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Capture One Pro 8 – Erster Import

Capture One Pro 8 – Import-Dialog.
Capture One Pro 8 – Import-Dialog.

Hier kommt Teil 2 meines Blicks auf die Lightroom-Alternative Capture One Pro 8. Im ersten Teil habe ich über die Installation und die erste Einrichtung geschrieben.

Hier im zweiten Teil wird es nun etwas konkreter – Ich hatte einige Bilder vom letzten Ausflug auf der Speicherkarte und ich hatte einige Fotos meiner Apple Watch für einen Blog-Beitrag gemacht. Diese Bilder wollte ich nun erstmals nicht mit Lightroom sondern mit Capture One bearbeiten.

Es geht also um den Import – Wie läuft der bei Capture One ab im Vergleich zu Lightroom…

Import

Capture One läuft, ich stecke eine SD-Karte in meinen Kartenleser und sofort öffnet sich ein Import-Dialog.

Das ist im Grunde dieselbe Logik wie bei Lightroom, nur dass ich mit Lightroom das Problem hatte, dass dieser Import-Dialog nicht jedes mal automatisch erschien, das Verhalten war erratisch – Mal ging es, dann mal wieder nicht und ich musste den Import manuell aufrufen. Mit Capture One habe ich jetzt noch nicht so viel importiert, bisher ging der Dialog aber jedes mal auf.

Nun gut, der Dialog bei Capture one hat nur eine Ansicht – auf der linken Seite einige Einstellungen, rechts die Übersicht der Bilder auf der Speicherkarte. Oh, ein Wort zu der Bildübersicht – Bei Lightroom wartete ich teils eine halbe Ewigkeit darauf, dass die Vorschaubilder komplett geladen und angezeigt wurden. Bei Capture One war diese Übersicht bei meinen bisherigen Importen deutlich schneller aufgebaut! Auch konnte ich butterweich durch die Thumbnails scrollen, mit zwei Fingern auf dem Touchpad, eine Wohltat. Scrollt man schnell weiter, sieht man, dass nicht alle Thumbnails geladen wurden – wozu auch wenn man sie eh nicht im Fenster sieht? Sie werden dann aber blitzschnell von der Karte nachgeladen. Sauber!

Was im Dialog möglich ist

Die Größe der Vorschaubilder kann mit einem Schieberegler eingestellt werden. Das ist allerdings nur bis zu einem gewissen Grad sinnvoll. Wenn ich den Zoom auf Maximum stelle, sehe ich noch zwei Bilder nebeneinander – aber unscharf. Vermutlich weil die Auflösung der Vorschau-JPG in den RAW-Dateien bei der E-M1 nicht ausreicht? Oder weil Capture One nicht die volle Auflösung lädt um die Bilder schneller zeigen zu können? Mir egal, so groß werde ich die kaum durchscrollen wollen.

Wenn ich die Ansicht der Vorschaubilder auf Maximum vergrößere, werden diese nur noch unscharf dargestellt. Ob dies an den eingebetteten JPG oder an Capture One liegt, weiß ich nicht
Wenn ich die Ansicht der Vorschaubilder auf Maximum vergrößere, werden diese nur noch unscharf dargestellt. Ob dies an den eingebetteten JPG oder an Capture One liegt, weiß ich nicht

Die Ansicht kann nach diversen Kriterien auf- und absteigend sortiert werden – nach Name, Größe, ISO-Wert, Bewertung, Objektiv, Brennweite, Blende, Belichtungszeit, … ziemlich clevere Möglichkeiten, man kann so im Import-Dialog alle Langzeitbelichtungen zusammen bekommen oder alle Makro-Aufnahmen, etc.

Was ich nicht finden konnte ist eine große Ansicht eines gewählten Bildes. Bei Lightroom kann ich mit einem markierten Bild E drücken und bekomme das eine Bild in groß gezeigt, um z. B. die Schärfe beurteilen zu können. Bei Capture One scheint es so etwas im Import-Dialog nicht zu geben.

Genau wie bei Lightroom gibt es auch bei Capture One keine Möglichkeit im Import-Dialog Dateien nach Dateiname zu suchen. Zugegeben, dieser Wunsch von mir ist schon sehr speziell. Ich kann das bei Workshops gebrauchen wenn Teilnehmer ein Bild abgeben. Aber gut, so schnell wie die Ansicht bei Capture One ist, klappt das auch mit scrollen.

Als nächstes schaute ich mir die Einstellungen auf der linken Seite an.

Import Quelle

Import Quelle wählen
Import Quelle wählen

Der Dialog wurde gestartet als ich die Speicherkarte eingesteckt hatte, die Quelle wurde hier automatisch auf diese Speicherkarte gestellt – sie heißt NO NAME – logisch. Man kann den Dialog aber auch manuell aufrufen und hat dann hier die Möglichkeit ein Verzeichnis auf dem Rechner oder im Netzwerk zu wählen, von dem man importieren möchte.

Warum mir der Import-Dialog alle Bilder auf der Karte zeigt obwohl die Option für die Unterordner nicht aktiviert ist, verstehe ich allerdings nicht – vermutlich ein Sonderfall, wenn eine typische Struktur von Kameras gefunden wird.

Import Ziel

Import Ziel – Eigene Vorlagen sind möglich
Import Ziel – Eigene Vorlagen sind möglich

Hier wird es spannend! Natürlich kann ich hier wählen wohin die Bilder kopiert werden sollen, es gibt aber gegenüber Lightroom eine Besonderheit – Ich kann hier wählen, ob die Bilder einfach so in eine Verzeichnisstruktur auf die Festplatte kommen oder ob sie im Katalog direkt abgelegt werden sollen.

Capture One Import – Wo sollen die Bilder hin?
Capture One Import – Wo sollen die Bilder hin?

Wer Apple Aperture genutzt hat, der wird das Konzept Inside Catalog kennen. Der Capture-One-Katalog ist auf dem Mac ein Paket, sieht also im Finder aus wie eine große Datei besteht aber tatsächlich aus vielen Verzeichnissen und Dateien. Wenn man sich nun keine Gedanken um die die Ablagestruktur machen möchte, kann man die Bilder in diesem Paket ablegen und gut ist. Das ist praktisch, weil dann immer alle Daten zusammen in einem Paket liegen und kopiert / gesichert werden können. Das kann aber sehr unpraktisch werden, wenn der Katalog immer größer wird – Mal eben ein paar Gigabyte Daten bewegen ist eben doch aufwendig.

Wie bei Lightroom auch gibt es die Möglichkeit, die Bilder am Ursprungsort liegen zu lassen und nur eine Verknüpfung in die Datenbank aufzunehmen. Dafür wählt man hier Current Location.

Oder man wählt ein Verzeichnis auf dem Rechner oder im Netzwerk als Ziel, das habe ich getan.

Wer die Move-Funktion von Lightroom sucht, das geht bei Capture One auch. Es gibt ganz unten im Dialog eine Option “Erase Images After Copying”.

Dort gibt es auch die Option zum Auswerfen der Speicherkarte nach Import – sehr gut – und ich kann wählen, ob ich die Sammlung beim Import sofort angezeigt bekomme oder ob ich eine Information erhalte, wenn der Import abgeschlossen ist. Ich kann auch wählen, dass ich gar nicht vom Import gestört werde. Kann interessant sein, wenn man an einem vorherigen Import in Ruhe arbeiten möchte, während eine weitere Karte eingelesen wird.

Aber zurück zu den Ziel-Einstellungen. Wie bei Lightroom kann man sich automatisch eine Verzeichnisstruktur am Zielort erzeugen lassen. Ich habe hierfür immer Jahres-, Monats- und Tagesverzeichnisse erzeugen lassen – Jahr/Monat/Tag/<Bilder>. Dies konnte ich problemlos in Capture One nachbauen. Es gibt eine Fülle an Variablen die man sich per Drag&Drop zu einem Verzeichnisnamen zusammenstellen kann und man kann sich verschiedene Vorgaben als Template abspeichern.

Capture One – Import – Verzeichnisnamen und Dateinamen können mit Variablen zusammengebaut werden
Capture One – Import – Verzeichnisnamen und Dateinamen können mit Variablen zusammengebaut werden

Hier stieß ich allerdings direkt auf einen Fehler – Das Format-Feld ist zu Begin nur eine Zeile hoch. Als ich mehrere Variablen in diese Zeile zog, passierte plötzlich augenscheinlich nichts mehr, der Kasten Image Day of Month (dd), den ich hineingezogen hatte, tauchte nicht auf. Die Lösung: Einfach den Dialog kurz etwas vergrößern oder verkleinern, Hauptsache die Größe ändern, dann aktualisiert sich die Anzeige und das Format-Feld wird so hoch wie nötig. Ich gebe zu, ich war etwas verwundert von so einem Fehler in einer professionellen Software der 8. Version … Nun gut, geschenkt, Fehler passieren und wenn man den Workaround erstmal kennt, kommt man damit klar – so oft wird man hier nichts einstellen.

Doppelt hält besser

Capture One - Import - Zweite Kopie erzeugen
Capture One – Import – Zweite Kopie erzeugen

Man sagt:

“Daten, die nur an einem Ort liegen, existieren nicht”

Fällt nämlich dieser eine Datenträger aus, ist alles futsch. Ohne Backup geht also nichts. Wer direkt beim Import ein Backup der Originaldaten anlegen möchte, der kann das hier tun. Von jedem importierten Bild werden dann direkt zwei Kopien erzeugt – am Zielort und am Backup-Ort.

Dateinamen

Capture One - Import - Dateinamen können auch zusammengebaut werden
Capture One – Import – Dateinamen können auch zusammengebaut werden

Wie schon beim Zielverzeichnis erklärt, können auch die importierten Dateien automatisch umbenannt werden. Ich lasse gerne das Datum in umgekehrter Reihenfolge vor den originalen Dateinamen schreiben. So sehe ich mit einem Blick von wann die Bilder sind und ich vermeide doppelte Dateinamen.

Bei speziellen Aufträgen gehe ich vermehrt dazu über, eine Bezeichnung dazu zu schreiben, das ginge hier mit dem Job name – wenn eine entsprechende Variable im Format hinterlegt wurde.

Als Beispiel wird der neue Name des markierten Bildes angezeigt. Praktisch.

Metadaten

Capture One - Import - Metadaten. Im Vergleich zu Lightroom sehr übersichtlich… *hüstel*
Capture One – Import – Metadaten. Im Vergleich zu Lightroom sehr übersichtlich… *hüstel*

Hier habe ich eine Weile ungläubig geguckt, gesucht, geklickt, probiert, im Internet gesucht und nur Bestätigungen gefunden. Ja, das ist wirklich alles! Copyright und Beschreibung. Fertig. Aus.

Nein, mehr Metadaten können direkt beim Import nicht mitgegeben werden. Keine Stichworte für alle zu importierenden Bilder, keine Kontaktdaten des Models oder Model-Releases, keine Ortsangaben und so weiter. Die kleinen drei Punkte rechts oben an jeder Einstellung bieten nur die Option zum zurücksetzen, keine versteckten Tricks.

Ohne lange Umschweife – Hier hat Lightroom aber dermaßen die Nase vorn! Es wäre toll, wenn Phase One hier noch mal Hand anlegt.

Einstellungen beim Import anwenden

Capture One – Import – Bildentwicklung direkt beim Import möglich wie bei Lightroom
Capture One – Import – Bildentwicklung direkt beim Import möglich wie bei Lightroom

Dies ist wie bei Lightroom auch bei Capture One möglich. Wenn ich also schon weiß, dass ich alle Bilder in Schwarz/Weiß entwickeln möchte, dann kann ich direkt beim Import einen Stil anwenden lassen. Oder ich wähle eine automatische Anpassung um alle Bilder möglichst einheitlich in meine Bearbeitung zu bekommen. Es sind viele andere Anwendungsfälle denkbar warum man so etwas haben möchte und es gibt einen Unterschied zu Lightroom…

…die Styles sind das Equivalent von Presets bei Lightroom. Allerdings wird bei Capture One nicht getrennt zwischen Entwicklungseinstellungen und Metadaten! Ich könnte also ein Stil mit bestimmten Metadaten anlegen und diesen beim Import auswählen. Das ist zwar kein Ersatz für das Metadaten-Feld beim Import von Lightroom, kann aber zumindest hilfreich sein, wenn man immer wieder ähnliche Shootings hat und immer dieselben Metadaten zuweisen möchte. Trifft auf mich nicht zu, ich wollte es aber erwähnt haben smile

Informationen

Capture One - Import - Informationen zu einer gewählten Datei sind nicht besonders umfangreich
Capture One – Import – Informationen zu einer gewählten Datei sind nicht besonders umfangreich

Zuletzt gibt es noch einen Abschnitt mit Datei-Informationen. Diese sind leider nicht sonderlich umfangreich. Name, Datum, Kamera, Größe. Keine Blende, Belichtungszeit, ISO, … schade. Raum für Verbesserung.

Das war’s

Das waren alle Einstellmöglichkeiten. Nun selektierte ich also alle Bilder, cmd+a im Browser, und klickte auf Import. Cleveres Detail: Der Import-Button unten rechts, in leuchtendem Orange, zeigte die Anzahl der gewählten Bilder. Versehentlich mehr oder weniger Bilder importieren als man vor hatte sollte so eigentlich ausgeschlossen sein.

Die Schaltflächen sind allerdings allesamt recht schlank. Das ist zwar schön, weil wenig Platz für Bedienelemente verloren geht, auf der anderen Seite wirkt die Oberfläche dadurch ziemlich kleinteilig, puzzelig, anstrengend zu lesen und zu bedienen. Ist so ein Gefühl-Ding, schwer zu greifen. Für die Funktion nicht wirklich wichtig aber eben nicht übermäßig ästhetisch. Capture One Pro möchte keine moderne HTML-5-Clicki-Bunti-Oberfläche sein sondern richtet sich eher an den Techniker.

Wenn ich mir alte Screenshots von Capture One Pro 7 anschaue glaube ich aber zu erkennen, dass Phase One durchaus daran arbeitet. Zu klein ist nämlich nicht gut für die Bedienung und genau da hat sich mit Version 8 schon etwas getan.

Kopieren und Vorschauen

Die Bilder wurden recht flott auf die interne SSD übertragen, so schnell, wie ich es von einem USB2-Kartenlesen erwarten durfte. Anschließend berechnete Capture One die Vorschaubilder. Wie bei Lightroom dauerte dies eine Weile – Ich arbeite an einem Core2Duo von 2009, das ist keine Rakete aber auch keine Schnecke. Gefühlt ging es deutlich schneller als bei Lightroom 6, genau gemessen habe ich es nicht. Vielleicht hole ich das noch mal nach.

Was ich vermisse

Ich kann zwar verschiedene Vorlagen für Verzeichnisstrukturen und Dateinamen erstellen und wieder auswählen – Aber wo kann ich eine Vorlage für die Kombination sämtlicher Import-Einstellungen speichern?

Wenn ich z. B. Model-Shootings immer in einem Model-Ordner hinterlege mit dem Namen des Models im Dateinamen, Landschaftsbilder aber nach Jahr-Monat-Tag ablege, dann muss ich ganz schön viel herum klicken und immer aufpassen, dass ich alles richtig eingestellt habe.

Bei Lightroom kann ich alle Dialogeinstellungen in einem Preset ablegen und schnell wiederherstellen. Das wünschte ich mir für Capture One ebenfalls.

Zwischenstand für diesen Tag

Es gibt sehr viele Ansichten und Arbeitsweisen und somit sicher auch noch viele andere Vor- und Nachteile. Ich erwähne hier die Dinge, die mir persönlich für meine Arbeitsweise aufgefallen sind. Nicht ausgeschlossen, dass ich selbst noch etwas übersehen habe.

Vorteile gegenüber Lightroom

  • Die Vorschaubilder von der Speicherkarte werden sehr schnell geladen
  • Es lässt sich rasant durch die Liste scrollen, butterweich
  • Es gibt einige clevere Sortiermöglichkeiten für die Bilderübersicht.

Nachteile gegenüber Lightroom

  • Sehr eingeschränkte Möglichkeit zum festlegen von Metadaten beim Import. Man könnte auch sagen: “Die Möglichkeit existiert im Sinne von ‘fehlt nicht ganz‘” wink
  • Keine Möglichkeit für vollständige Import-Presets
  • Keine Möglichkeit schnell alle Bilder eines Tages oder ähnlich auszuwählen. Lightroom bietet eine gruppierte Ansicht nach zu importierender Verzeichnisstruktur. So werden bei mir Bilder nach Aufnahme Tag gruppiert und ich kann diese Gruppen zusammenklappen und mit einem Häkchen alle Bilder der Gruppe aus- oder abwählen. Etwas ähnliches ist mir bei Capture One nicht aufgefallen.
  • Bereits importierte Dateien werden bei Capture One nicht gekennzeichnet, jedenfalls nicht so, dass es mir aufgefallen wäre. Lightroom stellt Bilder abgedunkelt dar wenn diese bereits im Katalog vorhanden sind. Hilfreich um Dubletten zu vermeiden.

 

Soweit, so gut. Mit dem Blick auf die Oberfläche und die Bedienungs-Logik, ließ ich mir noch einen Tag Zeit. Im nächsten Beitrag dann etwas mehr dazu.


3 Kommentare

  1. Ich bin auch schon länger auf der Suche nach einer Alternative für Lightroom und habe mir Capture One ebenfalls schon etwas näher angeschaut. Ich kann grösstenteils deine Ausführen so unterschreiben. Der Import der Bilder ist bei Capture One ist definitiv ein riesen Rückschritt gegenüber Lightroom. Das bereits importierte Bilder nicht automatisch markiert werden, finde ich eine Schande. Eis ist ja nicht so als wäre Capture One erst neu auf dem Markt und ich bin sicherlich nicht der einzige der eine solche Funktion vermisst. Da ich oftmals die Bilder nach dem Import nicht direkt von der Speicherkarte lösche und weiterfotografiere bin ich auf diese Funktion praktisch angewiesen. Ebenfalls ist die Darstellung auf grösseren Bildschirmen wie 4K mit Capture One schon sehr mühsam. Bei Lightroom habe ich wenigstens die Möglichkeit die Schriftgrösse anzupassen, so das die Oberfläche auch auf grösseren Bildschirmen noch gut erkennbar ist. Für mich ist Capture One so in der jetzigen Version keine Alternative zu Lightroom. Es fehlen mir in Capture One zu viele Funktionen die ich von Lightroom kenne und schätze.

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