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Adaptiert – 35mm f/1.7 – Bokeh fährt Karussell

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Schaut man sich verschiedene Kamera-Systeme genauer an, stellt man fest, dass der Abstand zwischen Sensor und Objektiv-Bajonett unterschiedlich ist. Das ist das Auflagenmaß. Spannend ist nun, dass man Objektive, die für ein großes Auflagenmaß konstruiert sind an Kameras mit geringerem Auflagenmaß adaptieren kann – man benötigt ja nur einen Abstandshalter, den Adapter.

Das microFourThirds-System hat ein relativ geringes Auflagenmaß, weshalb man sehr viele Objektive mit entsprechenden, oft sehr günstigen Adaptern an diese Kameras bekommt. Diese adaptierten Objektive sind dann natürlich nur manuell zu verwenden, daher sollte man darauf achten, dass die Objektive einen Blendenring haben, ansonsten ist man auf eine feste Blende limitiert.

Ich hatte nun Lust auf Experimente und suchte neugierig im Internet. Wie günstig könnte ich an ein Objektiv mit möglichst großer Offenblende kommen? Ich stieß auf Objektive mit dem C-Mount im Bereich der CCTV-Kameras und fand ein Fujian 35mm Objektiv, Blende f∕1.7 für um die 30 Euro. smile Das musste ich einfach bestellen. Ein günstiges MFT-Objektiv in vergleichbarem Brennweitenbereich, ein Jackar 34∕1.8 liegt bei mindestens 170 Euro, ähnliche Preise werden für alte Canon FD-Objektive wie das 35∕2.0 fällig und für ein 25∕1.8 von Olympus legt man fast 400 Euro auf den Tisch. Ein SLR-Magic Cine II 35∕1.4 kommt gar auf fast 600 Euro. Es war also klar, dass ich für 30 Euro nicht dieselbe Leistung erwarten könnte.

Wie schlägt sich nun dieses Billig-Objektiv? Ich sag mal so – Irgendwie ist es schon geil bigsmile

Winzig

Bestellt habe ich es bei eBay – sucht einfach nach CCTV 35mm 1.7 m43 – wo es diverse Angebote von unter 30 Euro bis über 50 Euro gibt. Ich wartete einige Tage und dann war es da, inklusive MFT-Adapter und zwei kleinen Zwischenringen für Makroaufnahmen.

Alter Falter, MFT-Objektive haben ja schon den Ruf klein und leicht zu sein aber diese winzige 35mm Röhre ist so klein, dass sie vermutlich in ein Überraschungsei passen könnte smile Ich konnte es jedenfalls bequem in der Hosentasche transportieren.

Das Fujian 35mm f/1.7 im Größenvergleich mit dem Olympus 12-40/2.8

Das Fujian 35mm f∕1.7 im Größenvergleich mit dem Olympus 12-40∕2.8

Das Objektiv hat ein Schraubgewinde mit dem es in den Adapter gedreht wird. Der Adapter wird dann an die MFT-Kamera gesteckt, wie mit ein ganz normales Objektiv. Kleiner Haken: Egal wie ich das Objektiv auf dem Adapter ansetze, wenn es fest geschraubt ist, befindet sich die Beschriftung für die Blendenskala auf der Unterseite und ist somit nicht wirklich ablesbar. Ist aber auch egal, weil man mit diesem Ding ohnehin mehr nach Gefühl als nach festen Tabellen arbeitet wink

Der Fokusring ist breit und hat einen satten Widerstand, lässt sich dabei aber kratzfrei und weich bewegen. Der schmalere Blendenring, der nicht vorne sondern hinten am Objektiv sitzt, lässt sich stufenlos und ebenfalls sehr weich drehen. Richtig, stufenlos! Die Blende rastet nicht auf Drittel oder ganze Stufen ein. Damit lässt sich die Blende nicht gezielt einstellen. Für Video ist das bestimmt sehr praktisch, für gezieltes Fotografieren ist es eher hinderlich – aber ich sagte ja schon, mit diesem Objektiv könnt Ihr technisches Herangehen ohnehin vergessen, es geht mehr ums Gefühl smile

Lustig auch: Die Blende lässt sich  nahezu komplett schließen. Bei Videos kann man also manuell aus- und einblenden.

Der Widerstand für den Fokus und die Blende ist allerdings so hoch, dass man das Objektiv schon wirklich fest in den Adapter drehen muss, ansonsten dreht man leicht das Objektiv lose wenn man fokussieren oder die Blende schließen möchte. Vielleicht traue ich mich auch einfach nicht, das Objektiv so richtig knackefest einzuschrauben weil ich Angst habe, dass ich es nicht mehr los geschraubt bekomme – was an sich nicht schlimm wäre, allerdings lässt es sich dann nicht mehr so bequem transportieren wink

Bokeh Karussell

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Soweit zu den Äußerlichkeiten, kommen wir zu den inneren Werten. Wie sehen die Fotos aus? Abgefahren, enttäuschend, Hammer, unscharf, nein – weich, verträumt, meh, boah, schwindelig … So in etwa. Auf keinen Fall aber präzise, reproduzierbar, planbar, perfekt, knackig, ruhig. wink

Den ersten Test machte ich bei einem kleinen Shooting mit Mary K. im botanischen Garten. Wir sahen uns die ersten Bilder auf der Kamera an und staunten über das völlig abgedrehte Bokeh, dass sich wie ein Karussell zu drehen schien. Allerdings nicht immer, es hing sehr von den Entfernungen und dem Schärfepunkt ab.

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Schärfepunkt – Schärfe? Ist auch irgendwie eine Frage der Definition smile Superknackige Bilder könnt Ihr kaum erwarten – obwohl: Dort, wo der Fokus getroffen hat, sind sogar feine Hautstrukturen und Poren zu erkennen. Den Fokus allerdings so genau zu treffen ist mehr eine Glückssache, trotz aktiviertem Fokus-Peaking in der Kamera. Bei Blende f∕1.7 ist der Bereich der Schärfentiefe schon recht gering, bewege ich mich als Fotograf oder das Model nur minimal, war es das schon wieder.

Volltreffer – Erstaunlich gute Schärfe, wenn man ein wenig abblendet und den Punkt trifft

Volltreffer – Erstaunlich gute Schärfe, wenn man ein wenig abblendet und den Punkt trifft

Was man bei Offenblende erwarten kann. Am Schärfepunkt durchaus etwas, was man Schärfe nennen könnte, der Rest ist… interessant

Was man bei Offenblende erwarten kann. Am Schärfepunkt durchaus etwas, was man Schärfe nennen könnte, der Rest ist… interessant

Die Schärfe geht auch niemals über das ganze Bild. Fokussiert man auf eine ebene Fläche, so ist der schärfste Bereich in der Bildmitte, ein relativ enger Bereich. Ändert man dann den Fokus so kann man am Fokus-Peaking erkennen, dass der Schärfebereich ringförmig nach außen wandert, ähnlich wie eine Welle in einem See wenn man einen Stein hinein geworfen hat. Auf diesem Ring ist es dann zwar etwas schärfer als daneben, aber niemals so scharf wie in der Bildmitte wenn dort sauber scharf gestellt wurde. Sprich: Soll das Motiv außerhalb der Bildmitte platziert werden, wird es niemals wirklich knackig sein.

Runder Schärfeverlauf sorgt für kuriose Ergebnisse

Runder Schärfeverlauf sorgt für kuriose Ergebnisse

Und auch in der Bildmitte reden wir bei f∕1.7 eher von einer einer verträumten Schärfe, wie mit einem eingebauten Romantik-Weichzeichner bigsmile

Ich kann nur vermuten, dass es am kuriosen, ringförmigen Schärfeverlauf liegt, dass Strukturen im Hintergrund, in einem bestimmten Entfernungsbereich wie in einem Wirbel abgebildet werden. Dieses Bokeh macht einen schwindelig, sieht aber auch irgendwie geil aus – naja, wenn man so etwas mag. Ich glaube nicht, dass man so etwas bei jeder Gelegenheit haben möchte aber es hat schon etwas und es werden sich Möglichkeiten auftun wo ich genau diese Stimmung haben möchte oder wo mir der Look einfach gefällt.

Es ist also klar, dass dieses Objektiv nicht für tolle Produktfotos taugt. Für etwas andere Portraits oder Natur funktioniert es ganz gut, vor allem wenn man den Vintage-Look mag

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nah – näher – noch näher

Kurz zurück zur Technik. Die Naheinstellgrenze liegt bei irgendwo um 33 bis 34 cm. Das ist schon ganz ordentlich.

Naheinstellgrenze ohne Zwischenring

Im Lieferumfang waren auch zwei Zwischenringe mit denen dieser Abstand reduziert werden kann, natürlich auf Kosten der Unendlich-Einstellung. Wie nah kommt man nun ran?

Mit einem Ring komme ich auf ca. 22 cm

Naheinstellgrenze mit einem Zwischenring

Naheinstellgrenze mit einem Zwischenring

mit beiden Ringen auf ca. 18 cm

Naheinstellgrenze mit beiden Zwischenringen

Naheinstellgrenze mit beiden Zwischenringen

Ist das nun ein Ersatz für ein Makro? Nicht so ganz. Mit dem Makro erreicht man einen Abbildungsmaßstab von 1:1 – bedeutet, vom Zollstock wären beim MFT-Format nur 17,3 cm zu sehen. Dennoch kommt man schön nah ran und der Hintergrund wird sehr schnell sehr cremig.

Für ein paar Detailaufnahmen ist das auf jeden Fall zu gebrauchen.

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Nicht wackeln

Bei diesen Aufnahmen war der eingebaute Bildstabilisator der OM-D E-M1 ein großer Vorteil. Jedes adaptierte Objektiv kann stabilisiert werden weil es der Sensor in der Kamera ist, der das Wackeln und Zittern ausgleicht. Allerdings muss man die angesetzte Brennweite manuell einstellen. Dafür hat die Olympus einen speziellen Menüpunkt mit einer langen Liste von Brennweiten. Diese Liste ist auch über den Sucher oder das Schnellmenü auf dem Display zu erreichen.

Dieser eingebaute Stabilisator war für mich ein kaufentscheidender Punkt und ich freue mich, dass meine Erwartungen voll erfüllt wurden smile

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Ich werde dieses Objektiv sicher häufiger mal mitnehmen, es passt eigentlich immer noch irgendwo in die Fototasche oder eben in die Jackentasche.

Benutzt Ihr auch alte, manuelle Objektive oder Kuriositäten an Eurer digitalen Kamera? Ich bin gespannt auf Eure Berichte smile

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14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich adaptiere extrem gerne alte Objektive. Früher an die Sony Nex C3 und nun an die Leica M9. Ich schätze hier besonders mein Elmar (II) f= 9 cm 1:4. Es wurde von 1933-1953 gebaut und kostet zwischen 60 und 150 EUR. Es ist ein wunderbares Portraitobjektiv auf der Vollformatkamera mit sympathischen Fehlern. Hier gibt es Beispielbilder: http://blog.spalluto.de/2014/03/objektiv-ballett/
    Deutsche oder russische Schraubleicaobjektive (M39 oder LTM) sind ab 10 EUR zu haben!
    Gruß, Marco

    Antworten

    • Ich dachte eben – hä? 9? 9mm? Neee – 9cm steht da ja :D Ja cool. 90mm am mFT dürfte für Portraits etwas arg lang sein aber wer weiß, einfach mal spielen :) Danke.

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  2. Ich verwende an der Sony A7 diverse M42-Objektive, z.B. das Weltblick 55mm f/1.7 und das Vivitar 28mm f/2.8.

    Vor allem bei ersterem habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht, inkl. Karussell-Bokeh! Bei Offenblende und Gegenlicht kommen alle denkbaren Arten von Reflexionen dazu, was manchmal aber als Effekt wirklich cool ist.

    In vielen Fällen sind solche Objektive aber erstaunlich scharf, hier z.B. das Vivitar 28mm bei f/4:

    https://farm8.staticflickr.com/7458/16241153238_c1688edc80_o.jpg

    Noch mehr Beispiele:

    https://www.flickr.com/search/?user_id=nicokaiser&tags=m42&sort=date-posted-desc

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  3. Moin Boris,

    als Oly Besitzer solltest du unbedingt mal eins der alten Olympus Objektive testen!
    Es gibt z.B. welche für die Halbformat „PEN“ Spiegelreflex Kameras, danach setzte sich das „OM Bajonett“ durch (anders Auflagemaß beachten).
    Erstere sind für MFT super interessant, das sie für Halbformat gerechnet und daher deutlich kleiner und leichter sind.
    Von der Haptik als auch von der Optik her eine Empfehlung..

    Mit einer Halbformat „PEN F“ habe als Kind erste Foto Erfahrungen machen dürfen. Die steht heute noch in meinem Regal und das schnucklig kleine und leichte Zuiko 38 mm f1.8 werkelt fünf-Achsen-stabilisiert an meiner Oly EM-1 :-). Die Mechanik ist ein Traum und die Optik liefert selbst offenblendig ein gute Schärfe in der Bildmitte und hat dann ein „markantes“ Bokeh.

    Schau doch mal hier …
    http://olypedia.de/F_Zuiko_Auto-S_1,8/38
    http://www.dpreview.com/forums/thread/3562053
    http://www.myfavouritelens.com/f-zuiko-38mm-f1-8-lens-review/
    http://www.digicamclub.de/showthread.php?t=18901

    Das Olympus OM 50 mm Makro f 3.5 hatte ich auch kurz.
    Schärfetechnisch lag es jedoch nicht wie erwartet weit vor meinem 38er Zuiko und Blende f 3.5 lieferte nicht gerade das spannendste Bokeh ;-).

    Gruß aus dem Norden!
    Arne

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  4. Boris, danke für den Tipp. Ich hab bisher zwei Voigtländer (ein 15mm, ein 24mm) für meine Fuji X-Pro1. Nun hab ich mir das Teil inkl. X-Mount Adapter für rund 24,- Euro auf eBay gekauft. (Der Adapter alleine kostet beim Sponsor fast das Gleiche).

    Ich bin schon gespannt, wie es funktioniert und werde dann berichten.

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  5. Ich habe Pentacon6-Objektive an meiner PEN E-PL5 ausprobiert…: Wahnsinn.
    Man ist immer im Sweetspot, die manuelle Blende zeigt ihre Wirkung sofort im Display, und die aus heutiger SIcht schlechte Vergütung führt zu träumerischen Flares.
    Mit dem Balgenauszug, den ich dazu habe, sind irre Abbildungsmaßstäbe zu erreichen, allerdings bei genauso irren Belichtungszeiten und nur vom Stativ. Macht Spaß!!

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  6. Hallo Boris,
    Danke für Deinen Bericht. Ich habe mir das Ding bestellt und einen Link zu Deinem Bericht auf meinem Blog gepostet. (Ich hoffe es ist Dir recht, ansonsten Bescheid geben, dann wird gelöscht).
    Viele Grüße
    Rolf

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  7. Hallo Boris,
    ich habe mir das Objektiv ebenfalls zugelegt und stehe damit gerade vor einem Problem:
    sobald ich den Adapter an meine E-M1 setze und festdrehe, setzt der „Bildteil“ der Kamera komplett aus. Kein Liveview, kein Einstellen der Belichtungszeit. Einfach ein Schwarzes Bild. Auslösen klappt auch nicht.
    Sobald ich den Adapter samt Objektiv löse und nur vor die Kamera halte, funktioniert alles wie erwartet.
    Kennst du das Problem? Habe ich irgendeine Einstellung übersehen?
    Ich habe den Verdacht, dass der Metalladapter die Kontakte am Bajonett so schließt, dass die Kamera einfach aussteigt…

    Für Tipps wäre ich sehr dankbar!

    Antworten

    • Das Problem kenne ich nicht. Mein Verdacht geht aber in dieselbe Richtung wie Deiner: Vermutlich ein Problem mit dem Adapter. Ich muss nichts besonderes einstellen. Objektiv dran und los.

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      • Nach langem Testen habe ich das Problem gefunden.
        Der kleine Rastbolzen am Kamerabajonett!
        Wenn dieser beim Objektivwechsel eingedrückt wird, sperrt sie dich Kammer, wie oben beschrieben. Erst wenn er zu 100% in der Ausgangsposition ist, gibt er das Belichtungssystem wieder frei.
        Nun fehlten an der Aussparung meines Adapters wohl ein bis zwei 1/10mm. Eine Feile löst das Problem dann relativ schnell und einfach.
        Da muss man erst mal drauf kommen….

        Nun kann ich ungestört Experimentieren ;)

        Antworten

  8. Pingback: Ausprobiert – 6fach-Zoom mit C-Mount | Ansichten

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