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Sonnenfinsternis 2015 – Improvisiert

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In der Happyshooting-Folge #397 redeten Chris und ich darüber, wie man die Sonnenfinsternis gut fotografieren könnte. Lange Brennweite und ein guter Filter sind schon mal eine solide Grundlage. Doch was tun, wenn man keine passenden Filter mehr für seine Objektive bekommen konnte? – Improvisieren smile

Ich packte meine OM-D ein, sie hat im Gegensatz zu meiner Canon EOS 5D die Möglichkeit, ein Live-Bild auf dem Bildschirm zu betrachten. Bei der 5D müsste ich durch das Objektiv schauen – nicht ganz ungefährlich für die Augen, sollte kein starker Filter vor dem Objektiv stecken.

Eben dieser Filter war mein Problem. Ich besitze zwar einen ND3, also einen 1000× Filter, allerdings als Schraubfilter mit einem viel zu kleinen Durchmesser für meine aktuellen Objektive. Der schied also leider aus. Filter-Scheiben habe ich in den Stärken 2× und 4×, zusammen ergeben sie einen 8× Filter. Nicht berauschend aber mit wenig ISO und kurzer Belichtungszeit bei weit geschlossener Blende besser als gar nichts. Allerdings fehlte mir der Adapter für die Halterung – kein Adapter hatte die notwendigen 72mm. So kann es gehen.

Nunja, die Filter waren ohnehin etwas zu schlapp da die Sonne in Göttingen am absolut wolkenfreien Himmel hing. Da kam mir eine Idee – CD-Rohlinge! Ich hielt einen solchen Rohling vor das Objektiv und erhielt beim ersten Test dies hier

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Das darf durchaus als künstlerisch wertvoll beschrieben werden smile Man kann immerhin die angeknabberte Sonne erkennen. Unten rechts ist der innere Ring des Rohlings zu sehen. Das Objektiv war ein 40-150mm und ich bemerkte, dass ich noch nicht voll gezoomt hatte. Also Experiment wiederholt bei 150mm.

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Jep. Besser. Die Aura kommt vom CD-Rohling, die Reflexionen innerhalb der Kunststoffscheibe und zwischen CD und Frontlinse sind einfach heftig – warum sind die diese Datenträger eigentlich nicht vernünftig entspiegelt? bigsmile

Das Doppelbild kommt vom geschlossenen Fenster, durch das ich diesen Testschuss machte. Nu ja, durchaus ein gewisser Schick, oder nicht? wink Fokus war übrigens nur manuell möglich.

Schließlich ging ich raus auf den Parkplatz und experimentiere noch etwas mit diesem Objektiv, das Doppelbild verschwand natürlich, ansonsten sah es aber genauso aus und mir war die Sonne auf dem Bild noch zu klein. Zwar ergaben 150mm am m4∕3-Sensor einen Bildwinkel von 300mm, ich hatte aber noch eine Geheimwaffe dabei – Die Russentonne smile

1000mm mit Canon EF-Anschluss. Mit einem Adapter an der OM-D ergibt sich durch den kleineren Sensor ein Bildwinkel von 2000mm, damit füllt die Sonne das Bild aus und man kann auf dem Display zusehen, wie sie in wenigen Sekunden über das Bild wandert. Cool.

Filter? Der Durchmesser der Russentonne ist gewaltig, da passt doch die CD nicht … Huch? Sie passte exakt vor das Objektiv bigsmile Als ob das Objektiv und der Datenträger für einander geschaffen wurden. Einfach die Streulichtblende vom Objektiv etwas nach vorne schieben und die CD genau vor das Frontglas legen. Dass die CD in der Mitte offen ist spielt keine Rolle, denn dort liegt der Spiegel des Objektivs.

Die Russentonne ist ein Spiegelteleskop. Es besitzt keine geschliffenen Gläser wie normale Objektive. Stattdessen fällt das Licht durch die große Öffnung in das Objektiv, trifft am hinteren Ende auf einen gewölbten Spiegel der das Licht bündelt und zurück nach vorne wirft. Ganz vorne am Objektiv sitzt in der Mitte wiederum ein kleinerer Spiegel, dieser wirft das Licht erneut zurück nach hinten. Da der hintere Spiegel in der Mitte ein Loch hat, kann das nun gebündelte Licht ungehindert hindurch auf den Sensor. OK, vorher gibt es noch eine einfache Linse um das Bild etwas zu bündeln bzw. den Bildkreis anzupassen.

Das Ergebnis konnte sich schon mal sehen lassen und auf dem Bildschirm konnte man den Fortgang des Ereignisses ganz gut beobachten – Stativ war natürlich Pflicht.

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Auch hier sind die Doppelbilder deutlich zu erkennen, die durch die mehreren Schichten der CD und durch die Reflexionen zwischen Frontelement und CD zustande kommen. Außerdem wurde das Bild selbst bei 1∕8000 Sekunde noch überstrahlt. Wahnsinnig hell so eine Sonne.

Dann meinte ein Kollege, seine Tochter hätte sich gerade gemeldet. Die Schule ist mit den Kindern raus gegangen und sie haben die Sonnenfinsternis unter anderem durch eine Rettungsdecke beobachtet.

patsch < Geräusch meiner flachen Hand wie sie auf meine Stirn trifft

Rettungsdecke! Die Universalwunderwaffe für Fotografen. Taugt nicht nur als Reflektor sondern auch als Filter. Ich zog die Decke aus meinem Erste-Hilfe-Täschchen und der Kollege half mir, sie sauber in zwei Lagen vor dem Objektiv zu halten. Anfangs war sie noch zu locker und die Falten erzeugten unschöne Störungen und unscharfe Bilder. Als sie allerdings stramm gezogen war, konnte ich dieses Bild machen

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Treffer. Viel besser würde es mit meinen Mitteln nicht mehr werden. Ich machte ein paar Aufnahmen und war zufrieden smile

Schön wäre es natürlich gewesen, wenn man noch etwas Landschaft im Vordergrund gehabt hätte. Das funktionierte aus zwei Gründen nicht:

Zum einen stand die Sonne zu weit oben am Himmel, sie wäre also nur sehr klein auf dem Bild zu sehen, hätte man eine entsprechend kurze Brennweite verwendet. Zum anderen würde der Filter so viel Licht schlucken, dass der Vordergrund ohnehin nur komplett schwarz wäre. Alternativ wäre die Sonne viel zu hell und überstrahlt, so dass man von der Sichel nichts erkannt hätte.

Eine Lösung wäre es, wenn man an einem Standpunkt stünde, von dem aus man mit 500mm oder 1000mm gegen einen Hügel oder Berg schaut über dem die Sonne gerade entlang wandert. Dort, in der großen Entfernung müsste dann jemand mit Blitzlichtern stehen um den Vordergrund, eine Person oder ähnliches aufzuhellen. Sagen wir mal so – So viel Zeit habe ich in die Vorbereitung nicht stecken können wink

Wenn Ihr auch ein paar Aufnahmen gemacht habt, dann könnt Ihr die gerne als Kommentar verlinken, ich freue mich drauf.

 

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  3. Ich stand genau so das das maximum über dem großen Turm der Plesse stattgefunden hat. Leider sieht man das auf meinen Bildern nicht. Meinem Timelaps wollte ich dann auch nicht mehr experimentieren. Soviel zum Thema Sofi und Landschaft.

    Antworten

  4. Hi Boris,
    Ich hatte leider auch nicht viel Zeit für die Vorbereitung.
    Aber zumindest ein ND3 Filter der mittels Reduzierringen passte.
    Hab ihn auf mein 250mm auf meine 70D geschnallt.
    Ehrlich gesagt war ich verblüfft wie einfach das Fotografieren war.
    Spotbelichtung und später manuell Blende 22 und 1/8000.
    Autofokus funktionierte sogar.
    Hier meine Bilder: https://flickr.com/photos/120679328@N08/sets/72157650996726727

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