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Mal wieder analog – Was ich alles nicht vermisst habe

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Nie wieder analog, hab ich gesagt. Digital ist prima, so viel schneller, bequemer, sofortiges Feedback, Bild gemacht, zack auf den Rechner, fertig. Ich habe zwar nie gesagt, dass ich nie wieder analog fotografieren würde, ich sagte aber immer: „Wenn schon noch mal analog, dann nur ein größeres Format als 35mm“. Und? Was habe ich getan? Ich habe einen analogen 35mm Film gefüllt – Ich kann ja so konsequent sein smile

OK, die Entscheidung wurde deutlich beeinflusst durch das Geschenk eines Hörers. Ich meine, wenn man schon eine Kamera zum selber bauen bekommt, dann schaut man nicht aufs Format, dann probiert man die einfach aus.

Einfach – sagte ich einfach? So einfach war es natürlich nicht – hätte ich wissen können, hatte ich aber verdrängt.

Da war sie also, die Somikon, Selbstbau aus Plastik, Optik aus Plastik, Yps-Gefühl für Fortgeschrittene. Yeah!

Naja, es muss wohl die Optik der Zweiäugigen gewesen sein, die eine Retro-Stimmung in mir weckte. Ich wollte auf jeden Fall Schwarz-Weiß-Fotos machen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich von Anfang an wusste, dass ich die Negative digitalisieren wollte, hätte mir das eigentlich egal sein können, ein Farbfilm hätte es getan. Aber nö, ich wollte ja unbedingt einen Schwarz-Weiß-Film haben – meine Eltern stellten schon früh fest, dass mein Kopf recht dick sein kann wink

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Film kaufen ist schwierig geworden

Also unterstützen wir doch mal den lokalen Einzelhandel. Nervt mich ohnehin, dass in der Stadt immer mehr Läden schließen müssen, wirklich traurig. Gut, also mal wieder so richtig eintauchen ins analoge, so richtig mit raus vor die Tür gehen und einkaufen und so smile

Ich fuhr also in die Stadt. In der ansässigen Drogerie gab es immer eine große Auswahl an Filmen, damals. Ist wohl schon länger her denn groß war die Auswahl nicht mehr. Immerhin gab es überhaupt noch Filme. 24er, 36er und ich glaube in zwei ISO-Stufen. Aber kein Schwarz-Weiß? Doch da, ganz an der Seite ein Schmales Abteil für die S/W-Filme. Hm, früher war auch die Packung in Schwarz um das deutlich zu machen. Ich studierte die Verpackung und fand den Haken – Es war kein echter S/W-Film sondern ein Farbfilm ohne Farbinformationen. Es ist ein Film, der im normalen C41-Prozess entwickelt wird. Na, egal, ich wollte ohnehin nicht selber entwickeln und so war es mir auch egal, ob ich tolle Push-/Pull-Spielereien anstellen könnte oder nicht und jetzt noch mal durch die Stadt latschen um zu gucken, ob das Fotolädchen vielleicht noch richtiges S/W-Filme hat? Och nö, komm, reicht, wer weiß, ob die Kamera überhaupt funktioniert und lichtdicht ist. Also den Film aufs Kassenband gelegt und 7,39 Euro bezahlt.

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Fest steht aber, dass die Auswahl in der Stadt deutlich eingeschränkt worden ist. Wollte ich jetzt also einen ganz bestimmten Film haben, weil mir z. B. die Grün-Wiedergabe beim Fuji 160 so toll gefällt oder Kontraste beim Kodak 400, oder ich einen bestimmten Dia-Film suchte oder eben einen S/W-Film mit 400, 800 oder 3200 ISO, dann hätte ich wirklich ein Problem. Der geneigte Durchschnittsbürger scheint sich nicht (mehr) um spezielle Filme zu kümmern sondern einfach einzulegen was im Regal liegt – für alles andere reicht die Jackentaschen-Digitale.

Noch Aufnahmen übrig

Wer kennt das noch? Der Ausflug ist zu Ende, der Film in der Kamera ist aber noch nicht voll. Da sind noch Aufnahmen übrig. Also noch etwas abwarten, es ergibt sich bestimmt noch eine gute Gelegenheit. Oder auch nicht. Also doch den Garten? In meinem Fall wusste ich nicht einmal wie viele Aufnahmen noch übrig waren, die Somikon hat keinen Bildzähler. Hrmpf. Ich hielt ein paar mal auf den Fernseher. Ausrede? Mal gucken wie viel Licht man braucht *hüstel* – Hurra, der Film ist voll smile Zurück spulen und? Genau, wieder in die Stadt.

Film entwickeln lassen – Abzüge abholen

Mir wurde sehr schnell klar, warum ich diese Prozedur erfolgreich verdrängt hatte. Ich ging diesmal gleich zum Fotolädchen. Der hatte immer so ein Stundenlabor. Film abgeben und maximal 60 Minuten später den entwickelten Film und die Abzüge abholen. Das wäre super, dann würde meine Neugier direkt befriedigt und in der Zwischenzeit würde ich mir ein Eis und einen Cappuccino gönnen.

Denkste. Im Lädchen stand zwar eine gewaltige Maschine, die entwickelte aber keine Filme mehr. Das Analog-Labor hatte er seit einigen Jahren nicht mehr. Die große Maschine konnte Bilder von Speicherkarten drucken oder belichten, auch schön aber nicht was ich suchte. Der Ladeneigentümer grübelte, in der Stadt gäbe es sonst niemanden mehr mit so einem Analog-Labor. Vielleicht noch in Göttingen, da gab es mal einen aber sein Wissensstand ist da auch schon mindestens ein Jahr alt. Och menno, irgendwie wollte ich jetzt auch mal einen Punkt an die Sache haben und nicht durch die Gegend fahren – So ein Stundenlabor half mir ja auch nichts, wenn ich erst tagelang nach einem suchen müsste.

Also Nägel mit Köpfen. Ich gab den Film ab und meinte, dann mögen sie ihn doch bitte einschicken und entwickeln lassen. 10×15 Abzüge glänzend bestellte ich direkt mit, dann könnte ich nach einer Woche Wartezeit wenigstens sofort etwas sehen.

10×15 Abzüge kann man recht gut abfotografieren, die einfachste Möglichkeit seine Aufnahmen zu digitalisieren. Glänzend bevorzuge ich dabei, weil das Papier keine Struktur hat. Matte Papiere, erst Recht diese Pearl-Papiere, haben winzige Mulden die bei einer Ausleuchtung zum Abfotografieren gerne mal überdeutlich hervortreten. Scannen ist mit den matten Papieren, meiner Erfahrung nach, fast gar nicht sinnvoll möglich.

Es war Mittwoch, der 31. Dezember, die Dame hinter dem Tresen meinte, es würde etwa eine Woche dauern. Prima.

Am 7. Januar fuhr ich also erneut in die Stadt um die Bilder abzuholen, doch der Film war noch nicht wieder zurück. Es gibt nicht mehr viele Labors in Deutschland und dieses Fotolädchen arbeitet mit einem in Süd-Deutschland zusammen. Was war am 6. Januar? Richtig, Heilige Drei Könige, dort ein Feiertag, es kam also keine Lieferung. Am Freitag sollte eine Lieferung kommen.

Also fuhr ich am 9. Januar, am späten Nachmittag, zum dritten Mal für diesen Film in die Stadt. Es war kalt, windig, es regnete – was tut man nicht alles für seinen Film. Ich erreichte das Fotolädchen, zeigte meinen Abholzettel und erfuhr, dass mein Film noch nicht mit dabei war.

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Macht ja nix, war eh inzwischen alles egal. Irgendwann würde der schon kommen oder er wäre für immer verloren. Ich versuchte es am 14. Januar erneut und – Hurra – der Film war da smile Ich blätterte kurz durch die Abzüge und war euphorisch. OK, es waren sicher keine ausstellungsreifen Kunstwerke entstanden und einige Aufnahmen schienen sehr unscharf, äh, traumhaft weich zu sein aber die Kamera war ganz offensichtlich lichtdicht und funktionstüchtig. Geil!

Ich bezahlte 23,58 Euro für Film und Abzüge und fuhr nun doch freudig nach Hause. Ich schaute mir die Aufnahmen in Ruhe an und fand doch einige darunter, die mir durchaus gefielen. Auf den Negativ-Streifen fand ich Aufnahmen, von denen das Labor keine Abzüge gemacht hatte, weil sie extrem unterbelichtet waren.

Nochmal?

Würde ich diese Prozedur noch einmal durchziehen? Ziemlich sicher nicht. Bei Amazon bekomme ich verschiedene Schwarz-Weiß-Filme frei Haus geliefert, günstiger als der Drogerie-Preis, die Fahrtkosten und Parkgebühren in der Stadt noch gar nicht gerechnet. Noch mehr Auswahl und günstigere Preise gibt es bei diversen Online-Händlern, z. B. hier.

Und entwickeln? Die Abzüge benötige ich eigentlich gar nicht weil ich die Negative direkt digitalisieren kann. Den Film zum entwickeln weg schicken? Kann man machen und dann wieder Wochenlang warten oder zig mal in die Stadt fahren – ja ich weiß, es gibt auch Dienstleister die einen alles nach Hause schicken wink

Nö, ich glaube beim nächsten Mal entwickele ich einfach selbst. Für nicht mal 40 Euro bekommt man ein Starter-Set mit allem, was man so benötigt. Wenn ich nicht in einem dunklen Raum arbeiten möchte, kommt noch ein Wechselsack hinzu. Vielleicht würde ich auch gleich etwas mehr investieren, um eine Dose und Zubehör für Mittelformat oder gar Großformat zu haben. So schwer ist die Filmentwicklung nun auch wieder nicht und gerade bei Schwarz-Weiß kann man einige tolle Sachen dabei machen. Und ich meine, wenn schon eine selbst zusammengebaute Kamera und Abenteuerlust, dann beim nächsten Mal auch bis zum Ende, oder?

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9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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