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Mittelformat Hybrid – Negative digitalisieren XL

Mittelformat mit Bastellösung abfotografieren

Mittelformat mit Bastellösung abfotografieren

Anfang 2015 startete ich mein Abenteuer Analog mit einem Geschenk, einer Plastik-Kamera zum selber zusammenbauen. Ich belichtete einen Film, brachte ihn zum örtlichen Fotogeschäft, konnte ihn dann irgendwann auch wieder abholen und dann, ja dann digitalisierte ich ihn – nicht mit einem Scanner sondern ich fotografierte die Negative mit einer digitalen Kamera einfach ab.

Das funktionierte super – also wollte ich es mit den Mittelformat-Negativen genauso machen, stieß aber auf ein Problem: Die Negative waren größer als die Leuchtfläche meines iPhones bigsmile Da ich kein iPad als Alternative besitze musste eine andere Lösung her.

Also habe ich mir eine Hybrid-Box gebastelt

Ich nehme es mal vorweg: Das ist echt eine Bastel-Lösung die nicht für einen dauerhaften Einsatz gedacht ist. Ich konnte es schnell bauen und nutzen, wünschte mir aber etwas noch praktischeres.

Das Prinzip ist ja simpel – Man nehme etwas Licht, halte das Negativ darüber und fotografiere eben dieses.

Die Fragen die sich dann stellen sind: Welches Licht, wie bleibt das Negativ im passenden Abstand über diesem Licht und wie platziere ich die Kamera im passenden Abstand über das Negativ?

Das Licht

Für das Mittelformat musste alles etwas größer sein. Die einzige größere Leuchtquelle die ich besitze war ein LED-Strahler. Dieser besteht aus vielen kleinen LED. Ein Negativ direkt auf diesen Strahler legen scheidet aus, dass hatte ich schon mit dem Kleinbild probiert, selbst mit Streuscheibe und etwas Abstand sind die einzelnen LED zu erkennen.

Der LED-Strahler zeigt seine einzelnen LED wenn der Abstand zu Gering ist

Der LED-Strahler zeigt seine einzelnen LED wenn der Abstand zu Gering ist

Der Abstand musste also vergrößert werden, möglichst deutlich denn ich wollte nicht mit f∕2.8 arbeiten sondern eher mit f∕5.6 am mFT-Format. Warum? Weil ich mit erhöhter Schärfentiefe kein peinlich plan liegendes Negativ benötige. Ich habe keine sauberen Glasscheiben zwischen die ich den Negativstreifen klemmen könnte oder wollte.

Ich experimentierte etwas mit dem notwendigen Abstand und schnappte mir zur Lösung einen Karton.

Der Abstand zum Licht

Ein einfacher Karton umfunktioniert zur Mittelformat-Digitalisier-Station

Ein einfacher Karton umfunktioniert zur Mittelformat-Digitalisier-Station

In den Karton konnte ich den LED-Strahler legen und nach oben leuchten lassen. Oben schnitt ich mit einem Teppichmesser ein etwa 7×7 cm großes Loch. Später verbreiterte ich dieses, damit auch die 6×9 Negative drauf passten.

Den Negativstreifen legte ich einfach über die Öffnung und beschwerte ihn vor und hinter der Öffnung mit einem Akku meiner Canon 5D. Dadurch lag das abzufotografierende Negativ relativ gerade und es verrutschte nichts mehr.

Der Negativstreifen wird über die Öffnung gelegt und mit Akkus als Gewichte fixiert

Der Negativstreifen wird über die Öffnung gelegt und mit Akkus als Gewichte fixiert

Leider konnte ich noch immer die einzelnen LED erkennen wenn ich die Blende etwas weiter schloss. Die Lösung war ein weißes Blatt Papier.

Ein Blatt Papier als Diffusor versteckt die einzelnen LED endgültig

Ein Blatt Papier als Diffusor versteckt die einzelnen LED endgültig

Die Kamera oben drüber

Ich steckte die OM-D E-M1 aufs Stativ und schob das Dreibein über den Karton. Als Objektiv nutzte ich das Olympus 60mm Makro. Der notwendige Abstand, um das Negativ komplett aufs Bild zu bekommen führte dazu, dass ich die Verlängerung der Mittelsäule des Statives abschrauben musste – ansonsten hätte ich den Karton nicht weit genug unter das Stativ bekommen.

Nun musste ich nur die Kamera exakt senkrecht nach unten ausrichten, was dank der digitalen Wasserwaage der Olympus sehr einfach war. Dann den Karton so zurecht schieben, dass das Negativ exakt gerade im Sucher zu sehen war. Mit der Höhe des Statives und der kurzen Mittelsäule so lange nachjustieren, bis kein Platz mehr verschenkt wurde. Fertig.

Mittelformat mit Bastellösung abfotografieren

Mittelformat mit Bastellösung abfotografieren

Bei den ersten Filmen stand der Karton auf dem Fußboden. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich den Karton auch auf einen Tisch stellen kann. Zwei Beine vom Stativ bleiben komplett eingefahren und werden auf den Tisch gestellt, das dritte Bein voll ausgezogen steht auf dem Boden. Dank klappbarem Display und Live-View kann ich trotzdem alles gut sehen und bedienen.

Klingt fummelig…

…ja, das ist fummelig! bigsmile

  • Der Karton passt nur so gerade eben zwischen die Stativbeine, die Mittelsäule stört dabei.
    Möglich Lösung: Ein Stativ mit einer kippbaren Mittelsäule. Ein Ausleger würde vermutlich einiges flexibler gestalten.
  • Der LED-Strahler läuft mit 6 AA Akkus. Damit strahlt der schon ziemlich lange aber eben nicht endlos. Ja, es reicht locker für 12 Aufnahmen und auch für zwei Filme – Ich möchte die Akkus aber nicht nach jedem Einsatz aufladen und so ist es mir beim vierten Film passiert, dass das Licht langsam weniger wurde. Als es mir aufgefallen ist, musste ich die Hälfte der Negative noch mal mit frischen Akkus fotografieren.
    Möglich Lösung: Einen Adapter mit Netzteil besorgen um konstantes Licht zu bekommen.
  • Das Papier als Diffusor schluckt verdammt viel Licht – was natürlich wieder bedeutet, dass die Akkus schneller leer sind weil man stets auf voller Leistung arbeiten möchte. Gut, Netzteil würde das lösen, bleibt aber noch ein Haken: Das Papier verrutscht sehr leicht. Dadurch entsteht ein Spalt durch den das Licht mit voller Kraft leuchtet. Ergebnis: Ungleichmäßig ausgeleuchtete Negative.
    Mögliche Lösung: Einen besseren Diffusor in den Karton einbauen, zum Beispiel in die Mitte eine Bespannung wie vor einer Softbox.
  • Der Karton ist recht wackelig. Kleinste Berührungen kippen ihn, verschieben ihn. Sobald man den Negativstreifen bewegt, bewegt man auch den Karton. Er kommt zwar meistens in die Ausgangslage zurück, für die Komposition im Live-View ist es dennoch hinderlich.
    Möglich Lösung: Eine Kiste aus robusterem Material bauen. Kunststoff, Holz oder gar Metall. Oder den Pappkarton beschweren und mit Querstreben aussteifen.
  • Der Negativstreifen wird lose über die Öffnung geführt und nur mit zwei Gewichten fixiert. Zieht man den Streifen zur nächsten Aufnahme, verschiebt man den Streifen unweigerlich auch seitlich und muss ihn erst aufwendig wieder ausrichten.
    Mögliche Lösung: Eine oder sogar zwei feste Führungsschienen im passenden Abstand für 120er Rollfilm neben der Öffnung befestigen. Statt der Gewichte vielleicht eine Art Klemme oder klappbaren Rahmen verwenden um den Streifen zu fixieren. Das würde auch die Schwierigkeiten mit dem ersten oder letzten Bild lösen, wenn der Filmstreifen nicht genügend übersteht um von einem Gewicht gehalten zu werden.

Es gibt also viel Potential für Verbesserungen – Der Karton, die Akkus, der Strahler… Das waren alles Dinge, die ich hier liegen hatte. Außerdem gilt ja: Nichts hält so lange wie eine Improvisation wink

Wie macht Ihr das? Scanner? Auch abfotografieren aber bequemer oder stabiler als meine Bastellösung? Schreibt mal wie Ihr das so macht smile

 

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hab es relativ lange so ähnlich wie du gemacht. Mit einem Stativ mit Ausleger senkrecht auf einen USB Leuchttisch. Obendrauf ein Digitaliza Halter, den kann man schnell einstellen. Wenn das Zusammensetzen in PS gut lief, waren die Ergebnisse hervorragend. Wenn nicht, habe ich geflucht.
    Als ich festgestellt hatte, dass ich bei der Analogfotografie blieb habe ich mir einen Mittelformatscanner gekauft, den OpticFilm 120. Teuer, aber erspart mir viel Zeit. Leider ist jede Art von Scannersoftware unterirdisch. Silverfast ist seit dem letzten Update endlich brauchbar. Für Farbnegative nehme ich mittlerweile Vuescan, speichere als RAW und wandle es mit ColorPerfect ins Positiv. ColorPerfect hat mit Abstand die schlechteste UI die ich je gesehen habe. Glücklicherweise funktioniert der Automodus meistens gut genug.

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  2. Pingback: Analoge Fotografie: Scannen, ohne zu scannen – Timo Jacobs

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