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Belichtungsmesser? Brauche ich nicht! – Sunny 16

Primar Reflex Blende 16

Blende f∕16

Genau, einfach wegwerfen den zig-hundert Euro teuren Belichtungsmesser. Den Kamerahändler einfach mindestens 200 Euro runterhandeln, weil diesen eingebauten Belichtungsmesser will man ja eh nicht benutzen bigsmile

Na gut, ganz so ist es ja nicht, gebe ich ja zu. wink

Bei modernen Kameras ist so ein Lichtmesser eingebaut und je nachdem wie modern die Kamera ist, kann man sogar einstellen auf welche Art die Messung erfolgen soll – mittenbetont, selektiv, Spot oder völlig abgedreht mit einer Matrix aus zig verschiedenen Messungen über das ganze Bild verteilt.

Aber was tut man, wenn man mit einer alten, analogen Kamera arbeitet, die so einen Luxus nicht bietet? Ganz einfach: Sunny 16 smile

Ich sollte vorweg schicken, dass Film, vor allem Schwarz-Weiß-Film, recht viel verzeiht. Etwas zu viel oder zu wenig Licht? Kein Problem, das Negativ wird dennoch eine Menge Details enthalten, Schatten und Lichter werden trotzdem gute Zeichnung aufweisen. Es kommt also nicht darauf an, dass man auf 1∕3 Blende exakt trifft.

Hier kommt die Sunny 16 ins Spiel. Was ist das? Sunny 16 ist eine Regel – ich mag lieber Empfehlung, Idee oder Konzept – um ohne Belichtungsmesser eine einigermaßen passende Belichtung hinzubekommen.

Wie funktioniert das

An einem sonnigen Tag, das Motiv ist in der direkten Sonne, stellt Ihr die Blende auf f∕16 und die Belichtungszeit auf den Umkehrwert des ISO-Wertes. Ist ein ISO-400 Film eingelegt, wird also eine 1∕400 Sekunde belichtet. Steckt ein ISO-100 Film drin, wählt Ihr einfach 1∕100 Sekunde.

Der Rest ist Gefühl, Schätzungen, keine exakte Wissenschaft. Wenn es eben nicht pralle Sonne ist sondern leicht bewölkt, dann nimmt man eben f∕11 oder f∕8 bei stärkerer Bedeckung des Himmels. Je dunkler es wird, je mehr das Motiv im Schatten steht, desto weiter öffnet man die Blende, nach Gefühl smile

Anfangs fühlt sich das komisch an, mit der Zeit bekommt man aber eine grobe Idee vom richtigen Wert. Vor Jahren hatte ich das auch digital mal ausprobiert, eine tolle Übung, aber wie alles, was man nicht regelmäßig macht, rostet man ein. Ich selbst befinde mich gerade wieder in einem Zustand zwischen Unsicherheit und großem Spaß beim Raten bigsmile

Natürlich fotografiere ich nun nicht ständig mit f∕16 wenn es sonnig ist, nein, die Werte dienen als Ausgangspunkt für die Überlegungen. Der Rest ist nicht mal Rechnen sondern nur stumpfes Zählen durch die Blendenwerte.

Primar Reflex Blende 5.6

Blende f∕5.6

Sprich, wenn ich bei Sonne und einem ISO-100 Film bei f∕16 und 1∕100 Sekunde eine gute Belichtung erhalte, wie kurz muss ich dann belichten, wenn ich mit f∕4 arbeiten möchte? Zählen wir mal kurz die vollen Blendenstufen durch:

f∕16 – f∕11 – f∕8 – f∕5.6 – f∕4

Der Wunsch von f∕16 auf f∕4 zu gehen bedeutet also, dass ich vier Blendenstufen mehr Licht in die Kamera lassen würde. Diese vier Stufen muss ich nun natürlich bei der Zeit wieder wegnehmen, also kürzer belichten. Jede Blendenstufe bedeutet doppelt bzw. halb so viel Licht, was sich bei der Zeit deutlich einfacher rechnen lässt. Zählen wir mal durch:

1∕100 – 1∕200 – 1/400 – 1∕800 – 1∕1600

Ganz einfache Sache also: f∕16 bei 1∕100 lässt genauso viel Licht in die Kamera wie f∕4 bei 1∕1600. Nur blöd, dass die Primar Reflex nicht kürzer als 1∕1000 kann – und nun?

Primar Reflex Belichtungszeit

Kürzeste Belichtungszeit liegt bei 1∕1000 Sekunde

Egal smile Ist ja keine exakte Wissenschaft. Bei 1∕1000 kommt gerade mal eine halbe Blendenstufe mehr Licht in die Kamera als bei 1∕1600, so ungefähr jedenfalls – also was soll’s, das kann der Film ab – außerdem ist ja nicht mal gesagt, dass es wirklich genauso sonnig ist, wie beim Sunny 16 Konzept gedacht smile

Kommt dazu, dass meiner Erfahrung nach die Sunny 16 eher konservativ ist, die Bilder also eher einen Hang zur Unterbelichtung haben. Ich persönlich mag Bilder gerne, die einen Tick in die Überbelichtung gehen. Ich habe also, vor allem beim S/W-Film, keine Bedenken, beim Zählen einfach mal eine Blende mehr Licht zu wählen.

Probiert es mit Eurer digitalen Kamera einfach aus. Stellt die Kamera auf M, deaktiviert Auto-ISO wenn die Kamera das hat, ignoriert die Belichtungsanzeige und schätzt! Stellt z. B. mal ISO 200 und eine Belichtungszeit von 1∕200 ein und wählt die Blende abhängig vom Wetter. Knalle Sonne, dann f∕16 sonst eben etwas weiter auf. Macht ein Bild. Nun verstellt Ihr die Blende und korrigiert die Zeit – ohne auf den Belichtungsmesser zu schauen, einfach nur zählen.

Primar Reflex Blende 3.5

Blende f∕3.5

Das macht Spaß, man lernt eine Menge und vor allem lernt man zu sehen, die Menge an Licht einzuschätzen. Wenn Ihr das einigermaßen beherrscht, werdet Ihr zukünftig schnell die richtige Belichtung finden, wenn Ihr in eine Kirche geht oder aus einem Besprechungsraum kommt und raus geht, etc. Ein Gefühl für das Licht hilft, um instinktiv einen passenden ISO-Wert zu wählen und die Belichtung wenigstens im Blick zu haben.

Für analoge Fotografie, vor allem im Vintage-Bereich, extrem hilfreich, bei der digitalen Fotografie schauen jetzt sicher verwirrte oder verachtende Blicke auf diesen Beitrag wink Aber wer hat nicht schon mal bei ISO 3200 in der Sonne fotografiert, weil er vergaß den Wert nach der Kirche zurück zu stellen? Na? Wenn Ihr die Belichtung nach Gefühl manuell wählen könnt, dann erkennt Ihr dieses Versäumnis beim ersten Blick auf die Anzeige des Belichtungsmessers. Das kann echt hilfreich sein und Shootings retten smile

 

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Erst als ich vor ein paar Monaten auch mit ein paar analogen Experimenten angefangen habe (allerdings 35mm), kam mir das ganze Thema mit Belichtungsmessung und Sunny 16 unter.

    Ich habe dennoch einen kleinen externen Belichtungsmesser gekauft, weil ich einfach mal sehen wollte, wie das mit der Umgebungslichtmessung funktioniert (im Gegensatz zu dem, was die Digicam durch das Objektiv misst), und gerade in komplexeren Lichtsituationen (ein bisschen in Richtung „weiße Katze im Schnee“) ist das schon ganz gut.

    Die analoge Kamera (eine Ricoh Singlex TLS) hat zwar einen kleinen Zeiger im Sucher, der ist aber relativ ungenau, und ich vertraue da lieber dem externen Belichtungsmesser – oder aber einer groben „wird schon passen“-Abschätzung. Zusammen mit dem aufgeschnappten Halbwissen, dass man Film lieber mal ein bisschen (bei SW-Film auch bisschen mehr) überbelichten sollte, als unterbelichten, hat das eigentlich wirklich gut funktioniert – wobei ich nicht weiß, wie viel das Labor beim Scannen noch korrigiert hat.

    Was ich bisher aber noch nicht verstanden habe (vielleicht sind Analog-Print-Experten da?): Film verzeiht einiges an Belichtungsfehlern. 1-2 Blenden daneben sind nicht schlimm – weil Negativfilm einen relativ großen Dynamikumfang hat (größer als das Papier, auf dem entwickelt wird, oder auch als das JPEG, in das gescannt wird). Das heißt doch, dass das Bild bei 2 Blenden Überbelichtung tatsächlich heller (also dunkler) auf dem Negativ ist, aber dank dem größeren Umfang einfach beim Ausbelichten ein bisschen dunkler aufs Papier belichtet wird und trotzdem keine Lichter ausfressen. Beim “modernen” Ausbelichten (=Minilab) oder Scannen verstehe ich ja wie das geht – aber wie wurde “früher”, z.B. in der Drogerie, in der man seine Farbfilme abgeben konnte, bestimmt, wie hell so ein Bild entwickelt wird?

    Antworten

    • Zu den analogen Papierabzügen mag mein Wissensstand schon etwas älter sein, ich erinnere noch folgendes:
      Ganz früher, die ersten automatischen Labore, hatten das erste Bild gemessen und danach die Belichtung justiert für alle (bis zu 36) Bilder. Da gab es tatsächlich ggf. drastische Ausreißer je nach Belichtung.

      Später wurden die Geräte schlauer und haben jedes Bild neu gemessen bevor belichtet wurde. Das führte dann dazu, dass man analog kaum wirklich experimentieren konnte, weil das Labor einfach alles (oder eben vieles) „korrigiert“ hatte.

      Korrigiert meint dabei „mittleres grau“. Also quasi Bild auf Papier so belichten, dass im Schnitt 18% Grau dabei heraus kommt. Die Drogerie hat ja nicht selbst entwickelt sondern nur ans Labor geschickt und dort standen eben die großen Automaten.

      Die Stundenlabore haben, soweit ich mich erinnere, auch jedes Bild individuell gemessen. Mag aber unterschiedliche Geräte und Einstellungen gegeben haben, das weiß ich nicht. Mein lokaler Fotohändler hatte so ein Stundenlabor und sagte mir mal, dass er sich dachte, es sollte wohl ein schwarzer Nachthimmel mit Sternen sein – Die Bilder waren aber überbelichtet (neutral grauer Himmel :)) – so dass er die Belichtung individuell angepasst hatte. Sprich: Wenn sich der Bediener Mühe gab, waren es sehr gute Ergebnisse (außer man wollte etwas experimentieren ;)). Und man konnte natürlich auch sagen, dass nix korrigiert werden sollte.

      Naja und in der eigenen Dunkelkammer hatte man eh komplett freie Hand :)

      Antworten

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