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Bau Dir doch mal ’ne Kamera

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Letztes Jahr hatte ich endlich mal die Zeit und die Ruhe gefunden, ein kleines Projekt in die Tat umzusetzen. Uwe, ein Happyshooting-Hörer, hatte mir etwas geschickt, dass Kindheitserinnerungen in mir weckte. Eine analoge Kamera. Aus Plastik. Zum selber Bauen. smile Uwe, an dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön für diesen Spaß.

Als ich die Verpackung öffnete, gingen meine Augen erst einmal weit auf. Wow, das sind doch ganz schön viele Teile. Die Zeichnung auf der Anleitung zeigt den fertigen Lichtfänger – eine doppeläugige Schachtsucher-Kamera. Na, wer es nicht versucht, hat schon versagt ohne angefangen zu haben und aufgeben kam ohnehin nicht in Frage. Mein kindliches Gemüt gewann Oberhand, ich machte den Tisch frei und mich über die Anleitung her. Sieht ja alles ganz verständlich aus… also das kommt hier hin, das dort hin, das da drauf…

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Viel Werkzeug brauchte ich nicht. Schraubendreher in verschiedenen Größen, sei es um Schrauben zu drehen oder kleine Teile an den richtigen Ort zu bewegen oder dort zu halten. Man sollte schon etwas Ruhe mitbringen.

Die Einzelschritte der Anleitung fand ich sehr fein abgestuft. Trotzdem musste ich streckenweise sehr genau hinsehen um sicherzustellen, dass ich immer das richtige Seitenteil bearbeitete.

Im Grunde ist so eine Kamera nämlich ’ne große schwarze Raum mit zwei Löchern – durch das eine kommt das Licht rein und durch das andere auch smile

Man nehme zwei Seitenteile, eine Rückwand, eine Bodenplatte, die vordere Platte mit den Öffnungen für die Objektive und oben drauf die Halterung für die Mattscheibe. Innen ziehen wir noch einen Winkel mit Spiegel ein und stellen dem geneigten Bastler noch eine lustige Aufgabe in form einer Feder und einem Plastik-Verschluss.

Der Verschluss

Der Verschluss. Oh man, an dem habe ich einige Minuten geknobelt. Im Grunde ist da in der Frontplatte ein Loch, das auf der Innenseite mit einem länglichen Schieber verschlossen wird. Schiebt man diesen zur Seite, kommt Licht rein um den Film zu belichten. Damit man den nun nicht manuell auf und zu schieben muss, das muss nämlich sehr schnell gehen, wird eine Feder verwendet, genauer: Zwei Federn. Mit einem Hebel kann man den Verschluss von außen von dem Loch weg bewegen. Der Verschluss hängt dabei an einer Feder die so gespannt wird. Der Hebel gibt am Ende der Bewegung den Verschluss wieder frei und so kann die eine Feder diesen wieder zurück schnappen lassen. Und nun? Jetzt ist der Auslöser unten – der muss aber auch wieder gespannt werden – dafür ist die zweite Feder.

Die Herausforderung war es zu verstehen, wie diese zweite Feder im Gehäuse eingesetzt werden musste. Es lässt sich in Worten schwer beschreiben und ich hatte keine dritte und vierte Hand um das fotografisch zu dokumentieren smile Solltet Ihr Euch auch so eine Kamera zusammen bauen und an dieser Stelle hängen: Die Feder muss vorgespannt werden. Das eine Ende wird an den Auslöser gehängt, die Feder wird auf den kleinen Pin gelegt und das andere Ende muss jetzt gezogen / gespannt werden um es hinter die Halterung am Gehäuse zu klemmen. Das war etwas fummelig und einmal flog die Feder vom Tisch wink Aber dieses Gefühl, wenn man es dann kapiert und geschafft hat – unbeschreiblich bigsmile

Ich hoffe, ich hatte das jetzt noch einigermaßen richtig in Erinnerung

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Im Bild links zu sehen: Der einfache Verschluss noch ohne den Auslöser-Hebel. Die kleine Feder lässt den Verschluss zurück schnappen. Ein tolles Gefühl in dieser Bastelphase, endlich etwas mechanisches das sogar funktioniert.

In der Mitte eine Phase kurz vor dem Ziel. Drei Seiten sind zusammen gesetzt. Oben kommt dann noch die Platte mit Spiegel rein – das war auch etwas fummelig. Ich empfehle diese schon mit einzusetzen, bevor Ihr die drei Seiten fest zusammen schraubt.

Rechts ist die fertige Kamera und ein Blick auf die Mattscheibe zu sehen.

In die Kamera kommt ein ein normaler 35mm Film, entsprechende Spulen sind vorhanden und das Einlegen war recht einfach. Es gibt allerdings keinen Bildzähler, nur ein kleines Rädchen mit Pfeil um zu sehen, wie weit man gespult hat. Zweimal rum und man kann das nächste Bild schießen. Mehrfachbelichtungen oder andere kreative Experimente in Form von Endlosbildern sind so natürlich recht einfach machbar – oder passieren einfach, denn Belichtung und Spulen sind getrennte Arbeitsschritte.

Objektiv

Als Doppeläugige hat sie gleich zwei Objektive, eines um den Film zu belichten und eines um ein Bild auf die Mattscheibe zu projizieren. Wir reden hier von einem 35mm Format und einer Brennweite von irgendwas um die 50mm. Die feste Blende ist groß genug, dass Scharfstellen notwendig ist. Dabei muss natürlich die Schärfe im Sucher und auf dem Film identisch sein.

Naja, so präzise ist das mit so einer Kamera nicht machbar also wird zu Tricks gegriffen. Die einfachen Plastik-Optiken sitzen in je einem Rohr, die wiederum mit einem Gewinde ins Gehäuse gedreht werden. Auf diese Weise kann man den Abstand der Linse zur Filmebene verändern und fokussieren. Das Rohr hat vorne einen Zahnkranz der in den Zahnkranz vom zweiten Objektiv greift. Wird also eine Optik gedreht, dreht sich die zweite mit, die Gewinde sind gegenläufig. Man könnte so sogar die beiden Optiken gegeneinander justieren – Es ist nur aufwendig, weil man erst ein Bild entwickeln müsste um den Fokus zu ermitteln und um dann zu probieren, ob es besser wird, wenn man das Film-Objektiv gegen das Sucherobjektiv ein paar Zähne versetzt…

…Ist aber auch nicht wirklich nötig. Die Blende für die Film-Optik ist deutlich kleiner als die für den Sucher. Der Sucher ist so zwar schön hell, das tolle Spiel mit der Schärfentiefe, dass man hier sehen kann, bringt man aber nicht auf den Film.

Aber hey, das ist eine Plastik-Kamera, Yps-Extrem sozusagen. Wer mag, kann sich die Blende der Film-Optik einfach größer drehen wink

Neuer Blick

Interessant ist, dass man mit so einer Kamera einen neuen Blick bekommt. Das Bild auf der Mattscheibe ist Seitenverkehrt, die Kamera hält man vor seinen Bauch und schaut nach unten. Gar nicht so einfach das Bild gerade zu bekommen, weil man Anfangs immer in die falsche Richtung kippt smile

Es ist aber streckenweise echt ein wahrer Augenöffner. Man nimmt seine Motive ganz anders wahr. Und das ist nur eine billige Plastik-Kamera, wie cool muss das mit einer schmucken Rolleiflex sein? smile

Mir war jedenfalls sofort klar, warum bei diesen Doppeläugigen ein quadratisches Bildformat oft anzutreffen war. Die Somikon erzeugt 35mm Bilder im Hochformat. Versucht mal mit so einer Kamera im Querformat zu arbeiten – klar, geht, Kamera zur Seite drehen und dann nach links oder rechts fotografieren aber schön ist anders wink

Aussichten

Ich wollte mir in einem Geschäft vor Ort einfach einen Schwarz-Weiß-Film kaufen um die Kamera mal auszuprobieren. Warum Schwarz-Weiß? Weiß ich auch nicht, vielleicht so ein wenn schon – denn schon Ding. Allerdings gab es keinen, bzw. nur einen Pseudo-Schwarz-Film, der im normalen C41-Farbprozess entwickelt werden kann. Egal. Mitgenommen, eingelegt und bei einem Ausflug nach Hamburg ausprobiert.

Doch davon soll in einem weiteren Beitrag berichtet werden.

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Hi Boris,

    sehr schöner Blogeintrag ;)
    An den Verschluss erinnere ich mich auch noch gut da hab ich auch erst herumgerätselt wie es denn zusammen gehört :)

    LG
    Uwe

    Antworten

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