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Kamera Totalausfall – Auftrag gerettet

Das war ein Erlebnis, dass ich niemandem Wünsche und ich bin in eine Situation geraten, die vermeidbar gewesen wäre, wenn ich mich an das gehalten hätte, was ich selbst empfehle bigsmile – Meine Kamera ging kaputt, beim Kunden. Blöde Situation.

Was sich genau abspielte und wie ich das Shooting noch retten konnte, das habe ich hier mal aufgeschrieben – lacht über mich, lernt von mir, macht es besser wink

Vorgeschichte – Freitag

An einem Freitag Nachmittag im August 2018 hatte ich ein Shooting, Mitarbeiterfotos eines Gartenbau-Unternehmens. Es war ein Folgeauftrag. Ich freue mich über das Vertrauen und darüber, dass wir an diesem Tag zwar schönes, sonniges Wetter aber keine extreme Hitze hatten.

Das Shooting fand zu 100% mit meiner Olympus OM-D E-M1 Mark 1 und dem 40-150/2.8 Pro statt. Ich hatte während dieses 2-Stunden-Shootings genau keine Probleme. Null. Alles lief super, sogar der Autofokus saß diesmal zuverlässiger als damals beim ersten Auftrag – Ich hatte gelernt und hatte die Gesichtserkennung aktiviert wink

Abends zu Hause dann die normale Routine: Speicherkarte in den Rechner und Bilder einlesen, Akku aufs Ladegerät, frischen Akku in die Kamera, das Tele runter und das 12-40/2.8 Pro drauf, denn ich hatte am nächsten Tag das nächste Shooting.

DAS Shooting – Samstag

Nachdem Freitag alles super lief und ich die Kamera schon Abend vorbereitet hatte, lud ich am Samstag Vormittag alles ins Auto, Kamera, Blitze, Lichtformer, und fuhr los zum nächsten Kunden. Ein Familien-Shooting mit einem Baby und einem Kleinkind stand an. Auch ein Folgeauftrag, weil die Eltern mit dem ersten Shooting damals sehr glücklich waren smile So etwas macht mich auch froh und so fuhr ich guter Dinge los.

Vor Ort dann Begrüßung, Kaffee, Bilder vom ersten Shooting hingen an der Wand, wir sprachen darüber während ich das Blitzlicht aufbaute. Es konnte losgehen. Ich zog die Kamera aus der Tasche und schaltete sie ein…

…Nichts! Kein zucken oder surren vom Bildstabilisator, kein leuchtendes Pixel auf dem Display oder im Sucher. Gar nichts. Ich stutzte.

Rettungsversuche

Ich tat, was man eben so tut wenn die Kamera nicht reagiert:

  • Nochmal ausschalten, warten, einschalten. Nichts.
  • Akku raus, wieder rein. Nichts.
  • Anderer Akku rein, alle Akkus durchprobiert. Nichts.
  • Speicherkarte raus und rein, auch verschiedene. Nichts.
  • Objektiv runter, Kontakt-Pins geprüft, nichts hängt fest, Objektiv drauf, auch verschiedene. Nichts.
  • Dann Akkuklappe auf, hinten auf den Akku ein Stück Papier um den Anpressdruck zu erhöhen. Nichts.
  • Bei Twitter und im Happyshooting-Slack gefragt, ob noch jemand eine Idee hat
  • Hinweis auf Reset kam, also mal eingeschaltet mit gedrückter Info- bzw. Menü-Taste und auch beiden. Nichts. Kein Strom.
  • Bisschen ans Gehäuse geklopft. Nichts.

Mist. Kirmes im Kopf.

Mein großer Fehler

Früher hatte ich immer einen zweiten Body dabei. Als ich auf die Olympus umgestiegen war, hatte ich immer noch die Canon 5D mit ein oder zwei Objektiven dabei als Backup. Irgendwann dann nicht mehr.

Zum einen war ich mir zu sicher geworden und vertraute auf die Technik, die Kamera lief ja ohne Probleme. Zum anderen war die 5D und die Objektive einfach sehr groß. Body, Objektive, Akkus, das nahm alles sehr viel Platz in der Tasche weg und schließlich entschloss mich, sie zu Hause zu lassen.

Ich wollte immer eine zweite E-M1 kaufen, als Backup-Body. Tat es dann nie, weil ich auf einen Nachfolger mit besserem Autofokus wartete. Die E-M1.2 brachte diesen dann, war aber auch deutlich teurer als die Mark I damals … und es gab sie nicht in silber bigsmile

Ja bekloppt, aber ich dachte, das Backup kann ich später immer noch holen.

Mist.

Optionen

Zurück zum Shooting – Die Kamera war tot. Was waren meine Optionen?

  • Das Shooting absagen. Abbruch. Neuen Termin machen.
    Das wäre aber blöd gewesen. Da hatten gerade alle Zeit, das Wetter war gut, die Stimmung war gut, die Kinder waren fit, so etwas verschenkt man nicht leichtfertig
  • Nach Hause fahren, die Canon 5D einpacken, zurück fahren. Das hätte mich mindestens 1,5 Stunden gekostet. Ob die Kinder dann noch entspannt gewesen wären, wir wären in die Mittagszeit gerutscht, unklar.
  • Fremde Kamera benutzen – Kunde?

Shooting gerettet mit Kundenkamera

Ich fragte, womit die Eltern so fotografieren und hörte, dass sie eine Canon 400D und eine Canon 600D haben. Und, super, ich konnte die 600D verwenden. Ich durfte nicht nur die Kamera nutzen, ich durfte sie auch für meine Bedürfnisse konfigurieren bigsmile

Ich legte also meine SD-Karte in die Canon und ging die Einstellräder und das Menü durch:

  • Kamera auf M
  • Auto-ISO aus
  • Belichtungsmessung auf Spot
  • Fokuspunkt auf die Mitte
  • Fokus-Piepen aus.
  • Autofokus auf die *-Taste (Backbutton-Fokus), das geht in den Custom-Functions, ich glaube es war auf der 11 bei der 600D
  • RAW
  • s/w für die Bildvorschau – Es sollten auch s/w-Fotos werden hinterher

Es konnte losgehen. Mit dem Kit-Objektiv! Es war nur das klassische 18-55mm im Haus und ein Telezoom. Beide nicht besonders lichtstark. Bei 55mm hatte es eine Offenblende von f⁄5.6 was 2 Stufen weniger sind als die von mir gewohnten f⁄2.8. Die Offenblende ist auch nicht durchgehend, im Weitwinkelbereich hätte ich mehr Licht, ich habe die Kamera trotzdem hart auf f⁄5.6 gestellt. Warum?

Wenn ich mit Blitzlicht arbeite, ist die Leistung am Blitz bei mir ebenfalls manuell eingestellt. Ich mag kein TTL, was versucht schlauer zu sein als ich oder versucht mir zu helfen, wo ich absichtlich in den Low-Key-Bereich möchte. Wenn ich die Leistung aber manuell am Blitz regele, dann nervt es, wenn die Kamera ständig mit anderen Blenden arbeitet. Würde ich also bei Weitwinkel mit f⁄3,5 das Licht einstellen, hätte ich ein Problem wenn ich für ein Portrait auf 55mm zoome, weil die Kamera dann automatisch auf f⁄5,6 dicht macht. Also arbeitete ich durchgehend mit f⁄5,6 und konnte mich auf das Licht verlassen.

Der Haken war dann, dass die fehlenden beiden Blendenstufen vom Blitz kompensiert werden mussten. Nun stand der Blitz oft auf 1⁄4 oder gar auf 1⁄2 Leistung, was schnelle und längere Serien unmöglich machte. Aber immerhin, es funktionierte! Meine Funkauslöser von PocketWizard funktionieren mit jeder Kamera, einmal mehr war ich froh etwas mehr Geld ausgegeben zu haben smile

So zogen wir das Shooting durch und hatten viel Spaß. Am tollsten war der Augenblick, als ich den Eltern die ersten Ergebnisse auf dem Kameradisplay zeigte und der Vater meinte, dass er es nicht fassen könne, dass diese Bilder aus seiner Kamera kämen bigsmile

Tolles Gefühl wink

Ich erzähle das ja immer mal wieder auf Workshops und es ist auch im Happy-Shooting-Podcast immer mal wieder ein Thema: Es ist heutzutage ziemlich egal mit welcher Kamera ihr fotografiert, die Technik beschränkt sich am Ende immer auf ISO, Blende und Zeit. Beim Blitz eben noch Leistung, Entfernung, Größe, Richtung, Abstandsverhältnis zwischen … und so weiter – Es geht darum die Technik zu beherrschen, ein Auge für die Situation und die Bildgestaltung zu haben und es geht um den Umgang mit den Models. Hier durfte ich das nun selbst beweisen smile

Die Moral?

Ich hätte längst einen zweiten MFT-Body als Backup kaufen sollen. Wenn Ihr professionell fotografiert, also Geld dafür nehmt, seht zu, dass Ihr ein Backup habt. Je einmaliger und teurer das Shooting, desto wichtiger ist das.

Ich hätte mindestens die Canon 5D mit einem Objektiv als Backup dabei haben müssen, wenn ich schon keinen zweiten MFT-Body habe. Für ein Hochzeitsshooting hätte ich die auch dabei gehabt und zusätzlich noch die alte 350D. Für so ein vergleichsweise einfaches Familien-Shooting fühlte ich mich zu sicher mit der Technik.

Wie es weitergeht

An dem Wochenende war ich erst mal gedanklich durch den Wind. In der darauffolgenden Woche sollte ich auf einer Hochzeit fotografieren. Ich hätte nun die Canon 5D schleppen können, dann hätte ich aber gar nicht erst versuchen brauchen in der Kirche zu fotografieren – die ist nämlich laut und die Hochzeit auf einem eher höheren Niveau geplant, da rasselt man einfach nicht mit Spiegelschlag in der Kirche, jedenfalls nicht mehr 2018 wink

Ich habe mir dann also noch am Sonntag online eine neue Kamera geklickt und die kaputte E-M1 versandfertig für den Olympus-Service gemacht.

Wenn die alte Kamera repariert zurück kommt, habe ich also endlich meine zwei MFT-Bodies… wie ich es schon vor Jahren hätte machen sollen wink

Welche Kamera es geworden ist und welche Überlegungen dahinter standen, das schreibe ich mal einem eigenen Beitrag, denn die Frage zur Anschaffung einer Kamera erreicht mich immer wieder, vielleicht hilft das dann auch anderen smile

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Super tolles und entspanntes Shooting trotz „Zwischenfall“ ;) und die Bilder sind eine wunderschöne Erinnerung, die sich bald zu den anderen an die Wand gesellen werden. Lieben Dank Boris….sehr gerne wieder :)

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