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Capture One Pro 8 – RAW Qualitäten im Vergleich mit Lightroom 6

Lightroom 6 – RAW importiert, der 3:2-Zuschnitt der OM-D wurde berücksichtigt, wieder exportiert. Diesmal mit Camera-Vivid-Profil

Qualität der RAW-Entwicklung

Über kaum einen Aspekt bin ich so oft gestolpert wie über diesen – Die Qualität der RAW-Entwicklung in Capture One Pro 8. Kaum ein Blog-Beitrag oder Video zu Capture One bei dem der Schreiber nicht über die tollen Ergebnisse “Out of the Box” schwärmt und mit Bildern vergleicht, wie eine RAW-Datei standardmäßig in Capture One und in Lightroom dargestellt wird.

Und? Ich habe nicht so ganz verstanden wozu das gut sein sollte. Auch ich wurde jetzt mehrfach gebeten, diesen Aspekt einmal zu beleuchten. Das tue ich hiermit. smile

Zunächst ist es nicht sinnvoll, finde ich, wenn man Standard-Entwicklungen der Anwendungen vergleicht. Warum? Weil es so etwas wie Standard gar nicht gibt smile Eine RAW-Datei muss entwickelt werden, sie wird dabei zwangsläufig interpretiert. Beide Programme bieten dafür natürlich einen Standard an, beide bieten aber die Möglichkeit, diese Interpretation schon beim Import zu überschreiben.

Ich gebe Euch mal ein Beispiel. Hier die identische RAW-Datei aus meiner Olympus OM-D E-M1. Bei beiden Programmen einfach importiert, zugeschnitten und wieder exportiert, ohne sonstige Anpassungen – Also extrem unrealistisch was den RAW-Workflow betrifft.

Zuerst das Bild aus Lightroom, darunter das aus Capture One Pro 8

Lightroom 6 – RAW importiert, der 3:2-Zuschnitt der OM-D wurde berücksichtigt, wieder exportiert.

Lightroom 6 – RAW importiert, der 3:2-Zuschnitt der OM-D wurde berücksichtigt, wieder exportiert.

Capture One Pro 8 – RAW importiert, den 3:2-Crop manuell angewendet, exportiert

Capture One Pro 8 – RAW importiert, den 3:2-Crop manuell angewendet, exportiert

Ein deutlicher Unterschied ist nicht zu bestreiten. Das Lightroom-Ergebnis wirkt ziemlich blass. Das Capture-One-Ergebnis wirkt knackig und farbenfroh.

Ich setze noch einen drauf – Hier zwei 1:1-Ausschnitte. Wieder zuerst aus Lightroom, dann aus Capture One Pro 8:

Lightroom 6 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

Lightroom 6 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

Capture One Pro 8 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

Capture One Pro 8 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

So, klarer Unterschied. Ja, ich verstehe, dass einem die Entwicklung von Capture One besser gefallen kann. Aber der Vergleich hinkt gewaltig.

Capture One wendet per Default ein Kamera-Profil, ein ICC-Profil, mit angepasster Farb-/Kontrastkurve an. Lightroom wählt per Default ein Adobe-Standard-Profil. Adobe bietet aber, genau wie Capture One auch, viele weitere Profile zur Auswahl an, die zum gewählten RAW passen. Darunter auch die “Camera”-Profile, bei denen Adobe, genau wie Capture One, versucht hat, die kamerainterne RAW-Entwicklung nachzubilden um möglichst nahe an die JPG-Entwicklungen zu kommen, die man auch mit der Kamera selbst machen könnte.

Bei beiden Programmen kann man nun schon beim Import wählen, welches Profil genutzt werden soll und man kann dies auch als Default abspeichern. Ein “Out of the Box” mag es also geben, dies an die eigenen Wünsche anzupassen ist aber oft nur zwei Klicks entfernt – Einmalig.

Nun schaut mal was passiert, wenn ich in Lightroom das “Camera Vivid”-Profil wähle. Wieder zuerst das Bild aus Lightroom, darunter noch mal das aus Capture One zum besseren Vergleich:

Lightroom 6 – RAW importiert, der 3:2-Zuschnitt der OM-D wurde berücksichtigt, wieder exportiert. Diesmal mit Camera-Vivid-Profil

Lightroom 6 – RAW importiert, der 3:2-Zuschnitt der OM-D wurde berücksichtigt, wieder exportiert. Diesmal mit Camera-Vivid-Profil

Capture One Pro 8 – RAW importiert, den 3:2-Crop manuell angewendet, exportiert

Capture One Pro 8 – RAW importiert, den 3:2-Crop manuell angewendet, exportiert

Die Unterschiede sind jetzt schon geringer, das Ergebnis ein ganz anderes. Das Lightroom-Profil lässt die grün-gelben Farbtöne stärker strahlen, es ist insgesamt stärker gesättigt. Es gibt aber noch andere Profile und natürlich kann man sich sein eigenes Preset mit einer Kombination aus Profil, Kalibrierung und anderen Reglern bauen, wenn man denn möchte.

Mir persönlich sind solche kleinen Unterschiede zwischen den RAW-Entwicklern egal – Es sind die Startwerte für meine Bearbeitung und die kann ich bei beiden Programmen fast identisch bekommen ohne wirklichen Aufwand. Und selbst wenn nicht – Bei Lightroom habe ich mich daran gewöhnt mit etwas blasseren Bildern zu beginnen und dann Sättigung und Kontrast dazu zu drehen. Bei Capture One muss ich eher etwas Kontrast und Schärfe herausnehmen.

Hier nochmal 1:1-Ausschnitte. Außerdem habe ich bei Lightroom den Schärfe-Regler etwas raufgedreht um mit der echt kräftigen Default-Schärfung von Capture-One mitzuziehen… Übrigens wendet Capture One per Default auch eine ganz ordentliche Luminanz-Rausch-Reduzierung an. Mehr als mir persönlich lieb ist. Aber ich habe dies bei Lightroom auch mal dazu gedreht um zu einem vergleichbaren Ergebnis zu kommen.

Lightroom 6 – Entwicklung mit Camera-Vivid-Profil + stärkerer Schärfung + Luminanzrauschen-Reduzierung; Ausschnittsvergrößerung

Lightroom 6 – Entwicklung mit Camera-Vivid-Profil + stärkerer Schärfung + Luminanzrauschen-Reduzierung; Ausschnittsvergrößerung

Capture One Pro 8 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

Capture One Pro 8 – Standardentwicklung Ausschnittsvergrößerung

Olympus – Und die anderen?

Nun mag das Argument kommen, dass bei den RAW-Dateien der Olympus die Unterschiede der Profile nicht so stark sind wie man auf den ersten Blick glauben möchte oder dass man ein sehr ähnliches Ergebnis auch in Lightroom bekommt, ohne großen Aufwand. Aber was ist mit anderen Kameras?

Hier ein Beispiel aus einer Canon 5D Mark 3:

Capture One Pro 8 (links) vs. Lightroom 6 (rechts). In Lightroom nur ein Kamera-Profil gewählt. (Foto entstand auf einem Happy-Shooting-Workshop von Sabine)

Capture One Pro 8 (links) vs. Lightroom 6 (rechts). In Lightroom nur ein Kamera-Profil gewählt. (Foto entstand auf einem Happy-Shooting-Workshop von Sabine)

 

Und hier ein Ausschnitt aus einem Bild, dass mit einer Sony A7 aufgenommen wurde, wenn ich die Metadaten richtig interpretiert habe:

Capture One Pro 8 (links) vs. Lightroom 6 (rechts) mit Kamera-Profil und angepasster Schärfe und Kontrast

Capture One Pro 8 (links) vs. Lightroom 6 (rechts) mit Kamera-Profil und angepasster Schärfe und Kontrast

Ergebnis

Beim Vergleich der RAW-Entwicklung sehe ich keinen signifikanten Unterschied, vorausgesetzt, man nutzt bei beiden Programmen vergleichbare Profile. Was die Software direkt nach der Installation automatisch tut, ist mir ziemlich egal, das kann ja nun kein Argument für oder gegen einen RAW-Entwickler sein?!

Bei Lightroom kann es sinnvoll sein, wenn man statt des Adobe-Profils ein Camera-Profil wählt.

Lightroom 6 – Kamera-Profile beeinflussen die Standardentwicklung entscheidend

Lightroom 6 – Kamera-Profile beeinflussen die Standardentwicklung entscheidend

Capture One Pro 8 – Wendet automatisch ein Kamera-Profil an. Außerdem wird kräftig geschärft und Luminanz-Rauschen wird recht stark reduziert

Capture One Pro 8 – Wendet automatisch ein Kamera-Profil an. Außerdem wird kräftig geschärft und Luminanz-Rauschen wird recht stark reduziert

Bei Capture One wiederum würde ich mir ein Preset bauen, bei dem deutlich weniger Schärfung und vor allem keine Reduzierung des Luminanzrauschens enthalten ist. Vermutlich würde ich sogar ein klein wenig Sättigung entfernen oder beim Profil mit den Kurven experimentieren.

 

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