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Der Fotograf macht das Bild…

kameras

Das hört man ja gerne mal:

Der Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera.

Nun glaube ich, dass dies einer der Sprüche ist, der gerne mal fehlinterpretiert wird. Wenn jemand eine teure Kamera sucht, bekommt er gerne diesen Spruch um die Ohren geschmettert. Was wohl oft mit diesem Spruch gesagt werden soll:

Deine Bilder werden mit einer teuren Kamera auch nicht besser. Der Fotograf macht das Bild…

Lustig ist, dass oft diejenigen diesen Spruch aussprechen, die selbst eine teure Ausrüstung besitzen – Is’ klar was ich sagen will?

Zuletzt hat Paddy sich mal richtig ausgeko… – hat sich Paddy mal reichlich was von der Seele geschrieben smile

Im Kern kann ich dem Spruch zustimmen, möchte aber erklären, wie ich ihn verstehe und warum eine teure Ausrüstung dennoch sinnvoll ist oder sein kann

Vorweg schicken muss ich, dass solche Diskussionen oft in irgendwelchen Foto-Foren stattfinden. Dort halten sich allerdings nur selten professionelle Fotografen auf – professionell möchte verstanden wissen als “verdient seinen Lebensunterhalt damit” – weil die normalerweise mit ihren Aufträgen, der Büroarbeit und dem Marketing beschäftigt sind wink

Damit möchte ich keine Hobby-Fotografen abwerten, denn rein von der Bildqualität halten diese Fotografen häufig mit den Profis mit oder übertreffen diese sogar, das wäre mal ein Thema für sich. Aber das nur mal am Rande. Ich möchte nur sagen, dass die Fotografen, die in ihrer Freizeit fotografieren, einfach mehr Zeit haben. In Foren treffen dann unterschiedlichste Entwicklungsstufen aufeinander und dann kann der Zoff losgehen.

Wer macht das Bild

Zurück zur Aussage, dass es nicht die Kamera ist, die das Bild macht. Das ist ja technisch erst einmal falsch. Natürlich nimmt die Kamera das Bild auf, ansonsten wäre man ja kein Fotograf sondern Maler oder Zeichner. Aber so ist das natürlich nicht gemeint.

Gemeint wird häufig die Tatsache, dass ein Fotograf nicht per se bessere Bilder machen wird, nur weil er sich eine teurere Kamera kauft. Und hier wiederum wird natürlich nicht von der technischen Bildqualität, also Rauschen oder Dynamikumfang gesprochen sondern es ist die Bildaussage oder die Komposition gemeint. Wer also unüberlegt einfach nur drauf hält, der wird mit einer teuren Mittelformat nicht unbedingt besseres abliefern als mit einer Kompakten. Mit einer teuren Gitarre spiele ich auch nicht besser und teure Töpfe allein befähigen mich auch nicht dazu, Fünf-Sterne-Menüs zu kochen.

Bis hierhin gehe ich mit. Um sich fotografisch weiter zu entwickeln, hilft selten eine bessere Kamera. Sinnvoller ist das Geld in Workshops oder Fotoreisen investiert. Das sage ich nicht, weil ich selber Kurse anbiete, sondern weil ich fest daran glaube. Ist mir doch völlig egal zu wem Ihr geht smile Na gut, ich freue mich über Euren Besuch, gebe ich ja zu wink Aber darum soll es nicht gehen. Nein, es geht darum, dass neue Impulse deutlich mehr dazu beitragen bessere Fotos zu machen, als es eine neue Kamera tut.

Übrigens eine Tatsache auf die ich selbst schon herein gefallen bin. Als ich von der APS-C Kamera auf das Vollformat umgestiegen bin, waren meine Bilder Anfangs nicht besser sondern sogar schlechter!

Ich weiß natürlich auch, dass ich dieses Mantra jedem an Kopf schmettern kann, dass ich das 1000× aufschreiben und jedem zum lesen geben kann – am Ende werdet Ihr doch selbst diese Erfahrung sammeln. Es ist wie eine heiße Herdplatte – man muss selbst drauf fassen um zu lernen, dass es weh tut smile

Teure Kameras also überflüssig?

Warum also die Aufregung um diesen Spruch? Es ist nicht die Kamera…

Weil in den Köpfen derer, die diesen Spruch verteilen, der Umkehrschluss nicht klar ist bzw. sie diesen sogar als Argumentation hinzu nehmen:

Ein guter Fotograf macht auch mit der schlechtesten Kamera tolle Bilder.

Das kann sogar sein bzw. ist auch so. Es gibt dazu sogar eine Video-Serie auf Youtube im DigitalRev-Kanal, die Cheap-Camera-Challenge. Hier bekommen bekannte Fotografen wirklich die schrottigsten Kameras in die Hand gedrückt, ob Lego-Cam oder Barbie-Cam etc. Es zeigt sich schon, dass ein guter Fotograf einen großen, mentalen Werkzeugkasten dabei hat, er hat Bildideen und findet aufgrund großer Erfahrung auch Lösungen für knifflige Probleme die so eine billige Kamera mit sich bringt. Das hat auch Guido Karp gezeigt, als er nur mit einem Handy und Dauerlicht wunderschöne Aktfotos gemacht hat.

Nun muss man aber einen Schritt weiter denken. Wenn doch ein guter Fotograf gar nicht mehr benötigt, um tolle Fotos zu machen, warum läuft dieser dann oft mit High-End-Equipment herum?

Ich sage: Weil er es sich erarbeitet hat!

Eine teure Kamera hat eben Möglichkeiten, die eine Barbie-Cam nicht hat. Sie ermöglicht es einem auch bei wenig Licht zu arbeiten um so z. B. statt Blitzlicht auf schummeriges Umgebungslicht zu setzen oder um in spärlich beleuchteten Hallen noch gute Action-Aufnahmen zu machen. Eine bessere Kamera kann also bestimmte Bilder überhaupt erst möglich machen.

Jetzt kommt mir bitte nicht mit damals, und dass damals mit langsamen Analogkameras auch Sport fotografiert wurde. Stimmt ja alles, ich würde aber meinen Arsch verwetten, dass die Fotografen damals eine Kamera von Heute nicht abgelehnt hätten. Auch damals waren einige froh über automatischen Filmtransport, über motorgetriebene Kameras mit schneller Serienbildfunktion, sie waren dankbar über hochempfindliche Filme und freuten sich über die Freistellung mit weit offenen Blenden.

Ich glaube außerdem, dass beide Wege funktionieren können, abhängig von der Einstellung oder der persönlichen Lernweise des Fotografen:

a) Die Kamera kann mit dem Fotografen wachsen.

Das ist meine persönliche Empfehlung. Damit meine ich, dass der Fotograf zunächst an sich selbst arbeiten sollte. Dabei ist es völlig egal auf welchem Level Ihr Euch gerade befindet. Fehlt Euch etwas an oder in Euren Bildern? Analysiert Eure Bilder, Fragt Leute denen Ihr vertraut, die Euch ehrliche Antworten geben. Macht mehr Fotos, stellt Euch Aufgaben oder nehmt an Aufgaben und Wettbewerben teil. Reizt das Equipment was Ihr habt richtig aus, geht an die Grenzen und versucht diese immer ein wenig weiter zu stecken.

Dann wird der Punkt kommen an dem Ihr genauer wisst, was Ihr eigentlich machen möchtet und was Euch fehlt um es Euch ein wenig einfacher zu machen. Das kann ein anderes Blitz-System oder eine neue Kamera sein, ein anderes Objektiv oder praktischere Lichtformer.

Der Punkt ist: Jetzt wisst Ihr es genau. Natürlich macht die Kamera – das Equipment – nicht das Bild. Sie / Es hilft Euch aber, Eure Ideen besser oder leichter umzusetzen.

b) Der Fotograf kann mit der Kamera wachsen.

Ich sag mal so: Warum denn nicht? Eine neue Kamera ist schnell gekauft. Auf einen Schlag hat man ein neues Menü, neue Funktionen, neue Möglichkeiten. Doch wofür? Einfach mal ausprobieren!

Ihr könnt Euch einfach eine Funktion heraus picken und überlegen, was Ihr damit alles anstellen könnt. Mehr Freistellung durch größeren Sensor oder größere Blende? Stellt frei was Zeug hält und versucht das kreativ zu nutzen. Mehr Bilder pro Sekunde? Rotzt die Speicherkarte in wenigen Sekunden mit tausenden Bildern zu und stellt fest, dass das bei einem Schneckenrennen weniger sinnvoll ist als beim Eishockey. Was passiert denn, wenn man sich bei 10 Bildern pro Sekunde um die eigene Achse dreht, schwenkt, in einem schnellen Karussell sitzt, man die Belichtungszeit rauf oder runtersetzt? Probiert alles aus, vergrößert Euren mentalen Werkzeugkasten indem Ihr die technischen Werkzeuge untersucht und dabei vielleicht auf Ideen kommt, die vorher noch niemand hatte.

Was ist denn nun der Kern?

Ach ich weiß auch nicht, vielleicht wollte ich mich auch einfach mal ausko… meinen Gedanken mal freien Lauf lassen. smile

Wenn ein guter Fotograf sagt, dass es nicht die Kamera ist, dann antwortet er häufig auf begeisterte Zuschauer oder Kunden, die sich gerne mal hinreißen lassen zu einem: “Du hast da natürlich auch eine geile Kamera, damit kann man natürlich tolle Bilder machen”. Der Fotograf möchte gerne unterstreichen, dass die Kamera nur sein Werkzeug ist, die Bildidee, die Komposition, die Wahl der Belichtung  und die Bearbeitung liegt beim Fotografen. Ich sage zu solchen Äußerungen ja kaum noch etwas sondern freue mich, wenn meine Bilder gut ankommen.

Ich lege Euch ans Herz, diesen “Es ist nicht die Kamera”-Spruch nicht aus verstecktem Neid abzufeuern. Wenn sich jemand eine bessere Kamera kaufen kann, gönnt es ihm. Wenn ihr wisst, oder nach Tagen und Wochen seht, dass die Fotos nicht besser werden, belehrt ihn nicht sondern freut Euch, dass Ihr das erkennt – das ist nämlich durchaus auch ein Lernprozess. Überlegt, was Ihr anders gemacht hättet und setzt das mit Eurem Equipment um.

Ein guter Fotograf weiß, warum er das Equipment nutzt, für das er viel Geld hingelegt hat. Ein guter Handwerker wird auch nicht mit billigem Werkzeug aus dem Baumarkt arbeiten, auch wenn er es könnte. Er weiß, was er an teurerem Werkzeug hat, dass nicht nach fünf Schrauben ausgenudelt ist.

Einsteiger sollten nur nicht dem Irrtum verfallen, sie könnten sich bessere Fotos mit teurem Equipment erkaufen. Lernen müssen sie – so oder so. Der eine hat mehr Spaß daran, alles aus seiner Ausrüstung heraus zu holen, der andere möchte lieber erst die vollautomatische Nähmaschine kaufen, um dann am Gerät zu lernen, wie man damit zum besten Anzug aller Zeiten kommt smile – Welcher Typ bist Du?

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13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bemerkenswert ist, dass ich, seitdem ich mit der µFT unterwegs bin, sehr viel weniger auf meine Kamera angesprochen werde. Als ich noch mit APS-C und einem schweren 70-200mm-Trumm unterwegs war, da kam dieser Spruch ebenfalls oft. In einem Fall von einer bei einem Tanzwettbewerb begeistert mitfotografierenden Mutter. Ja, mit so einer Kamera könne sie auch viel bessere Bilder machen. Nun ja, ich riet ihr, einfach den integrierten Blitz wieder einzuklappen und auf einen höheren ISO-Wert zu gehen, weil auf der Bühne eigentlich genügend Licht sei. Sie folgte meinen Anweisungen zunächst sichtlich skeptisch, aber als sie die Bilder auf ihrem Kamerarücken betrachtete, freute sie sich. Ihre Kamera konnte anscheinend doch bessere Bilder machen :-)

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  2. Pingback: …aber der Betrachter entscheidet! | apographon

    • Na klar. Wer außer dem Kunden oder Galeriebesucher sonst sollte entscheiden was gut ist? Da kommen wir dann aber zu einem anderen Aspekt der vielleicht ein anderes Mal erörtert werden soll :) davon ab: der Fotograf ist in vielen Fällen sein größter Kritiker ;)

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      • Ja, „wir“ sind selbst (und vor allem bei anderen) die größten Kritiker – aber vor allem weil wir analytisch (technisch und formal) an die Bilder rangehen und nicht mit Herz&Bauch sehen. Und daher auch die ganze „Von Nerds für Nerds“ Diskussion.
        Was „wir“ lernen müssen ist eine zielgruppenorientierte Fotografie. Das kennst du bestimmt: Pferdebesitzer wollen andere Bilder als Gitarrenfreaks. Darüber sollten „wir“ uns bewusst werden und das ganze nicht immer zum Selbstzweck betreiben.

        Have fun!

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  3. Hoi Boris,
    schöner Artikel zu einem heiß diskutierten Thema.

    Ich bin selbst vor einem halben Jahr von einer älteren Canon APS-C auf eine aktuelle Nikon FX umgestiegen. Sind meine Bilder jetzt per se besser? Ich denke nicht. Allerdings bietet die neue Kamera Möglichkeiten, die ich vorher nicht hatte. Jetzt liegt es an mir diese zu nutzen.

    Meiner Meinung nach sollten Fotograf und Kamera zueinander passen und der Fotograf sollte wissen, warum er in der jeweiligen Situation bestimmtes Equipment benötigt. Da stimme ich dir und der Handwerker-Analogie voll zu.

    Viele Grüße aus der Schweiz
    Markus

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  4. Ich mülle mal deine Kommentarzeile zu, weil Paddys schon überquillt ;-)

    Ich habe 2 GEdanken zu deinem und auch Paddys Post:
    1. „Neu“ heißt nicht immer größer. Und „neu“ heißt auch nicht immer „mehr“. Paddy geht automatisch davon aus, dass neu immer FullFrame Monster DSLR mit 70-200 f2.8 bedeutet… da liegt schon mal der erste Fehler. Ich bezeichne mich als halbwegs erfahrenen (Hobby)Fotografen, ich habe 35mm, Mittelformat, digi-FourThirds, digi-APS-C und Handy geknipst. Und ich muss sagen, dass ich mit meinen letzten beiden Kamera-Käufen am zufriedensten war. Der erste war ne Fuji X20. Ich liebe das Teil – es war damals neu als ichs gekauft hab. Kann das Ding alles? NEIN. Hat es wechselobjektiv und Mörder-Freistellung weil Vollformat? NEIN. Das war aber auch nicht der Punkt als ich sie mir kaufte. Ich habe sie mir für einen ganz bestimmten Zweck geholt.
    Der zweite Kauf war eine gebrauchte Pentax K im APS-C Format. Auch diese KAmera liebe ich, weil ich da tausend Knöpfe hab, weil ich rumspielen und einstellen kann bis der Arzt kommt. Mit der Fuji kann ich das nicht so in der Art – aber wenn ich mit der Fuji fotografiere dann fotografiere ich ganz anders als mit der Pentax. Worauf wollt ich eigentlich raus? Ja, der Punkt ist, dass Paddy schon richtig erkannt hat – es gibt kein schwarz/weiss – nur grau. Alles läuft aber auf die eigene Erfahrung raus. Die Kaufentscheidungen die ich getroffen habe, hätte ich als blutiger Noob sicherlich anders getroffen – und wäre in jedem Fall unglücklich gewesen. Erst die Erfahrung erlaubt es uns die techn. Möglichkeiten unseres gears einzuschätzen. Der Umkehrschluss, der immer gemacht wird: nämlich, dass wir mit mehr Erfahrung den gear nichtmehr brauchen ist halt ebenso Schmarrn. Man muss halt ehrlich zu sich sein, und wissen worauf es einem bei seiner Fotografie ankommt. Wenn ich lieber mobil bin und Leute fotografiere, dann muss ich halt auch die Eier haben und mir eben nicht das größte neue Teil kaufen, sondern vielleicht das handlichste. wenn ich Tierfotograf bin, überleg ich mir halt zweimal ob ich Vollformat mache, oder doch fourthirds – um dafür mehr Brennweite zu bekommen…

    Punkt 2: Stolz und Vorurteil
    ..also ich glaube, Hobbyfotografen müssen sich von der vorstellung verabschieden, dass es die EINE Kamera gibt, die perfekt alles kann und die nix kostet und klein und handlich aber trotzdem Fullframe is. Das ist Marketing Bullshit. Ihr kauft ja auch keinen Smart und erwartet von dem Auto damit mit 4-köpfiger familie in Urlaub fahren zu können. Genausowenig erwartet ihr von einem VW Sharan, dass er in jede Parklücke passt.
    Andererseits sollten sich die „Profis“ mal überlegen, warum sie eigentlich immer mit der 5d oder der 1d und dem fetten Tele auf Hochzeiten oder auf Konzerten rumlaufen. Ich glaube, dass bei Profis da viel mehr Machismo drin steckt, als sie sich eingestehen wollne. Mit einer „kleinen“ Leica wird man halt von den Foto-Muggels nicht ernst genommen, obwohl sie eigentlich geilere Bilder machen würde, als manche fette DSLR.

    Ach Scheiße, zuviel geschwurbelt. Ich muss das alles mal sinnvoll vertonen und in meinen Podcast schmeißen…aber ich hoffe es wurde halbwegs klar worauf ich rauswill ;-)

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  5. Servus aus Bayern,

    ich finde den Blogeintrag mal richtig spannend. Zu lesen was andere so denken und schreiben, finde ich immer wieder inspirierend. Meine Art von Fotografie ist der Versuch Geschichten erzählen zu wollen. Entweder ich sehe etwas oder ich will Bilder die ich im Kopf habe umsetzen und als Bild einfangen.

    Es ist manchmal lustig zu erleben, wenn man sich auf Fotowalks oder auf Fotoworkshops befindet, was man da alles erlebt.
    Man kann männliches Balzverhalten in Reinkultur erleben.“ Eh schau mal was ich für eine tolle, coole und superduper teure Ausrüstung habe, die hat viel viel Kohle gekostet.“ Das geht mir dann nur ein Gedanke durch den Kopf „Männer“.
    Ich bin dann ziemlich amüsiert. Ein Austausch mit anderen weiblichen Fotografen hat ergeben, dass viele ähnlich denken und deswegen von Fotoworkshops mit hoher Männerquote abgeschreckt sind. Das finde ich auch wieder schade.

    Für mich steht an erster Stelle die Kreativität, das was ich vor dem inneren Auge sehe. Die Kamera ist das Werkezug, was mich dabei unterstützt – das Ganze umzusetzen.

    Wenn man ein Regal baut , nutzt man einen Hammer , um das Möbelstück zusammezubauen. Allerdings erstellt nicht der Hammer das Regal, sondern derjenige der ihn benutzt. Wenn der Benutzer sich gut auskennt, wird das Möbelstück toll aussehen und wenn nicht, dann eben krumm und schief. Der Hammer unterstützt das Vorhaben, aber für das Ergebnis ist das Zusammenspiel zwischen Akteur und Werkzeug wichtig.

    Jeder sollte selbst herausfinden, was er möchte und will. Ich bin am liebsten mit kleinem Gepäck unterwegs.
    Oftmals nur ein Kamera mit Festbrennweite und Handgurt und dann streife ich durch die Stadt, übers Land oder fotografiere meine Kinder. Die Kamera liegt stets im Rucksack. Plane ich wiederum einen Fotowalk so überlege ich mir vorher genau, was ich mitnehmen will. Zu viel Schlepperei nervt mich. Klar kann es passieren, das ich die falsche Auswahl mithabe, aber ich kann trotzdem versuchen das beste draus zu machen. Das hat einen unheimlichen Lerneffekt.

    Neulich waren wir im Botanischen Garten in München unterwegs. Eigentlich wollten wir draußen fotografieren. Also hatte ich ein Zoomobjektiv 70-300 mm und eine 85er Festbrennweite dabei. Weil es aber so kalt war, wollten die anderen lieber in den Gewächshäusern fotografieren. Super – da hätte ich eher ein Makro gebraucht. Dann übt man eben Nahaufnahmen mit einem Zoomobjektiv, auch interessant was dabei rauskommt.

    Man bekommt immer nur gute Fotos in dem man einen alten Lehrsatz befolgt und der da heißt: üben, üben, üben.
    Ich werde mir jetzt keine Kamera kaufen, sondern erstmal alle Funktionen meiner Kamera ausreizen.
    Zur Zeit fluche ich gerade über den manuellen Modus, denn jetzt muss ich alles von Hand einstellen.
    Allerdings hat er auch seine Vorteile, die ich gerade entdecke. Endlich werden die Bilder genauso sind wie ich sie mir vorstelle.

    In diesem Sinne Technik ist nicht alles, sondern die Person die mit dem Werkzeug umzugehen weiss. Werdet Meister eures Werkzeuges und übt euer Können. Veranstaltet Fotowalks und tauscht euch aus, das ist der beste Weg um gute Fotos zu bekommen. Viele Grüße Daggi

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  6. Pingback: #395 – Das Kleid – aber nur ganz kurz | Happy Shooting – Der Foto-Podcast

  7. Moin,

    Ich habe Deinen und Paddys Beitrag gelesen und fand beide spannend. Ich denke schon seit längeren über den Spruch nach.

    Mir ging vor ein paar Jahren meine Erste DSLR nach nur zwei Jahren Nutzung kaputt, hatte aber kein Geld für eine Neue und kaufte mir deswegen eine kleine PowerShot, ich wollte mir erst dann wieder eine DSLR kaufen, bis ich die Grenzen der Kompakten kenne und sie mich schmerzen.

    Zwei Personen um mich kamen zu dieser Zeit zur Fotografie und gingen einen ganz anderen Weg. Der eine kaufte sich gleich eine 5d Mark II und diverse echt tolle Linsen, der andere kaufte sich ein Flagschiff von Sony mit diversen Objektiven. Der erste fragte mich total entsetzt warum sein 70-200 immer so unscharf ist. Bis wir rausgefunden haben, dass er immer nur mit Blende 2,8 Bilder machte. Er dachte weil das auf dem Objektiv steht muss er 2,8 einstellen, erfand bei seinem 100er Makro nicht selber raus, dass er eine Fokusbegrenzug hat und wollte das Objektiv schon reklamieren, ständig fragte er mich Dinge und lachte mich aber wegen meiner Kompaktkamara aus. Der zweite kniete sich zwar rein und versuchte sich Wissen anzulesen , aber ging kaum selber raus um Fotos zumachen, sondern las und erzählte mir was ich falsch mache an meinen Bildern oder kam mit mir mit und korrigierte mich vor Ort. Von wegen nur eine ungerade Anzahl von Gegenständen oder Treppenstufen im Bild oder 2/3 Regel und Goldener Schnitt. Es machte mir kein Spaß aus meinen Bildern eine so große Wissenschaft zu machen. Warum soll ich ein Bild in den Goldenen Schnitt pressen, wenn es mir dann nicht gefällt warum darf ich ein Bild nicht unterbelichten, wenn ich es doch so schöner finde?

    Als dann der Punkt kam, dass mir die Vorteile einer DSLR fehlten und die Kompakte mir ein Hindernis war, die Bilder zu machen die ich wollte, aber das Geld fehlte, war ich traurig zu sehen, wie der erste mittlerweile zwei Topmodelle spazieren trug und die Qualität eines Urlaustages in Anzahl seiner Bilder maß, die einfach auf P gestellt abgedrückt wurden, scheinbar ohne über das Bild nachzudenken und beim zweiten die Kamaras Staub ansetzten. Sie durften keine Kratzer bekommen und keinen Nieselregen. Es kostete mich viel Selbstkritik, mir zu erklären, dass jeder so verfährt wie er es für richtig hält und ich nicht neidisch sein sollte, dass jemand so tolle Dinge entweder verstauben lässt oder nicht bedienen kann, ich es mir aber nicht leisten kann. Als ich dann meine neue DSLR irgendwann in der Hand hatte viel es mir aber leichter. ;-)

    Ja der Fotograf ist der Bediener eines Werkzeuges, aber Werzeuge haben ihre Grenzen. Wenn der Fotograf sich nicht weiter diesen Grenzen aussetzen will muss er sein Equipment anpassen. Es gibt aber überall Menschen die meinen durch tolles Werzeug ohne die Mühen des Lernens besser zu werden oder es gibt diejenigen die etwas haben wollen, es pflegen und ansehen und davon schon glücklich sind. Ich find es liegt an mir, für mich meinen Weg zu finden, mit den Mittel die mir zur Verfügung stehen.

    Viele Grüße
    N_Skadi

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  8. Ich hab meine Gedanken dazu nochmal vertont…
    http://www.brainandart.de/podcast/ba007-die-perfekte-kamera/

    Ich weiß nicht ob’s mehr Sinn macht als mein Geschreibsel ;-)

    Punkt ist: das ständige Gequatsche um Auflösung, Bohek und ISO in den Foto-Magazinen, Podcasts usw. bringt Hobby-Fotografen rein gar nix. Es gibt so viele schöne Bridge- und Systemkameras die geniale Features haben (so wie die neue Canon SX60 mit einer Zoom-Out Funktion) die für Hobbyisten sehr interessant sind. Aber wir werden alle dazu getrimmt, DSLRs als das Nonplusultra anzusehen….

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