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Buchvorstellung: “Manche Fehler muss man selber machen” von Patrick Ludolph

Ich habe mir ein Buch angehört und angesehen und habe einfach Lust ein paar Worte dazu zu schreiben. Es geht um das Buch “Manche Fehler muss man selber machen” von Patrick Ludolph. Vorweg ein wichtiger Hinweis:

WERBUNG – TRANSPARENZ – Patrick “Paddy” Ludolph ist ein befreundeter Fotograf aus Hamburg. Er hat mir das Hörbuch und ein Exemplar des Buches kostenlos zur Verfügung gestellt. Er hat nichts von mir verlangt, ich wurde nicht genötigt irgendetwas dazu zu schreiben und schon gar nicht gab es Vorgaben über den Inhalt meiner Aussagen. Ich erwähne dies trotzdem deutlich, um zu vermeiden, dass irgendein Verein meint, mir Beeinflussung und Euch fehlende Selbstständigkeit zu unterstellen.

Wenn Euch das nicht abschreckt, könnt Ihr weiterlesen.

Fotobücher und Ich

Das passt kaum zusammen. Ich habe sehr wenig Bücher anderer Fotografen. Ich lese generell wenig Bücher, weil mir meistens die Zeit und oft auch die Geduld dazu fehlt. Ich schaue mir gerne Fotos anderer Fotografen an, kaufe aber keine Bücher deswegen.

Ich habe mal überlegt, warum das so ist. Eine endgültige Antwort habe ich nicht, aber einen Indikator: Mich interessieren Geschichten & Reportagen mehr als das Foto für sich allein. So habe ich durchaus schon Bücher anderer Fotografen gekauft, wenn sie darin mit Bildern & Text über besondere Reisen und Erfahrungen berichteten – selbst diese kann ich zwar an einer Hand abzählen aber immerhin.

Reine Lehrbücher wiederum reizen mich nicht mehr. Ich habe mir vieles beigebracht und unterrichte inzwischen selbst. Ich besuche lieber einen Workshop um neue Impulse zu bekommen und direkt nachfragen zu können oder schaue mir ein Video eines Fotografen mit Tipps an als dass ich ein Buch kaufe.

Ein reiner Fotoband gibt mir irgendwie nichts – oder nicht genug – vielleicht, weil ich Fotos ja selber mache und machen möchte ohne mich zu sehr beeinflussen zu lassen. Als Paddy mich also fragte, ob er mir ein Rezensionsexemplar schicken könnte, war ich zwar neugierig aber auch skeptisch… Es war nämlich kein Buch über eine Reise – außer man möchte den eigentlichen Werdegang, die Entwicklung eines Fotografen zu dem was er geworden ist als Reise bezeichnen… Kann man machen, trifft den Geist des Buches aber nicht ganz… oder doch?

Zwei Bücher in einem

Das Cover-Bild findet sich im zweiten Teil des Buches mit einigen Hintergrundinformationen wieder

Das Buch mit seinen 239 Seiten ist eigentlich zwei Bücher smile Im ersten Teil gibt es eine Art Workshop-Sammlung. Im zweiten Teil zeigt Patrick viele seiner Bilder und schreibt etwas zu deren Entstehung.

Teil 1 – Basics, Gedanken, Tipps

Der erste Teil – das ist der Teil, den es auch als Hörbuch gibt – ist im Grunde eine Sammlung von Workshop-Informationen. Grundlagen, Hintergründe, Gedanken, Tipps, Antworten auf gängige Fragen. Wieviele Objektive nutzt Paddy inzwischen und welche und warum? Und ja, auch er hatte mal alles was man bekommen konnte um jeden Millimeter Brennweite abzudecken wink Warum sollte man Bilder vor einer Präsentation gut auswählen und diese Auswahl reduzieren und warum fällt dies so schwer? Wie geht Patrick mit seinen Models vor der Kamera um und wie mit unerfahrenen Personen? Welche einfachen Tricks gibt es, um einen Bauch zu verkleinern und Doppelkinns zu kaschieren? Warum ist Fensterlicht so toll und welche Möglichkeiten bietet es einem… und so weiter und so fort.

Eine geradlinige, moderne Sans-Serif-Schrift im ersten Teil des Buches – schnörkellos und doch etwas “anders”

Für mich ist der erste Teil des Buches Alltag und ich konnte mich und meine Workshops nahezu zu 100% wiederfinden. Es sind die Dinge, die Grundlagen, die jeder fragt und jeder lernen sollte, der etwas mehr mit der Fotografie machen möchte.

Wer schon länger fotografiert, wer schon häufiger oder gar regelmäßig erfolgreich Menschen fotografiert und eigene Projekte realisiert, für den ist dieser erste Teil vermutlich nichts neues mehr. Das Buch richtet sich meiner Meinung nach mit diesem Teil eher an Einsteiger oder solche, die neben Natur und Architektur jetzt auch mal intensiver Menschen fotografieren möchten – oder eben an diejenigen, die Paddy einfach mögen und mal lesen & hören möchten, wie sich das bei ihm so entwickelt hat, wie er zur Fotografie kam, was er eigentlich so tut und warum und welche Fehler er schon gemacht hat etc. smile

Teil 2 – Bilder und deren Entstehung

Dieser Teil ist inhaltlich anders und das wird im Buch auch durch eine ganz andere Schriftart symbolisiert. Las sich der erste Teil noch in einer elegant modernen Sans Serif Schrift in zwei Spalten, entspricht der zweite Teil eher einer Art Logbuch oder einem Storyboard, ein Hauch von Vintage kommt rüber, “rotzig ehrlich” möchte ich sagen ohne dass es übertrieben wirkt. Neben einem Bild steht der Text in einer Serifen-Schriftart die an eine alte Schreibmaschine mit etwas ungleichmäßigem Tintenauftrag und unsauberen Schriftbild erinnert.

Alte Schreibmaschine im leichten Vintage-Logbuch-Stil, passend zur direkten Art, in der ohne Umwege Hintergrundinformationen zu den Bildern präsentiert werden

Auf den folgenden Doppelseiten geht es jeweils um ein Bild, 48 Bilder insgesamt. Das Bild, manchmal auch eine Serie, wird groß dargestellt, nicht selten über eine Seite hinaus. Daneben beschreibt Patrick dann schnörkellos was hinter dem Bild steckt. Wo wurde es gemacht, was war der Grund, womit und wie entstand es, musste noch etwas retuschiert werden und so weiter. Dabei folgen diese Erklärungen keinem strengen Muster. Manchmal gibt es mehr zu erzählen, manchmal eben nicht, manchmal gab es eine Idee oder gar eine Planung, manchmal waren es die spontanen Ergebnisse.

Diesen Teil fand ich deutlich interessanter als den ersten Teil, den ich ja selbst schon durchlebt habe. Dieser zweite Teil gab mir mehr Einblick in die Arbeiten und Arbeitsweise von Paddy und teils auch in seine Denkprozesse während eines Shootings um eine Location für sich zu entdecken oder zu erarbeiten. Auch hier fand ich mich häufig wieder, fand aber auch Anregungen um künftig noch auf andere Dinge zu achten.

EXIF

Durch das Buch ziehen sich die EXIF-Informationen der Fotos, soweit diese vorhanden und bekannt waren, was bei analogen Bildern nicht immer der Fall war. Auch hier zeigt sich meiner Meinung nach, dass das Buch eher für interessierte Ein- oder Umsteiger gedacht ist, denn solche EXIF-Daten sind eine technische Beschreibung der Kameraeinstellungen, sie haben aber nur eine geringe Aussagekraft was die Entstehung des Bildes betrifft.

Dass der Hintergrund unscharf wird wenn die Blende größer wird ist logisch, man wird ein bestimmtes Bild aber auch mit identischer Kamera und identischen Einstellungen nicht reproduzieren können, wenn der Hintergrund eine andere Entfernung hat, anders strukturiert ist, das Licht aus einer andere Richtung oder gar nicht kommt und so weiter … Wegen mir hätte man das also auch weglassen können – dann hätte Patrick aber vermutlich eine Flut von Mails mit Fragen zu den EXIF bekommen wink Wie man’s macht…

Er spricht dieses Thema auch kurz an und ich vermute, er hat mit sich selbst genau so gehadert, ob er diese Daten nun zu jedem Bild dazu schreiben sollte oder nicht smile

Das Buch an sich

Es ist dick, schwer und es ist matt. Ich bin kein Druck-Profi und kenne mich in Papiersorten nicht sonderlich tief aus. Ich kann nur sagen: Die Seiten sind dick, keine dünnen Flatterseiten, sie fühlen sich dadurch sehr wertig an. Das ist kein Magazin, keine Zeitung, das ist ein Buch. Das Papier hat eine deutliche Struktur, fasst sich etwas rauh an, es hat Charakter. Es ist nicht versiegelt, glänzt nicht sondern ist offen und matt.

Offenes Papier mit Struktur, matt.

Für viele Bilder passt dieser Look sehr gut, gerade entsättigte oder viele Schwarz-Weiß-Bilder kommen sehr gut rüber. Bei manchen Bildern hätte mir eine klarere Darstellung besser gefallen. Bei Gegenüberstellungen mit und ohne Bearbeitung konnte ich die Unterschiede kaum erkennen oder zumindest nicht so deutlich, wie das vermutlich an einem Bildschirm der Fall gewesen wäre. Bei schrägem Lichteinfall neigen schwarze Flächen dazu heller zu reflektieren als das Papier selbst – Das war bei Tageslicht kein Problem, beim Lesen mit Spotbeleuchtung von der Zimmerdecke teilweise schon smile

Das alles kann den extrem hochwertigen Eindruck des Buches bei mir nicht schmälern. Paddy liebt seine Fotos und er mag diesen ehrlichen Charakter des Papiers, das ist offensichtlich und es spiegelt ihn selbst und seine offene und ehrliche Art perfekt wieder.

Es fasst sich gut an, es duftet nach Druck und Papier und die Empfehlung von Paddy, sich das Hörbuch mit dem Buch vor sich und einem guten Whisky neben sich zu genießen, hat wunderbar funktioniert wink Für den zweiten Teil empfehle ich etwas instrumentale Filmmusik als Untermalung.

Das Hörbuch

Patrick spricht es selbst. In 40 Einzeldateien unterschiedlicher Länge sind die einzelnen Kapitel des ersten Teils enthalten – 3 Stunden, 22 Minuten zeigt mir iTunes

Ich habe mir eine Playlist in iTunes angelegt, alle Dateien am Rechner importiert und diese Liste dann auf mein iPhone synchronisiert. Alternativ gibt es auch Podcast-Apps für iPhone, wie zum Beispiel Overcast. Über meinen Web-Zugang bei Overcast konnte ich die 40 Dateien hochladen und so diese “Uploads”-Liste bequem abspielen lassen – Ich habe es in normaler Geschwindigkeit und ohne gekürzte Pausen gehört.

Die Aufnahmen sind extrem gut gemacht. Keine störenden Hintergrundgeräusche, keine Schmatzer, kein Atmen ins Mikro, … Ich konnte Paddy sehr gut und konzentriert folgen. Die Kapitel-Titel klingen etwas anders, ich vermute, dass sie vorher oder nachher eingesprochen wurden? Auch klingen nicht alle Kapitel komplett identisch, hier zieht sich die offene und ehrliche, etwas raue Art des Buches durch – Die Stimme ändert sich über den Tag und über die Woche und ziemlich sicher wurde nicht alles am Stück gesprochen. Ich meine sogar zu erkennen, dass die Stimme nach hinten raus lockerer wird. Es ist natürlich vorgelesen und nicht frei erzählt, nervt dabei aber nicht, stockt nicht und wirkt nicht aufgesetzt – Es ist einfach Paddy, wie er vor einem sitzt und einem sein Buch vorliest, während man ihm abwechselnd einfach zuhört, mal im Buch blättert und immer mal wieder an seinem Whisky nippt – angenehm.

Hier geht es zum Shop von Paddy

“…im Idealfall stelle ich mir vor, dass Ihr Euch einen guten Whisky einschenkt, Kopfhörer aufsetzt, das Buch auf den Schoß legt und Euch damit vor den Kamin setzt” – Also gut …

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