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Bild-Honorare oder “Das ist doch auch Werbung für Dich”

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Neulich nach dem Frühstück warf ich einen Blick auf mein Telefon, um verpasste Anrufe, E-Mail und die Social-Media abzuarbeiten, als ich einen ungewöhnlichen Anruf sah. Halb-Elf Uhr Abends? Aus Berlin? Wer könnte das gewesen sein.

Was dann folgte, möchte ich als heißen Anwärter für die vielleicht sympathischste und zugleich skurrilste Geschichte meines Jahres beschreiben. Ganz früher wäre ich vielleicht verwundert gewesen, vor einigen Jahren vielleicht sogar verärgert, inzwischen fühle ich mich bei so etwas aber durchaus unterhalten und amüsiert – und das meine ich überhaupt nicht arrogant oder herabsetzen, nein, es war wirklich eine tolle Geschichte.

Kurz: Günther* wollte eines meiner Fotos für seinen Artikel in der Online-Ausgabe einer großen Zeitung verwenden. Wirklich kosten durfte es natürlich nichts, aber: “Das is’ ja auch immer gute Werbung”

*Namen habe ich geändert

Außerdem nenne ich Euch am Ende des Artikels ein paar konkrete Preise und einen Link zu einem Honorar-Katalog – gleich drei Dinge auf einmal smile

Da saß ich also neugierig am Frühstückstisch, konnte aber nicht schlüssig ermitteln, wem die Telefonnummer gehörte. Also erst mal weiter mit den E-Mails. Siehe da, in einer E-Mail lese ich eine eilige Anfrage für eines meiner Bilder. Es sollte zu einem Online-Artikel des Tagesspiegels erscheinen – Thema Astronomie – und damit ich gar nicht erst irgendwelche Erwartungen aufbaue schließt die Mail mit:

“Als Autor kennen Sie wahrscheinlich die Honorare einer Zeitung. Als Geschäftsmann schätzen Sie aber vielleicht auch die Werbung für Sie?”

Ich grübelte noch, welches meiner Bilder für das Thema taugen könnte als ich gleich seine nächste Mail mit dem gewünschten Bild fand. Es sollte eine der Aufnahmen vom Treffen von Mond und Venus sein.

Bis hierhin bauten meine Synapsen eine Zusammenfassung auf: Anrede per Sie, ein Foto, dass eher eine Ausnahme in meinem Portfolio darstellt, Geschäftsmann und “Werbung für Sie” in einem Satz – Günther, sei mir nicht böse wenn ich Dich hier in eine Schublade gesteckt habe wink

Bisher bekomme ich nicht so viele Anfragen dieser Art weshalb ich sie auch nicht pauschal ignoriere. Ich bin allerdings aus dem Alter heraus, wo ich einem großen Online-Magazin etwas schenken möchte um mein Ego zu streicheln. Ich schrieb eine kurze Antwort, führte das Du ein, erklärte, dass ich keine Bilder verschenke wenn diese für kommerzielle Zwecke genutzt werden sollen und wollte mich später weiter damit befassen.

Nachdem ich etwas nach aktuellen Preisen recherchiert hatte, fing ich gerade an eine Antwort mit einem konkreten Angebot zu formulieren als das Handy erneut klingelte – Berlin, das musste Günther sein. Dieses Telefonat, nun, wie soll ich bloß beschreiben was eigentlich einmalig war und vor Situationskomik nur so strotzte – Auch hier bitte richtig verstehen, ich habe größten Respekt vor Günther und kann seinen Wunsch sehr gut verstehen, er war mir sofort sympathisch und es hat Spaß gemacht das Gespräch zu führen, es war nur so surreal, ich guckte direkt, ob irgendwo eine Kamera versteckt war smile

Er erzählte mir in staccato seinen Ursprung als Fotograf, analog, tolle Sache, schwieriges Geschäft, geht Heute ja gar nicht mehr, und so weiter. Ich weiß nicht mehr wie aber irgendwie bekam er dann die Kurve zur Astronomie, seinem Hobby und dass mich das sicher auch interessieren würde bei so tollen Fotos. Das alles schoss wie aus einem erfrischend kalten Wasserstrahl direkt auf mich ein…

…und ich dachte mir, dass das ja alles schön sei, worauf er nun hinaus wollen würde und warum er nicht eine ruhige Ecke finden konnte zum telefonieren weil im Hintergrund ständig eine Stimme laut aber unverständlich zu vernehmen war. Verarscht der mich gerade? Sitzt der eigentlich in der Tagesspiegel-Redaktion und um ihn herum werden andere Fotografen angerufen und abgezockt? Was war da los? Nein, nichts dergleichen, es war seine Frau. Versteht Ihr? So richtig klassisch Klischee pur. Ehepaar im vermutlich fortgeschrittenen Alter, er möchte etwas und telefoniert, seine Frau gibt ihm aus dem Off Anweisungen, Stichworte und drängelt, sie müssten schließlich gleich los bigsmile – Zucker!

Irgendwann wird es Günther zu bunt die Stichworte zu wiederholen und er versucht sie zur Ruhe zu bringen was nur mäßig funktionierte. Ich musste schmunzeln. Am liebsten wäre ich direkt auf einen Tee rüber gefahren und hätte Portraits von den beiden gemacht – So knuffig.

Der Endspurt kam dann jedenfalls. Er würde eben für den Tagesspiegel einen Artikel schreiben, das Foto, das verwendet werden sollte gefiele ihm nicht und Google spuckte ihm meines aus.

Als er allerdings nicht einschätzen konnte wann die Aufnahme entstand war ich doch etwas verwundert. Außerdem war mir klar, dass er nicht mal dem Bild zu meinem Blogbeitrag gefolgt war, geschweige denn, dass er den Beitrag gelesen hätte. Da war ich dann schon etwas traurig wink

Hätte er sich meine Seite mal angesehen wäre ihm vielleicht aufgegangen, dass die Veröffentlichung eines Bilds von Mond und Venus für mich keine Aufträge generieren würde. Ich bin kein Astro-Fotograf, warum sollte das also Werbung für mich sein? Mal abgesehen davon, dass ich noch nie gehört habe, dass jemand einen Bericht über den Sternenhimmel liest und dann Kontakt mit dem Fotografen aufnimmt um diesem einen tollen Auftrag zuzustecken wink

Er würde jedenfalls auch nur einen 2-stelligen Betrag für den Beitrag bekommen und nun war er neugierig, was das Bild wohl kosten würde. Ich stellte noch einmal fest, dass das Foto nicht für einen privaten, nicht kommerziellen Blog verwendet werden sollte sondern für einen Artikel im Tagesspiegel. Ob er als Autor für den Text mit einem nicht zu hohen 2-stelligen Honorar zufrieden ist und ob das übliche Sätze sind, war mir relativ egal – na nicht ganz, es erschien mir ziemlich wenig Geld, allerdings bekam ich den Artikel auch nicht zu sehen.

Da er nun schnell mit seiner Frau weg musste sagte ich ihm zu ein Angebot zu schicken. Er wollte dies der Zeitung vorlegen und sehen was passiert.

Meine Erwartungshaltung war – gar nichts würde passieren! Warum? Weil die Zeitung offensichtlich bereits ein Bild hatte. Entweder vom eigenen Fotografen oder für ein paar Cent aus dem Stock-Pool. Außerdem würde die Redaktion wohl kaum mehr Geld für ein Foto investieren als für den Artikel.

Ich hörte dann auch tatsächlich nichts mehr davon. Gar nichts. Ein kurzes Feedback, dass es leider nicht geklappt hätte wäre schon nett gewesen – Ich kenne allerdings nicht die Geschichte in seinem Kopf, die er sich um meine Person gesponnen hat smile Da könnte ich jetzt vielleicht auch in einer Schublade mit Aufschrift “Wucher” stecken wink

Trotzdem, ich fand diese Geschichte irgendwie toll und hoffe, dass Ihr daraus auch etwas mitnehmen könnt.

Preise – konkret

Ein Leser namens Frank wies mich kürzlich darauf hin, dass es inzwischen einen kostenlosen Tarifkatalog für Bildnutzungen für alle möglichen Anwendungsfälle gibt. Diese Honorare können als Durchschnitt gesehen werden und Ihr müsst natürlich im Einzelfall klären, wie kompliziert Ihr es machen möchtet.

Alternativ kann man Google bemühen um Honorare zur Bildnutzung anderer Fotografen zu finden und wird entdecken, dass es eine sehr große Spannbreite gibt.

In meinem konkreten Fall, eindeutig ein kommerzielles Magazin, setzte ich einen Jahresbetrag zwischen 100 und 300 Euro, je nach Auflösung an zzgl. Mehrwertsteuer. Bei Nennung meiner Webseite stellte ich 20% Rabatt in Aussicht. Schaut man sich Honorare aus dem oben verlinkten Katalog an, mag das fast wie Dumping erscheinen, da ich aber schon wusste, dass am Ende ohnehin kein Vertrag zustande kommen würde, mochte ich auch nicht mit feingliedrigeren Rechten und Zeitabschnitten anfangen nur um an Ende höhere Preise zu verschleiern.

Und die Moral

Um es noch einmal klar zu sagen: Wenn es nicht um eine große Online-Zeitung sondern um einen privaten Blog gegangen wäre, hätte meine Antwort ganz anders ausgesehen. Ich möchte Euch raten, Euch nicht unter Preis zu verkaufen. In den Redaktionen sitzen eben auch nur normale Angestellte die ein viel zu kleines Budget über das Jahr bringen müssen.

Glaubt aber nicht an die tolle Werbung. Natürlich freut man sich, wenn das eigene Bild an prominenter Stelle genutzt wird. Nun überlegt aber selbst: Wie oft habt Ihr Euch dafür interessiert, wer der Fotograf war, der ein bestimmtes Bild in einer Zeitung, einem Katalog oder einer Anzeige gemacht hat? Und wie oft wolltet Ihr Kontakt zu diesem Fotografen aufnehmen? wink Die oft genannte Werbung bringt in 99,99% der Fälle genau gar nichts, schon gar nicht, wenn es um Bilder geht, die eher eine Ausnahme im Portfolio darstellen.

Am Ende müsst Ihr selbst entscheiden, ob es für Euer Ego gut ist das eigene Bild online zu sehen – das ist nicht mal verwerflich, nutzt sich aber auch schnell ab – oder ob Ihr Euch einen eigenen Preis und einen Kundenstamm aufbauen möchtet?

Zum Schluss noch ein Link zu Ruthe: Das ist doch auch Werbung für Dich

Hattet Ihr ähnliche Anfragen auch schon? Dann schreibt doch mal, wie Ihr vorgegangen seid und ob Ihr das Heute wieder so tun würdet?

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hatte auch mal eine Anfrage für eine Branchenzeitschrift und hatte mich breitschlagen lassen, ein Bild gegen ein Belegexemplar zur Verfügung zu stellen.
    Irgendwie haben die dann beim Eintüten der Exemplare, mir aber wohl den Umschlag eines anderen Fotografen zugeschickt, wo die Aufrechnung für ihn und was er bekommen hatte dabei lag. Tja, seitdem ist das Thema kostenlos für kommerzielle Geschichten für mich auch soweit durch.
    Danke für den Link.

    Antworten

  2. Auf „Das ist doch auch Werbung für Dich” bin ich selbst auch schon reingefallen. Als ich Deinen Bericht gelesen habe, konnte ich mir den ein oder anderen Schmunzler nicht verkneifen. Damals war ich noch naiv und habe das Bild für einen klitzekleinen Unkostenbeitrag hergeschenkt. Was hat mir die Werbung gebracht? Nichts, aber das mittelständische Unternehmen hat mit meinem Bild seine Zielgruppe kostengünstig erreicht. Na ja… that’s life. Jeden Tag steht ein Depp aus. ;-)

    Hatte auch mal einen Anruf von einer Zeitung aus Berlin. Diese fanden meine Milchstraßenbilder sehr toll und ansprechend. Und sie planen einen Artikel darüber. Mit einem Hacken. Die Bilder müssen ohne Berge sein, denn der Leser der Zeitung soll das Gefühl bekommen, die Bilder wurden über dem Berliner Stadthimmel gemacht. Na klaro… Geht’s noch! Ich bin leidenschaftlicher Landschaftsfotograf und fotografiere nun mal viele Berge, weil die bei mir vor der Haustüre liegen. Die Redakteure kommen schon auf grandiose Ideen. Von der Lichtverschmutzung über Berlin mal ganz zu schweigen.

    Ich für meinen Teil habe dazugelernt… und werde definitiv keine Bilder für Firmen, Zeitungen etc. herschenken. Nicht für die Eigenwerbung.

    Super Beitrag!

    Gruß aus Garmisch-Partenkirchen

    Michi von mcPhotoArts

    Antworten

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