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Kurzbesuch der Olympus OM-D E-M1


Vor Kurzem erst durfte ich die E-M10 eine Woche lang ausprobieren. Olympus war nun wirklich freundlich und hat mir nochmals eine spiegellose Micro-Four-Thirds Kamera ausgeliehen – diesmal die E-M1.

Olympus hat mich nicht genötigt diese Zeilen zu schreiben und ich musste die Kamera auch wieder zurück schicken. Ich werde hier offen und ehrlich meine Eindrücke schildern, wollte aber offen sein was die Hintergründe betrifft smile

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Dieser Beitrag wird und soll kein allumfassender Kamera-Test sein, davon gibt es bereits genug im Netz. Stattdessen möchte ich meine persönlichen Eindrücke schildern, vor allem auch im Vergleich zu meiner Canon 5D und natürlich zur E-M10

Haptik – Fühlt sich gut an

…und dieser Vergleich fing direkt beim Auspacken der E-M1 an. Ich zog das Gehäuse aus dem Karton und es sog sich fast von alleine an meine Hand. Die E-M1 sieht deutlich größer aus als die E-M10 und sie fühlt sich auch so an. Sie ist etwa 100g schwerer und tatsächlich ist sie sie etwa 1 cm breiter und 1 cm höher, vor allem aber fast 2 cm tiefer wegen des deutlich ausgeprägterem Griff. Und der macht für mich wirklich einen Unterschied.

Bei der E-M10 war ich froh, dass ich den zusätzlichen Griff anschrauben konnte und trotzdem war es eher ein Gefühl, sie zwischen Daumen und Zeigefinger ganz zaghaft zu halten. Die E-M1 fasst sich sofort an wie ein echtes Werkzeug. Satt, kräftig, massiv, robust sind die Adjektive, die mir durch den Kopf schossen. Ich konnte sie problemlos stundenlang in der Hand halten und fotografieren, ohne meine rechte Hand zu sehr anzustrengen. Meine Canon 5D passt noch mal deutlich besser in meine Hand aber die E-M1 spielt hier in einer ganz anderen Klasse als die E-M10.

Auch für die E-M1 gibt es einen zusätzlichen Griff  Im Gegensatz zum Griff der E-M10 ist dieser aber aktiv. Er kann einen zusätzlichen Akku aufnehmen und hat Einstellräder und einen Auslöserknopf. Ich hatte den Griff nicht zur Verfügung, stelle mir ihn aber sehr praktisch vor, wenn man längere Shooting vor sich hat oder bequemer im Hochformat arbeiten möchte.

Knöpfe – Überall Knöpfe

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Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Design-Team der E-M1 durfte seinen Knopf-Fetisch austoben oder es ist war eine Trotzreaktion auf viele Fotografen-Aussagen in Foren, dass dieser oder jener Kamera einfach ein Knopf an entscheidender Stelle fehlt. So nahm wohl ein Designer das Knopf-Werkzeug im CAD-Programm, kombinierte es mit der Sprühdose und verteilte die Knöpfe großflächig über das Kameragehäuse smile Das Software-Team baute sie dann in die Firmware ein, so dass man alles frei konfigurieren kann.

Da sind die zwei Einstellräder, die meiner Meinung nach jede Kamera haben sollte. Meine Finger, Zeigefinger und Daumen, fanden diese sofort und der Widerstand war für mich perfekt.

Zwischen den Rädern auf der Oberseite sind zwei Knöpfe, ein Fn-Knopf und ein Aufnahme-Knopf mit dem man jederzeit mal schnell ein Video starten kann. Oder man belegt die Funktionen im Menü einfach um smile Auf der Rückseite rechts ist ein weiterer Fn-Knopf der frei belegt werden kann. Ebenfalls auf der Rückseite ist ein AEL-Knopf, auf den ich den Autofokus gelegt hatte und die Info-, Menü-, Wiedergabe- und Löschen-Knöpfe. Natürlich auch ein Steuerkreuz mit OK-Knopf, wobei die Funktion des Steuerkreuzes auch konfiguriert werden kann.

Links neben der Augenmuschel ein Knopf zum Umschalten des Display-Modus. Auf der Oberseite links zwei weitere Knöpfe, die auf dem Ein-/Ausschalter sitzen. Beide können ebenfalls konfiguriert werden.

Kurz Luft holen und weiter geht’s. Ich fand im Menü für die Knopfbelegungen nämlich zwei weitere Symbole mit denen ich zunächst nicht anfangen konnte. Schließlich fand ich die beiden Knöpfe auf der Vorderseite direkt neben dem Bajonett. Ganz gut erreichbar für den rechten Zeigefinger und mit etwas Übung gut zu unterscheiden, weil der eine Knopf erhaben und der andere vertieft ist. Ich hatte dort dann die Ablendfunktion (Schärfentiefe-Vorschau) und einen schnellen manuellen Weißabgleich drauf (Taste drücken, etwas graues fotografieren, fertig).

Oh, und natürlich können Objektive ebenfalls Knöpfe haben, dessen Funktion man dann auch umprogrammieren kann.

Genug? Nein smile Die E-M1 hat einen leicht zu erreichenden Schalter um zwischen zwei Knopf-Belegungen umzuschalten. Viele Knöpfe können so doppelt belegt werden. Die Räder können abhängig vom gewählten Programm-Modus konfiguriert werden (ich glaube das gilt auch für einige Knöpfe, bin gerade nicht mehr ganz sicher)

Overkill? Nicht wirklich. Man darf sich nur nicht verrückt machen lassen. Frisch ausgepackt ist alles vorbelegt und man sollte einfach mal anfangen zu arbeiten. Wenn dann Wünsche zur Bedienung kommen, dann schaut man einfach mal genauer hin und legt sich die gewünschte Funktion an eine gute Stelle.

Beispiel: Ich habe den Autofokus auf die AEL-Taste gelegt. Ich trenne immer gerne den Fokus vom Auslöser. Weißabgleich vorne auf einem Knopf. Im M-Modus die Räder mit Blende und Belichtungszeit belegt (die Drehrichtung kann dabei konfiguriert werden, wie es einem Logisch erscheint). Auf der oberen Fn-Taste die ISO-Auswahl. Man kann die Drehräder so einstellen, dass hinten immer die Blende verstellt wird und vorne immer die Zeit (oder umgekehrt), auch wenn man in A- oder S-Modus arbeitet. So kann man sich angewöhnen, mit dem Daumen immer die Blende zu verstellen – im A-Modus ist dann vorne die Belichtungskorrektur, im S-Modus ist die Belichtungskorrektur dann hinten weil der Zeigefinger immer die Zeit verstellt… Kann man so machen, muss man aber nicht.

Akku und die Laufzeit

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Bei der E-M10 bin ich niemals ohne den zweiten Akku aus dem Haus gegangen. Bei der E-M1 war ich überrascht, wie lange ich mit einem Akku arbeiten konnte. Ich bin nicht ganz sicher wo dieser Unterschied her kam. Entweder habe ich deutlich weniger im Menü gespielt, was logisch erscheint, da ich vieles schon von der E-M10 kannte. Vielleicht ist die E-M1 sparsamer als die E-M10 oder die neue Firmware hilft beim Stromsparen. An der Akku-Kapazität kann es eigentlich nicht liegen, wenn ich mich nicht irre hat der Akku der E-M10 1150 mAh, bei der E-M1 sind es 1220 mAh.

Meine 5D hält natürlich deutlich länger durch. Kein Wunder, der Akku hat mit mind. 1800 mAh deutlich mehr Saft und die Kamera verbraucht viel weniger davon, weil nicht ständig Sensor und Monitor aktiv sein müssen um etwas zu sehen. Eine Spiegelreflex verbraucht erst bei der Belichtungsmessung und natürlich beim erstellen des Bildes mehr Strom. So kann ich mit der 5D durchaus mal ein ganzes Wochenende mit nur einem Akku unterwegs sein. Bei normalem Urlaubseinsatz auch mal eine ganze Woche. Bei der Olympus lädt man jeden Abend den Akku auf und sollte schon einen zweiten Akku dabei haben.

Dafür sind die Akkus natürlich extrem klein und leicht und passen so auch in eine enge Hosentasche.

Elektronischer Sucher

Mit so einer Spiegellosen schaut man immer auf einen elektronischen Sucher. Das kann entweder wirklich der kleiner Sucher sein oder eben das große Display. Mit der E-M1 sind meine größten Vorbehalte gegen diese Sucher fast vollständig verflogen. Die neue Software-Version hat den Sucher nochmals beschleunigt. Ich konnte keine Verzögerungen feststellen und auch das typische Nachziehen des Bildes hielt sich sehr in Grenzen. Bei Tageslicht war davon kaum etwas zu merken.

Der Sucher war schnell. Im richtigen Modus. Ich hatte die Lichtverstärkung abgeschaltet. So zeigte der Sucher immer ein schnelles Bild und ich konnte bei wenig Licht trotzdem noch mehr sehen als durch den Sucher einer DSLR. Ich konnte den Sucher vergleichen mit dem einer Fuji X100s und ja, die liegen Welten dazwischen. Das elektronische Bild der Fuji ruckelte wo das der E-M1 absolut flüssig war.

Die E-M1 fing erst dann an zu ruckeln, wenn man den Sucher so einstellte, dass die Helligkeit des Bilder angehoben wurde. Logisch, nun machte die Kamera kurze Langzeitbelichtungen und konnte so eben nur noch wenige Bilder pro Sekunde präsentieren – dafür konnte man dann aber sein Bild komponieren, wenn man mit den eigenen Augen kaum noch etwas erkennen konnte.

Ein weiterer Vorteil des elektronischen Suchers zeigte sich bei Sonnenlicht. Auf dem Display war es schwer die Bilder zu betrachten. Jemand, den ich fotografiert hatte, wollte mal ein paar Fotos sehen. Ich erklärte ihm, einfach in den Sucher zu schauen und dann die Wiedergabe zu starten. Sehr praktisch, so konnte er bei praller Sonne ganz problemlos die Bilder im Sucher anschauen. Das half mir auch häufig um eine Belichtung zu prüfen.

Live-Histogram im Sucher ist auch hilfreich, genau wie eine Vorschau der Belichtungseinstellungen. Leider meint es auch die E-M1 gut mit einem: Bei zu starker Über- oder Unterbelichtung vermeidet die Kamera es, einem ein weißes oder schwarzes Bild als Vorschau zu präsentieren sondern „pumpt“ stattdessen das Bild so zurecht, dass man im Sucher noch gut etwas erkennen kann. Ich persönlich möchte das gerne abstellen können! Wenn ich ein extremes High- oder Low-Key belichten möchte hilft mir das nämlich nicht. Wenn ich Flächen überstrahlen lassen möchte, soll mir die Kamera auch weiße Flächen im Sucher zeigen – tut sie aber nicht. Alles, was mehr als 3 Blendenstufen aus der Norm fällt, korrigiert der Sucher. Man sollte also das Histogramm oder die Belichtungswaage weiter im Auge behalten.

Vielleicht baut Olympus da ja mal eine Funktion ins Menü ein… Es kann eigentlich nur eine Software-Sache sein.

Fokus, Tracking und so

Wie die E-M10 ist auch der Autofokus der E-M1 extrem schnell und auf den Punkt. Bei gutem Licht wenig bis kein Pumpen. Anvisieren, Knopf drücken, Fokus sitzt. Irre. Bei gutem Licht und unbewegten Motiven würde ich sagen, dass die E-M1 nicht schlechter als meine 5D mit mittlerem Kreuzsensor-Fokus war, wenn nicht sogar teils schneller. Die E-M1 und auch die E-M10 schaffen das aber über fast das komplette Bild! Man kann den Fokus punkt sehr weit über das Bild verschieben und die Leistung war überall gefühlt gleich gut.

Die E-M10 hatte mich allerdings bei bewegten Motiven etwas enttäuscht. Ich schaltete also den kontinuierlichen Autofokus der E-M1 und den langsamen Serienbild-Modus, das sind dann „nur“ 6 oder 7 Bilder pro Sekunde, ein und schaute was passierte. Tatsächlich funktionierte das deutlich besser. Zusätzlich aktivierte ich noch das Motiv-Tracking und bekam so viele Scharfe Bilder auch bei schlechtem Licht von im Kreis laufenden Pferden.

Es gab aber auch Serien die komplett falsch fokussiert waren. Warum? Weil der Autofokus bei den Spiegellosen anders funktioniert als der Phasen-Autofokus einer Spiegelreflex, auch dann, wenn Phasenpixel auf dem Sensor zum Einsatz kommen. Die Spiegelreflex stellt bevorzugt auf das Objekt scharf, das sich am nächsten zur Kamera befindet. Die Spiegellosen suchen immer nach bestem Kontrast, auch mit Phasen-Unterstützung beim Tracking wie bei der E-M1. So kann es passieren, dass man zwar den Pferdekopf anvisiert hat, der Autofokus sich aber auf die knackigere Struktur eines Gebüsches im Hintergrund festbeißt. Das Tracking sorgt dann sogar dafür, dass dieses über die komplette Serie scharf bleibt, auch wenn man die Kamera bewegt smile

Hier muss man tatsächlich umdenken und umlernen. Ich glaube, dass man mit der E-M1 noch viel bessere Bewegt-Bild-Ergebnisse erzielen kann, wenn man damit genauso viel Erfahrung sammelt, wie man es mit seiner DSLR schon getan hat. Ich meine auch noch Detail-Einstellungen zum Tracking im Menü gesehen zu haben um die Empfindlichkeit zu justieren. Mir fehlte am Ende die Zeit das wirklich alles durchzuspielen.

Live, Live, Live

Zum Glück fand ich aber noch die Zeit die Funktion auszuprobieren, die ich extrem spannend fand. Ihr kennt das: Ihr geht in der Dämmerung oder in der Nacht raus und wollt Langzeitbelichtungen machen. Ihr schätzt, dass Ihr 5 Minuten braucht und belichtet 5 Minuten. Dann seht Ihr das Bild auf dem Sucher und sagt Euch: „Verdammt, 10 Minuten wären besser“ oder „Verdammt, 3 Minuten hätten gereicht“. Also nochmal… Die Dämmerung ist schnell vorbei und die Nacht kann lang werden.

Die Olympus bietet hier einige Lösungen. Man kann einstellen, dass man im Bulb-Modus regelmäßig ein Update am Display angezeigt bekommt. So sieht man das Bild entstehen und kann jeder entscheiden die Belichtung abzubrechen wenn man meint, dass es genug ist. Nach 5 Minuten noch zu duster? Na, einfach weiter laufen lassen smile

Live-Time macht eigentlich dasselbe. Mir ist an dem Abend nicht klar geworden, wo der Unterschied zwischen Bulb mit Vorschau und Live-Time war, außer dass ich bei Bulb den Auslöser gedrückt halten musste und bei Live-Time nicht.

Richtig genial ist aber Live-Comp. Hier stellt ma eine Grundbelichtung ein von z. B. 10 Sekunden. Dann startet man die Langzeitbelichtung. Die Kamera macht nun viele 10 Sekunden Aufnahmen und kombiniert diese automatisch. Dabei kommen nur die Teile der jeweils neuen Aufnahme ins Grund-Bild, die heller sind. Lichtspuren z. B. Und während der Belichtung bekommt man regelmäßig updates auf das Kamera-Display.

OM-D E-M1 Live-Comp, 10 Minuten (Grundbelichtung 30 Sekunden)

OM-D E-M1 Live-Comp, 10 Minuten (Grundbelichtung 30 Sekunden)

Weil das alles schwer zu erklären ist, habe ich bei meinem Test einfach mal mit dem iPhone drauf gehalten und ein kleines Video gemacht, dann wird es hoffentlich klarer.

Das tolle an diesen Funktionen ist, dass am Ende RAW-Bilder erstellt werden. Es sind also keine fertigen JPG sondern echte RAW-Daten mit denen man noch so einiges anstellen kann.

Trotzdem sind natürlich auch diese Daten schon berechnet, sonst würde das ja nicht funktionieren. Das gilt übrigens auch für die Rauschunterdrückung! Ist die automatische Rauschunterdrückung für die Langzeitbelichtungen aktiviert, so wirkt sich dies auf die RAW-Daten aus, und zwar deutlich.

Bei der Live-Time Funktion hatte ich die Rauschunterdrückung deaktiviert, weil ich nach einer Minute Belichtung nicht noch eine Minute warten wollte bis ich das Bild sehen konnte. Bei Live-Comp hatte ich es nicht ausgeschaltet. Zu Hause beim durchsehen der Bilder in Lightroom traute ich meinen Augen nicht. Die Live-Time-Bilder rauschten deutlich, die Live-Comp-Bilder waren sehr klar – obwohl beides RAW-Bilder waren. Krass waren die bunten Streusel, die ich bei längeren Aufnahmen sehen konnte.

Fakt: Lightroom macht hier beim Entrauschen einen schlechteren Job als Olympus in der Kamera. Wenn Ihr es nicht eilig habt, dann lasst die Rauschunterdrückung für das finale Bild in der E-M1 aktiviert.

Hier mal zwei Beispiele. Jeweils einmal aus einer Live-Time-Aufnahme ohne Rauschunterdrückung (aber schon durch Lightroom-Standard-Einstellung leicht entrauscht) und einmal aus einer Live-Comp-Aufnahme mit Rauschunterdrückung. Es sind sehr kleine Ausschnitte aus dem ganzen Bild, damit ihr die Pixel erkennen könnt.

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Und das zweite Beispiel:

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Bildqualität

Das waren natürlich extreme Aufnahmesituationen mit sehr langen Belichtungszeiten. Wie ist es also bei normalen Fotos? Rauscht der kleine Sensor mehr als der 35mm-Sensor der 5D? Ja. Keine Diskussion. Bei genug Licht ist das alles kein Problem. Schon in der Dämmerung, wenn man auf ISO 800 geht, ist der Unterschied aber schon deutlich, wohlgemerkt zu meiner alten 5D. Bei einem Vergleich zu einer modernen DSLR wie der D800, D750 oder einer Sony A7(r/s) verliert der kleine Sensor deutlich. Die Pixel sind einfach kleiner als bei den monströsen 35mm-Sensoren. Ist so. Muss man nicht schön reden.

Die Frage ist, ob es einen wirklich stört. Man kann mit der E-M1 absolut professionell arbeiten. Fotos lassen sich problemlos in Postergröße drucken und bei Web-Auflösung oder in einem Fotobuch wird das erhöhte Rauschen kaum oder gar nicht auffallen.

Wenn man aber sehr hohe ISO-Werte benötigt oder nutzen möchte, also Werte von 6400, 12800 oder mehr, dann sollte man für ein klares Bild zu einem andere Werkzeug greifen. Die E-M1 kann das, für ein Kristallklares Werbeplakat ist das dann aber eher nicht mehr geeignet möchte ich sagen.

Objektive, Schärfentiefe

Olympus schickte mir wieder ein 45mm/1.8 und ein 75-300mm/4.8-6.7 – Zu beiden hatte ich bereits im Bericht über die E-M10 berichtet und mein Eindruck dazu hat sich bestätigt. Kurz: Mit dem Tele einen Bildwinkel von 600mm Kleinbild-Equivalent zu haben, stabilisiert Dank beweglichem Sensor, ist geil. Ich wünschte mir mehr Lichtstärke, auch wenn das Objektiv dann größer würde. Das 45mm hatte ich gerne drauf. Toller Bildwinkel, tolle Lichtstärke. Bei Offenblende nicht richtig knackig scharf und anfällig für Aberrationen.

Diesmal lag aber noch ein anderes Objektiv im Karton: Ein 12-40mm/2.8 – Was für ein Klopper. smile Dieses gute Stück ist für mFT-Verhältnisse ganz schön groß und ziemlich schwer. Fasst sich verdammt gut an, das Ding ist kein Spielzeug, das Objektiv macht ernst. Die E-M1 mit diesem Objektiv sieht nicht mehr aus wie ein mFT-System und fasst sich auch nicht mehr so an und soll dann komplett Wettergeschützt sein.

Mein erster Gedanke: „Meh, nur f/2.8“. Ja, die Lichtstärke ist toll aber das Freistellungsvermögen entspricht einem 24-80/5.6 am Kleinbildformat. Naja. Mein zweiter Gedanke nach einigen Bildern: „Wow“. Dieses Objektiv ist ein toller Allrounder. Der Autofokus ist schnell und leise, der Fokusring kann vor-/zurück geschoben werden um den manuellen Fokus zu aktivieren, es bildet scharf ab über den kompletten Bereich auch bei f/2.8 und man kommt über den gesamten Zoombereich auf bis zu 20cm an sein Motiv heran – vom Sensor aus gemessen, das bedeutet, dass man mit der Frontlinse schon bedrohlich nah an das Motiv heran kommt! Krass.

Ich muss aber auch sagen, dass dieses Objektiv in der Pflicht ist zu überzeugen denn auch preislich ist es kein Spielzeug. Knapp 1000 Euro werden fällig, wenn man es sich einzeln dazu kaufen möchte. Im Kit zusammen mit dem E-M1-Body ist es deutlich günstiger und ich kann das nur empfehlen zu machen. Wann immer ich unschlüssig war, welches Objektiv ich drauf schnallen sollte, nahm ich das 12-40 und konnte eigentlich alles damit machen und wurde nie enttäuscht.

Bonus: Blitz-Sync

Nicht lesen was geschrieben steht sondern einfach mal ausprobieren und gucken was passiert. Ich packte meinen PocketWizard Plus X auf die Kamera und löste damit einen Nikon SB-26 aus. Manueller Modus. Mal gucken, welche Zeiten ich synchronisiert bekäme.

Überraschung: 1/400s waren möglich! Die Kamera war auf das 3:2 Format gestellt und es war komplett ausgeleuchtet. Wenn ich nur den 16:9-Ausschnitt benutzte, waren auch 1/500s kein Problem. Alles ohne Tricks wie Super-Sync oder Highspeed-Sync.

Natürlich kann man mit den Olympus-Blitzen auch 1/4000 blitzen aber mir ging es um die reinen manuellen Möglichkeiten über Funk mit simplen Mittelkontakt.

Zum Vergleich: Die Spiegelreflex-Kameras schaffen 1/200s (35mm Format) bzw. 1/250s (APS-C).

Mit der E-M1 könnte ich also mit vorhandenem Equipment locker eine Blendenstufe weniger Tageslicht in die Kamera lassen beim Blitzen.

Und nun? Kaufe ich?

Derzeit tendiere ich zu einem Nein. Das hat aber viele Gründe die nicht alle mit der Kamera zu tun haben.

Ich hatte gehofft, dass mich die E-M10 hätte überzeugen können, weil sie preislich in einem für mich erreichbaren Rahmen gelegen hätte, den Body bekommt man schon um 600 Euro.

Stattdessen wusste die E-M1 deutlich besser zu gefallen. Der Body allein liegt aber mit um 1300 – 1500 Euro deutlich über dem Reflexkauf-Bereich. Zusammen mit dem 12-40/2.8 liegt man im Kit schon bei mindestens 2000 Euro.

Würde ich jetzt komplett auf mFT umsteigen wollen, wäre das kein Thema. Professionelles Gerät und ich glaube, dass es den Preis wert ist. Ich möchte aber derzeit gar nicht komplett umsteigen. Der große 35mm-Sensor ermöglicht einfach Freistellungen, für die ich bei der Olympus noch weitere Objektive mit F/0.95 kaufen müsste, die auch nicht wirklich günstig zu bekommen sind. Warum sollte ich also Werkzeug geben, dass ich bereits habe und das bezahlt ist?

Link: Tolle Übersicht über mFT-Objektive.

Eine kleine Kamera, mit vielen Bilder pro Sekunde, mit eingebautem Bildstabilisator auch beim Video filmen, etc. wäre eine tolle Zwei-Kamera, also nicht „zweit“ im Sinne von geringer eingestuft sondern im Sinne eines speziellen Werkzeugs für bestimmte Aufgaben. Dafür ist mir die E-M1 aber derzeit zu teuer – Ist vermutlich so eine Kopf-Sache.

Ich werde einen Budget-Topf aufmachen und weiter sparen. Die Entwicklung geht weiter und ich bin schon sehr gespannt, was Olympus mit der nächsten Sensor- und Body-Generation bringen wird.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr interessant, mal „die andere“ Seite zu lesen.
    Ich hatte mich im Sommer, neben der Nikon D700, zur Fuji X-T1 entschieden.
    Irgendwann nutzt das Lesen und Testen nichts mehr – man(n) muss eine Entscheidung treffen.

    Die Ergebnisse der kleinen X-T1 sind fantastisch, nun noch selten kommt der Spielzeuggedanke hoch. Dank Novoflex Adapter kann ich die Nikon Linsen anbringen, mache ich aber selten, denn so ein kleines Zeiss Touit 1.8/32 passt so schön in die Jackentasche…

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    • Die Fuji X-T1 wurde mir schon ein paar mal genannt, die hat APS-C, richtig? Sie war aus meinem Raster gefallen, weil sie den stabilisierten Sensor nicht hat, der mich bei Olympus echt überzeugt hat.

      Antworten

  2. Pingback: Ganz nah ran – Makro macht Spaß | Ansichten

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