

Die Idee, einfach mal alles, jede RAW Datei in die Cloud – sprich auf Adobes Server, sprich auf von Adobe angemietete Server – zu laden, ist unfassbar naiv.

Es gibt in Deutschland Datenschutzgesetze und 2018 wird es noch interessanter mit der neuen Datenschutzverordnung. Ich Zitiere mal Alex der als Datenschutzbeauftragter unterwegs ist und im Happyshooting Slack schrieb:

Im Mai 2018 tritt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Im Fall eines beruflich tätigen Fotografen regelt sie, dass der Fotograf der Verantwortliche für die personenbezogenen Daten (=Fotos) seiner Kunden ist. Er muss den Zweck seiner Datenverarbeitung definieren (Fotos seiner Kunden bearbeiten) und darf natürlich auch einen Auftragsdatenverarbeiter (Adobe) beauftragen.

ABER, er muss auf Wunsch der Person natürlich deren Rechte befolgen (Auskunft, ändern, löschen). Die Frage ist, ob der Fotograf das auch immer gegenüber Adobe durchsetzen kann. Da wird ev. ein Foto nur zum Löschen markiert, aber wegen der Synchronisation und weil gerade offline noch nicht wirklich gelöscht. Oder ein Foto wird „irrtümlich“ auf einer öffentlichen Galerieseite publiziert.

Problem dabei: der Fotograf ist laut DSGVO immer der Verantwortliche! Er kann aber das nicht gegenüber Adobe durchsetzen. Privacy Shield ist zahnlos.

Daneben gibt es natürlich auch Fotos wie Akt, Dessous oder Model-Shootings im Allgemeinen, Kinder und so weiter. Diese Bilder möchte, oder sollte man keinem externen Server anvertrauen. Adobe scheint das nicht so wichtig zu sein. Oder doch? Es gibt ja noch…

Lightroom Classic CC

“Hör doch auf zu jammern, es gibt Classic und alles bleibt wie es ist, so what?”

Ja und nein. Ich habe kein CC-Abo, ich habe eine Einzelplatz-Lizenz gekauft und ich bin damit nicht alleine. Version 7, also jetzt Classic CC, gibt es nur noch im Abo.

“Aber das sind um die 11 Euro im Monat, das ist doch viel billiger oder zumindest nicht wirklich teuer verglichen mit dem Kaufpreis der Einzellizenz!”

Zum einen sind das 132+ Euro pro Jahr, Update-Preise für Lightroom waren günstiger und man war nicht gezwungen jede Version zu kaufen – allgemein gesprochen, ich selbst hatte jede Version.

Übrigens werden für das neue Lightroom CC mit 1 TB Platz knapp $20 pro Monat fällig (habe nicht gesucht wie viel Euro das werden, ich tippe mal auf über 20€).

Zum anderen geht es mir nicht um den Preis! Ich habe immer gesagt, dass eine gute Software auch gutes Geld kosten darf. Ich hätte auch 200 Euro für ein Update bezahlt.

“Im CC-Abo sind auch 20GB Online-Platz enthalten, das ist dann echt günstig”

Und, was soll ich mit dem Platz? Eine Speicherkarte hält schon mehr Daten. Ich nutze genau KEINEN Online-Platz mit Lightroom. Ich stimme zu: Mit Classic CC kann man SmartPreviews von ausgewählten Selektionen in die Cloud schieben um diese dann unterwegs bearbeiten zu können und das mag für manche eine gute Lösung sein. Dann ist das attraktiv. Auf mich trifft das nicht zu.

Nein, mir geht es um den Online-Zwang und die Abhängigkeit. Mit dem Abo bin ich abhängig vom Internet und Adobes Servern. Ist etwas davon nicht verfügbar oder klemmt irgendetwas bei der Lizenzprüfung, stehe ich vor einem Lightroom Light, mit dem ich keine Bearbeitungen mehr machen kann.

“Das ist doch akademisch, man hat doch immer Netz und 99 Tage kann man ohne Netz arbeiten bevor eine Abfrage fällig wird!”

Schön wäre es, die Realität sieht leider anders aus. Patrick Ludolph war auf einem Container-Schiff unterwegs und plötzlich stellte Lightroom den Dienst ein (das hat er in seinem aktuellen Beitrag noch mal erwähnt). Er war sicher keine 99 Tage unterwegs. Seit es das Abo gibt, habe ich immer mal wieder von solchen Fällen gelesen. Es kann einfach jederzeit ein Problem auftreten bei der Kommunikation, es ist eine Ebene der Komplexität, die für mich als Anwender komplett unnötig ist und mich als ehrlichen, zahlenden Kunden im Zweifel im Regen stehen lässt. Das Problem ist nicht akademisch oder theoretisch, es passiert praktisch – Nicht ob, sondern wann ist die Frage. Geklaute Versionen haben diese Probleme vermutlich nicht, sind für mich aber auch keine Lösung.

Des Weiteren habe ich immer wieder von Fotografen gelesen und auch im direkten Umfeld mitbekommen, dass irgendetwas anderes geklemmt hat. Plötzlich lief Lightroom wieder im Demo-Modus, 30 Tage. Oder Updates wurden nicht angezeigt… Die Lösung hieß fast immer: Alles deinstallieren und neu installieren. Das will man nicht, wenn man eigentlich einen Kundenauftrag bearbeiten möchte. Oder es wurden Updates installiert und plötzlich funktionierten andere Dinge nicht mehr, weil Adobe unter der Haube die Verzeichnisse oder Namen geändert hatte und das Software-Ökosystem aus Plugins u.a. nicht mehr lief.

Ich möchte so ein Abo nicht. Nicht wegen des Geldes sondern wegen der Abhängigkeiten. Und schon gar nicht möchte ich Adobe JETZT das Signal schicken, dass sie auf dem Richtigen weg seien, das sind sie meiner Meinung nach nicht.

 

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  1. Pingback: Lightroom Alternativen? | Ansichten

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