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Olympus – Was jetzt?

Es ist fast Mitte Juli 2020 als ich diese Wörter ins Blog schreibe. Ihr werdet es inzwischen längst mitbekommen haben, aus zahlreichen Blogs, Newstickern oder vielleicht auch aus dem Happy-Shooting-Podcast, in dem ich mich mit Chris schon über dieses Thema unterhalten habe:

Olympus hat die Absicht, die Fotografie-Sparte zum Ende des Jahres 2020 zu verkaufen. Zack!

Die Meinungen darüber, was das nun bedeutet, gehen auseinander – Auch meine Gefühle sind gespalten… und am Ende doch recht klar. Ich bin traurig – sehr traurig.

tl;dr;

Ich komme von Canon, ich fand in Olympus eine kleine Liebe. Olympus plant nun den Verkauf der Kamerasparte was nicht nur bei mir zur Unsicherheit und Zurückhaltung führt. Canon stellte jüngst mit der R5 und R6 sehr interessante Kameras vor, die allerdings wenig Charme versprühen. Fuji bietet stilvollere Kameras, wäre aber wieder ein komplett neues System für mich. Ich weiß nicht wohin meine Reise gehen wird… Investitionen in Olympus werde ich jetzt erstmal zurück halten.

Meine Kameras, mein Weg

Ich hänge nicht an Marken. Ich kaufe kein Produkt nur weil es von einer bestimmten Marke kommt. Ist mir einfach egal. Natürlich gibt es Hersteller die mir sympathischer sind als andere und natürlich kommt bei Systemen, wie eben bei Kameras mit Wechselobjektiven, eben dieses System hinzu – Man investiert in das System in Form von Objektiven und Zubehör, ein Wechsel ist in der Regel preisintensiv.

Analog hatte ich seit 1999 eine Canon EOS 50E und die ersten Canon-Objektive. Es war seinerzeit die Kamera, die mir am besten gefiel und wo Preis-/Leistung für mich passten. So war es recht naheliegend, dass es für mich 2005 mit einer Canon EOS 350D in der digitalen Welt weiterging. Später, als ich professioneller fotografierte, kam eine Canon EOS 5D hinzu – Und blieb. Es folgten im Laufe der Jahre so einige Objektive statt neuer Kameras.

Canon stellte neuere Kameras vor und keine konnte mich überzeugen sehr viel Geld auszugeben. Ich brauchte keine superhohen Auflösungen, Live-View war nicht interessant für mich etc. Eine 5D Mark III wäre interessant gewesen, eine Mark IV sowieso – nur gab es zu dieser Zeit am Markt schon viele andere spannendere Kameras…

Dann kam Olympus

Ich schaute über den Tellerrand und traute mich vom großen 35mm-Sensor zu einem Viertel der Fläche – Ich schaute mir das Micro-Four-Thirds (mFT) System an und war von einer Olympus OM-D E-M1 so überzeugt, dass ich sofort kaufte.

Aber die Kosten? Das System? Die ganzen Objektive?

Dazu muss man sagen, dass ich, je länger ich (auch für Geld) fotografierte, immer genauer wusste, wie und womit ich gerne arbeitete, was für Bilder ich gerne machte und wie und womit ich diese erreichte. Es stellte sich heraus: So viele Objektive benötigte ich gar nicht wink

Es kam also eine E-M1 (Mark I) ins Haus, dazu ein Olympus 12-40 f⁄2.8 PRO. Später folgte das 40-150 f⁄2.8 PRO. Mit diesen beiden Objektiven habe ich in den Jahren alle Aufträge meistern könnten. Die 16 Megapixel waren mehr als die 12,8 Megapixel der 5D.

Natürlich kaufte ich über die Zeit weitere Objektive für spezielle Aufgaben, die meisten davon allerdings rein manuell von anderen Systemen die über Adapter genutzt wurden. Die sind aber eher für meinen privaten Spaß und sollen hier nicht weiter zählen – für unser Hobby geben wir alle gerne Geld aus wink

Diese Olympus-Kamera war der Hammer. In silber sah sie schick und Retro aus. Klingt blöd, hat aber für viele gute Gespräche bei Veranstaltungen gesorgt. Ohne Spiegel konnte ich sehr leise oder gar lautlos arbeiten wenn ich musste – Das führte dazu, dass ich in Kirchen und Standesämtern auch häufiger Serien fotografieren konnte ohne aufzufallen. Ich wurde sogar mal von einer Standesbeamtin und von einer Pastorin nach der Zeremonie darauf angesprochen, dass sie sich sehr gefreut hatten, mich überhaupt nicht bemerkt zu haben smile

Und der Bildstabilisator – Der absolute Wahnsinn! Ob Tele oder Objektiv am Tilt-Adapter – Alles wird stabilisiert und zwar so richtig! Selbst im Video-Modus. Unfassbar gut und eine Stabilisierung, wie ich sie bei keiner anderen Kamera je gesehen hatte – mit Ausnahme von anderen Olympus mFT Kameras.

Im Sucher das Ergebnis vorherzusehen ist genial und gerade bei sehr wenig Licht konnte ich besser Komponieren als mit der 5D. Es war sogar möglich auf Sterne zu fokussieren – Geil!

Dann hatte ich einen Defekt an der E-M1 und musste diese einschicken. Blöderweise hatte ich aber einen geplanten Auftrag, eine Hochzeit. Klar, die hätte ich nun wie früher auch mit der Canon 5D fotografieren können – wenn man aber ein spiegelloses System einmal lieb gewonnen hat, möchte man nicht mehr zurück! Also bestellte ich eine E-M1 Mark II die es zu dem Zeitpunkt schon gab – leider in Schwarz, denn in Silber gab es sie nicht. Gab es auch nie, was kam, war so ein komisches Hellgrau was gar nicht retro aussah. Schade

Wow! So gleich sie aussah, so viel besser war sie. Der Fokus war spürbar besser, sie war deutlich schneller. Tolles Teil. Die Mark1 diente fortan nur noch als Backup bigsmile

Und jetzt das – Olympus verkauft seine Kamera-Sparte?

Ich mag Olympus, ich mag die Kameras, ich mag die Objektive. Olympus kam bei mir immer wie der „Kumpel“ an. Freundlich, unkompliziert, immer Spaß am Thema. Der Service war immer schnell und unkompliziert, ich war froh “Mein” System gefunden zu haben.

Nun haben sie die Absicht die Sparte zu verkaufen. Die Umsätze waren nie hoch, die Gewinne noch geringer wenn überhaupt vorhanden und die Sparte wohl stets von anderen Sparten subventioniert. Man hatte die Sparte vermutlich auch oder vor allem für die Außenwahrnehmung als innovatives Unternehmen und natürlich war man so in den Köpfen vieler – Wäre wüsste schon von Olympus, wenn sie nur medizinische Produkte herstellen würden?

Wir leben aber nicht in einer Wünsch-Dir-Was-Welt sondern in einer Welt in der es um Profit geht. Es gibt Investoren die möglichst jedes Jahr höhere Gewinne sehen wollen. Langfristiges Denken gibt es kaum und Karma interessiert Geldanleger auch nicht. Es werden seit Jahren immer weniger Kameras verkauft – vermutlich weil viele Anwender mit den Ergebnissen ihrer Smartphones sehr zufrieden sind.

Weniger Verkäufe führen zu weniger Umsatz und weniger Gewinn und zu mehr unglücklichen Anlegern. Die Preise zogen an – bei allen Herstellern. Ich finde es aber schon schwer zu begründen, warum jemand für eine mFT-Kamera gleich viel oder mehr Geld bezahlen sollte als für eine Kamera mit deutlich größerem Sensor – Ja Größe ist nicht alles, aber die Kosten beeinflusst es eben schon. Olympus polterte noch einmal mit einer OM-D E-M1X die im monströsen Gehäuse daher kam und neben ein paar Fans vor allem für viele Fragezeichen ob der Größe und des Preises führte. Der Anfang vom Ende?

Die Nachfolger der günstigeren Kameras wurden zurückentwickelt – eine E-M5 Mark III z.B. konnte kein Tethering mehr, was die Mark II noch konnte. Eine E-M10 Mark III (oder war es die II?) konnte auch weniger als das Vorgänger-Modell. Das fand ich verwirrend und nicht besonders klug. Warum überhaupt eine E-M5 UND E-M10 neben der E-M1 im Programm haben? Dazu zig PEN-Modelle? Irgendwie war der Fokus offenbar verloren gegangen.

Die Sensoren wurden nicht mehr weiterentwickelt. Eine E-M1 Mark III hatte im Grunde denselben Sensor wie der Vorgänger – obwohl alle auf etwas mit weniger Rauschen bei hohen ISO hofften… also deutlich weniger als dann kam. Nicht, dass mich das Rauschen jemals wirklich genervt hätte, ich kam auch bei sehr schlechtem Licht immer gut zurecht, aber schön wäre es schon gewesen. Es kamen ein paar weiterentwickelte Kleinigkeiten hier und da aber so ein richtig großer Wurf war es dann auch nicht – Nichts weshalb man fast 2000 Euro in die Hand nehmen würde (um 1800 Euro waren es, wenn ich mich recht entsinne).

Neue Objektive ließen und lassen auf sich warten und es wurden und werden so hohe Preise dafür gemunkelt, dass sie vermutlich für einen Großteil der Kundschaft komplett uninteressant werden dürften.

Aber egal… die Sparte wird jetzt eh verkauft werden, ist jedenfalls angekündigt.

Wie geht’s weiter?

Wissen wir nicht. Olympus ist mit einem japanischen Unternehmen in Gespräch … Ihr findet Details zu Hauf im Netz. Wir wissen nicht, was passiert wird. Im besten Fall würde das Geschäft neu aufgestellt und weitergeführt werden. Modelle klarer aufstellen, weiterentwickeln und wieder innovative Produkte für interessierte Kunden bauen. Olympus könnte die Sparte, sobald sie wieder profitabel ist, auch zurück kaufen…

Realistischer dürfte aber sein, dass versucht wird die letzten Entwicklungen noch zu Geld zu machen und das Geschäft dann Stück für Stück einzustellen.

Mir ist unklar wie der Service weiterlaufen wird. Meine Ausrüstung hört ja nicht im Dezember auf zu funktionieren – aber was ist bei einem Defekt? Bekomme ich dann genauso spontan wie beim letzten Mal einen Ersatz und eine Reparatur? Sollte ich jetzt noch in eine E-M1 Mark III investieren und die beiden alten Bodys als Backup vorhalten? Sollte ich jetzt noch in ein vielleicht kommendes 100-400mm Objektiv investieren?

Noch gibt es Panasonic im mFT-Sektor. Die Gehäuse fühlen sich anders an, bedienen sich anders, habe andere Menüs – kann man bestimmt mit klar kommen und solange dort noch entwickelt wird, können die Objektive noch Geld verdienen auch wenn die Olympus-Kameras einen Defekt bekommen sollten…

Der Schritt von Olympus setzt in meinem Kopf aber andere Gedanken in Bewegung. Wie lange wird Panasonic noch im mFT entwickeln? Möchte ich auf deren Bodys wechseln wenn es nötig wird? Bisher habe ich das bewusst nicht getan, weil ich mit den Olympus-Kameras besser klar kam. Was ist mit den anderen – zum Beispiel Fuji? Die machen schicke Kameras, haben mit APS-C ebenfalls kompakte Gehäuse… ein schönes System mit dem ich bisher, wenn ich die Bodys für einige Minuten in der Hand hielt, nicht so richtig warm wurde – allerdings könnte ein längerer Test zu anderen Ergebnissen führen, wer weiß?

Und dann bleiben natürlich noch die großen: Canon, Nikon, Sony. Canon kommt gerade mit den R-Modellen zurück. Sie haben spiegellose Kameras endlich als wichtig und richtig erkannt und die R5 und R6, die gerade vorgestellt wurden, setzen schon ein kleines Statement – für Canon – allerdings auch preislich. Canon hat für mich den Vorteil, dass ich mit der Bedienung gut klar komme und ich noch viele EF-Objektive habe, die ich vermutlich adaptieren könnte. Nikon hat mit den Z-Modellen richtig feine Kameras am Start und Sony zeigt mit A7- und A9-Serie seit Jahren, dass sie es ernst meinen… allerdings muss man Sony mögen, auf vielen Ebenen.

Fazit

Ich weiß es nicht. Geplante Investitionen in das mFT-System halte ich jetzt jedenfalls zurück. Da werde ich nicht der einzige sein und mir ist klar, dass das genau das ist, was Olympus oder der Käufer jetzt nicht gebrauchen können – Da sage ich aber: Selbst schuld!

Ich schaue mir die Canon Neuvorstellungen sehr interessiert an, auch wenn ich ungern wieder auf die großen, schweren Objektive zurück möchte. Die RF-Objektive liegen wiederum in einer Preisregion, die mich schwindelnd zu Boden sinken lässt – Auch Canon hat mit rückläufigen Verkaufszahlen zu kämpfen, was zu diesen höheren Preisen führen dürfte.

Vielleicht schaue ich wirklich mal in den Fuji-Sektor – Wie gesagt, viele Objektive benötige ich nicht für den Start und ich mag einfach den Retro-Look… ja, klingt bekloppt… ist aber so! Meine Fotos kann ich mit jeder aktuellen Kamera machen – Eine Fuji ist aber Sexy, eine Canon R5 ist ein biederer Backstein. bigsmile

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Also Boris, irgendwie gehen da Herz und Verstand bei dir getrennte Wege. Du hast Objektive für zwei Systeme und funktionierende Kameras. Eigentlich musst du im Moment gar nichts tun. Anscheinend bist du aber auf ein dickes Tele scharf. Wenn man Tele will, ist aber MFT wegen des kleineren Sensors eine gute Idee – das braucht dir ja niemand erklären. Von Panasonic gibt es ein stabilisiertes 100-400mm Objektiv, das meiner Meinung nach der totale Hammer ist. Wiegt ein gutes Pfund weniger als das Canon, kostet auch ein Pfund weniger Euros und kommt ja eigentlich auf 200-800mm raus. Wenn du noch einen Panasonic Body dazunimmst (was du im ersten Schritt nicht müsstest), hast du doppelte Stabilisierung in Objektiv und Body. Aber halt keinen silbernen Retrolook ;-)

    Antworten

    • Das hast Du sehr gut herausgelesen :D Und nein, ich muss JETZTZ nichts tun, korrekt. Die Frage ist nur, ob ich jetzt (lies: Noch dieses Jahr) weiter in das mFT-System investieren möchte? Das PanaLeica 100-400 steht lange auf meinem Wunschzettel, etwas vergleichbares bei großem Sensor wäre nicht mehr transportabel oder bezahlbar (für mich)
      Das 100-400 für mFT kostet aber auch nicht wenig Geld und das für ein Objektiv, dass mir zwar Spaß machen würde, was ich aber auch nicht jeden Tag benötige. Und das für ein System, bei dem ein großer Spieler – Olympus – aussteigen möchte (Zukunft: Ungewiss).

      Mit einem R6 Body funktionieren meine vorhandenen mFT ja erstmal weiter und ich hätte, wie seinerzeit mit den Olympus, einen sanften Übergang an der Hand. Wenn ich dann wollte, würde ich in mein ehemaliges Traumglas (70-200/2.8) investieren – Es ist nämlich durchaus schön bei entfernteren Motiven trotzdem eine schöne(re) Freistellung erreichen zu können ;)

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      • Erzähl mir nix über ungewisse Zukunft, ich hab mal Samsung NX gehabt :-o
        Diesmal ist immerhin noch ein Hersteller übrig. Unwirtschaftlich scheint mir jedenfalls ein drittes System zu sein. Die Wahrscheinlicheit, dass in den nächsten 10 Jahren deine beiden Olympus UND ggf. noch ein Panasonic Body kaputt gehen ist auch nicht sehr hoch. Das 100-400 benutze ich jetzt auch nicht andauernd, aber immer wenn ich es tue, habe ich hinterher Bilder, die mir dieses zufriedene Grinsen ins Gesicht malen. Ja, war teuer. Is aber leider geil :-) Selbst im Zoo, wenn man aus drei Meter Entfernung die Präriehunde nochmal so viel näher ranholt, dass man ihnen in die Augen gucken kann.
        70-200/2.8 klingt allerdings auch lecker, das gebe ich zu. Wobei du für den R6 Body natürlich fast ne G9 UND das 100-400 bekommst…
        Ich muss das ja zum Glück nicht entscheiden :-)

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