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RAW von der Kamera ins Internet?

Geschichten entwickeln sich auf unvorhersehbaren Wegen. In der Happyshooting-Folge #541 sprach ich über einen Nachtrag zum Thema “JPG out of Camera” und darüber, dass ich das nicht als Qualitätsmerkmal sehe und froh bin, dass andere Hörer das ähnlich sehen.

Aber eben auch darüber, dass RAW+JPG sinnvoll sein kann, wenn man mal eben mit dem Smartphone Bilder von der Kamera ziehen möchte, um diese im Internet oder mit der Familie über Whatsapp zu teilen. Normalerweise bekommt man nämlich nur die JPG-Dateien drahtlos aufs Smartphone und selbst wenn es die RAW-Daten wären, könnte niemand in der Familie etwas damit anfangen.

Muss man also bei jedem Ausflug ab sofort RAW+JPG fotografieren, Platz verschwenden und beim Import nach Lightroom unnötig Daten transportieren?

Nein! Es gibt mindestens zwei andere Möglichkeiten – Ich habe sie ausprobiert

In meinem Beispiel beziehe ich mich explizit auf das Vorgehen mit der Olympus OM-D E-M1 (Mark 1) und einem iPhone. Warum? Weil das die Geräte sind, die mir zur Verfügung stehen smile Meine Canon EOS 5D (Mark 1) hat keinen Funk eingebaut und Android-Smartphones besitze ich nicht.

Grundsätzliches Vorgehen

An der E-M1 aktiviert man das Wifi, was per Tippen auf das Symbol am Touchscreen funktioniert. Die Kamera zeigt nun einen QR-Code und einen Zugangscode am Display an.

Olympus bietet für iOS die App “Ol.Share” kostenlos an. Dieses startet man und beim ersten Start kann man den QR-Code von der Kamera abfotografieren und wird dann durch den Installations-Prozess eines Wifi-Profils geführt. Das braucht man nur einmal zu machen – Ab dann läuft das unterwegs sehr einfach:

  • Wifi an Kamera aktivieren
  • Ol.Share starten, die App verbindet sich automatisch mit der Kamera (Tipp: Ist das iPhone bereits in einem anderen WLAN angemeldet, muss man diese Verbindung vorher trennen. Das wird unterwegs kaum vorkommen, zu Hause beim Testen ist das aber ein beliebter Punkt an dem man stutzt)

Genial. Jetzt kann man sich die Fotos und Videos der Kamera anzeigen lassen um diese dann aufs Smartphone zu übertragen.

Der Haken: Ol.Share zeigt nur Filme und JPG-Dateien an. Hat man nur in RAW fotografiert, sieht man nichts.

Was tun?

Lösung mit Bordmitteln

Man muss keine zusätzlichen Investitionen tätigen, die Lösung ist schon eingebaut smile Man kann einzelne RAW-Daten direkt auf der Kamera, mit der Kamera zu JPG-Bildern entwickeln.

  • Auf der Kamera lässt man sich mit dem Play-Button die Bilder anzeigen und blättert zu dem gewünschten Foto.
  • Jetzt drückt man OK und wählt in dem erscheinenden Menü den Punkt “RAW Data Edit”
  • Jetzt kann man aus mehreren voreingestellten Entwicklungs-Einstellungen wählen und mit OK bestätigen…
  • …oder man wählt einen “Custom”-Eintrag und klickt das Steuerkreuz nach rechts
  • Hier kann man nun diverse Anpassungen vornehmen wie: Auflösung, Farbe oder Art-Filter, Weißabgleich, Belichtung, Helligkeit für Lichter und Schatten getrennt regeln, Seitenverhältnis, Noise-Filter, Keystone… Tipp: Eine Vorschau der Bearbeitung erhält man durch drücken des Aufnahme/Record-Buttons an der Kamera – Das ist sehr hilfreich.
  • Ist man zufrieden, klickt man OK. Jetzt sieht man die endgültige Vorschau und kann die Bearbeitung mit “yes” als JPG speichern lassen.

Die Einstellungen, die man hinter einem der “Custom”-Einträge vorgenommen hat, merkt sich die Kamera. Möchte man also ein paar Bilder in derselben Art zu einem JPG bearbeiten, braucht man bei den folgenden Bildern nur noch OK klicken, RAW-Edit und den Custom-Eintrag wählen und mit OK bestätigen. Fertig.

Diese JPG-Bilder werden jetzt in Ol.Share angezeigt und können einfach auf das iPhone übertragen werden. Fertig .

RAW wurde auf der Olympus OM-D E-M1 zu einem JPG entwickelt. Am Kamera-Display sah es knackiger und kühler aus

Kamera-Display lügt

Meine Überraschung war allerdings groß, als meine Test-Bearbeitung am iPhone so gar nicht wie am Kamera-Display aussah. Das Kamera-Display ist einfach ganz anders kalibriert als das iPhone. Helligkeit, Farben, Kontraste – alles anders.

Am iPhone weiter bearbeiten

Na gut, zum schnellen zeigen für die Familie reicht das aus. Für alles andere bietet es sich an, das Bild an der Kamera nicht zu extrem zu bearbeiten, den Kontrast eher flach zu halten um Informationen zu erhalten und das Bild dann mit anderen Apps am iPhone weiter zu bearbeiten.

Olympus selbst bietet die App Ol.Palette kostenlos an. Damit stehen am iPhone die Art-Filter und einige andere Einstellungen zur Verfügung. Die Möglichkeiten sind aber nicht allzu umfangreich.

Die RAW-Entwicklung der Kamera am iPhone mit Ol.Palette weiterbearbeitet. Sättigung, Kontrast, Kurve, Weißabgleich. Immer noch nicht wie am Display der Kamera

Ich empfehle eher Snapseed oder Enlight. Snapseed ist mit den letzten Updates etwas weniger intuitiv geworden, finde ich, liefert aber gute Ergebnisse. Enlight liefert ebenfalls tolle Ergebnisse und hat einige Möglichkeiten, die Snapseed nicht hat, oder die ich nicht mehr finden kann, wie z. B. das getrennte einfärben von Lichtern und Schatten.

Bearbeitung mit Enlight

Mit beiden Apps kann man einen “Look” bauen – von unscheinbar bis total kaputt wink

Die RAW-Entwicklung der Kamera am iPhone mit Enlight weiterbearbeitet. Deutlich überzogene Einstellungen um zu zeigen was möglich ist (man kann das auch sanfter machen)

Lösung mit Cascable

Thorsten, ein Happyshooting-Hörer, wies mich auf die App Cascable (App-Store-Link) hin. Die kannte ich noch nicht und habe sie direkt ausprobiert.

RAW-Bearbeitung in Cascable

Das Besondere an Cascable: Die App kann RAW-Dateien von diversen Kameras herunter laden – unter anderem auch von den Olympus OM-D Modellen. Cool!

Das Vorgehen ist dabei recht simpel und ähnlich wie mit Ol.Share:

  • Wifi an der Kamera aktivierten
  • Das iPhone mit diesem Wifi verbinden. Das musst jetzt manuell in den Wifi-Einstellungen passieren, das Passwort wird am Kamera-Display angezeigt.
  • Starte man nun Cascable, findet die App die Kamera über das verbundene Wifi-Netz. Jetzt kann man sich die Bilder der Kamera anzeigen lassen – Auch wenn es RAW-Bilder sind.
  • Die Liste lässt sich dabei erstaunlich schnell durchscrollen. Wow. Hat man ein Bild gefunden, kann man es auf das iPhone herunter laden…
  • …Allerdings nur mit der Pro-Version der App! Es gibt ein kostenloses Probe-Abo für 3 Tage, danach werden etwas unter 3 Euro pro Monat fällig. Oder man wählt den Einmal-Kauf für um die 30 Euro.
  • Das laden einer RAW-Datei mit 14 Megabyte erfordert allerdings etwas Geduld, gefühlt 1-2 Minuten, ich habe es nicht gestoppt.

Die RAW-Datei kann dann direkt in Cascable entwickelt werden. Weißabgleich, Tönung, Gradationskurve, Belichtung. Viel mehr gibt es nicht. Ich fand es etwas schwierig, feine Änderungen mit den Reglern vorzunehmen, aber es geht. Nach jeder Änderung wird die Vorschau aktualisiert. Die fertige Entwicklung lässt sich dann als JPG in der Fotos-App speichern.

RAW am iPhone mit Cascable geladen und entwickelt. Den Farbstich habe ich nicht komplett raus bekommen, den Hintergrund konnte ich nicht kühl machen.

Ab hier kann man dann wieder mit anderen Anwendungen weiter machen, Snapseed, Enlight oder andere.

Es soll wohl auch die Möglichkeit geben, die RAW-Datei an andere RAW-Entwickler wie Lightroom Mobile zu übergeben. Das habe ich mangels Software nicht ausprobiert.

Fazit

Cascable liefert ein echt gutes Ergebnis in voller Auflösung wenn man möchte. Der RAW-Download von der E-M1 ist allerdings wirklich träge. Wenn ich im Tierpark bei einer kurzen Mittagspause mal eben zwischendurch zwei oder drei Bilder mit der Familie teilen wollte, wäre mir das zu langsam.

  • Der Vorteil ist natürlich: RAW! Mit etwas Geduld hat man alle Daten am iPhone oder iPad und kann diese dann auch mit professionellen RAW-Entwicklern bearbeiten. Schon klasse! Schaut einfach mal nach, ob Eure Kamera unterstützt wird.
  • Der Nachteil: Die Software ist recht teuer. Für seltene Anwendungen ist es mir zu teuer. Würde ich das häufiger benötigen, wären 30 Euro allerdings völlig OK, da die App noch viel mehr kann (Kamera steuern, Intervall, Filter berechnen, Geo-Capture, …). Das Laden der RAW-Daten ist mir, für meine Anwendungsfälle, zu langsam – das kann ich aber nur für die E-M1 bewerten, gut möglich, dass das bei anderen Kameras besser ist.

Mit Bordmitteln komme ich schneller zum Ziel, wenn es um wenige Bilder geht. An der Kamera die Bilder wählen und mit ein paar Knopfdrücken zu JPG entwickeln um diese mit Ol.Share herunter zu laden.

  • Der Vorteil ist, dass die Entwicklung an der Kamera recht zügig funktioniert und der Download dieser Dateien wesentlich schneller läuft. Unterm Strich ist das Bild in einem Bruchteil der Zeit verwertbar auf dem iPhone. Einmal eingerichtet verbindet sich Ol.Share automatisch mit der Kamera, was auch noch mal etwas Zeit spart.
  • Der Nachteil ist, dass die Bilderauswahl an der Kamera etwas lästiger sein kann als das flüssige durchscrollen in Cascable. Außerdem müssen die Bilder zweimal gewählt werden: Einmal in der Kamera für die Bearbeitung und dann noch mal in der App zum Laden aufs iPhone.

Für eine weitere Bearbeitung würde in beiden Fällen das kostenlose Ol.Palette funktionieren, wenn man die originalen Art-Filter haben möchte. Ich empfehle aber Snapseed oder Enlight auszuprobieren und es gibt noch zig andere gute Bildeditoren smile

Am Ende genügen mir die Bordmittel und etwas Handarbeit an der Kamera. Bei einer kurzen Snack-Pause unterwegs bekomme ich die Bilder so schneller per Whatsapp an die Familie – Während Cascable noch ein RAW-herunterlädt, habe ich an der Kamera schon 5 Bilder konvertiert und vermutlich auch schon mit Ol.Share geladen wink

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke damit hast du ein paar Möglichkeiten sehr gut erklärt.

    Ich salbest gehe einen anderen Weg. Mir ist das gefummel mit WiFi zu doof geworden.
    Somit verwende ich einfach den Adapter von Apple (SD Card auf Lightning).
    Damit kann ich mir JPG, RAW und Video Datein auf mein iOS Gerät laden und in meiner gewünschten App weiterbearbeitet.

    Dank iOS 11 und der Datein App hat diese metotode noch mal an Qualität gewonnen.
    Somit konnte ich durch mein iPad Pro für mich auf ein Notebook verzichten.
    Meist bin ich da auch viel schneller als mit Wifi verbinden und Download. Man darf nur nicht den Adapter zuhause vergessen.

    Grüße Marco

    Antworten

  2. Weil OI.Share auch nicht die JPGs in voller Bildauflösung aufs Handy überträgt ist es schneller.
    Und OI.Share kann bei der OMD E-M1 MKII nur vom Slot 1 lesen.

    Antworten

    • In den Ol.Share-Einstellungen kannst Du bei “Fotos importieren” auf “keine Größenanpassung” umstellen … wobei mir 2048×1536 für Whatsapp mehr als reichen ;)
      Die Sache mit dem zweiten Slot ist wirklich der Hammer… würde mich mal interessieren, ob das an der Kamera (blöd) oder der Software (Update wäre möglich) liegt.

      Antworten

  3. Ich mache immer RAW und JPG in voller Auflösung. Grund ist zum einen das schnelle teilen. Zum anderen benutzt die Kamera zur Anzeige die großen JPGs was eine bessere Schärfenkontrolle ermöglicht als das kleine im RAW eingebettete JPG.

    Das Problem in LR umgehe ich indem ich nur die RAWs in einen Ordner auf der Platte kopiere und aus dem importiere.

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