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Abenteuer Analog – Erster Film aus der Bessa

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Eigentlich wollte ich auf die Lieferung der billigen Shanghai-Filme warten um die Voigtländer Bessa auszuprobieren, ich wusste ja nicht, ob sie Lichtdicht war oder ob der Verschluss noch korrekt funktionieren würde. Nun ergab es sich aber, dass ich zum Schloss Berlepsch fuhr und dachte mir: “Ach was soll’s, packste halt nen Tri-X rein” – und das tat ich dann auch.

Der Umgang mit dieser Kamera ist noch mal ein ganz anderes Erlebnis, die Negative sind noch mal einen zacken größer, es gibt konzeptionelle Vorteile aber auch Nachteile gegenüber der Primar Reflex II.

Hier mal meine ersten Erfahrungen

Filmtransport – Präzise Handarbeit

Bei der Primar Reflex II wird der Film transportiert wenn der Spiegel gespannt wird. Eine Mechanik bestimmt dabei, wie viele Umdrehungen die Spule macht und nur wenn der Film perfekt liegt, nicht zu locker ist und auch sonst nichts passiert, wird der Film wirklich um eine komplette Negativ-Länge transportiert. Kontrollieren oder gar korrigieren kann man dies nicht – das Ergebnis sind dann gerne Negative, die direkt aneinander hängen oder sich sogar ein Stück überlappen.

Dieses Problem hat man mit der Bessa nicht – es gibt keinen automatischen Filmtransport. Stattdessen muss man, am Besten direkt nach einer Aufnahme, den Film manuell weiter transportieren. Dafür gibt es unten rechts eine Spule mit ausklappbarem Griff. Ein rot getöntes Sichtfenster erlaubt den Blick auf die Bildnummern, die auf das Schutzpapier des Films aufgedruckt sind. Nun dreht man einfach so lange an der Spule, bis die nächste Bildnummer im Sichtfenster erscheint.

Rückseite der Bessa. Zwei Sichtfenster und eine Tabelle

Rückseite der Bessa. Zwei Sichtfenster und eine Tabelle

Das Ergebnis: Absolut perfekt getrennte Negative. Überlappungen sind nur möglich, wenn man dies ganz bewusst möchte. Man kann den Film aber nur in eine Richtung transportieren – hat man versehentlich zu weit gespult, kann man ihn nicht wieder auf die andere Seite ziehen.

Der Haken kann sein, dass durch das rote Sichtfenster zu viel Licht in die Kamera fällt. Wenn das Schutzpapier dann nicht 100%ig Lichtdicht ist, belichtet man den Aufdruck des Papiers von hinten auf den Film. Bei dem von mir verwendeten Kodak Tri-X 400 war dies nicht der Fall, das Papier war also offensichtlich wirklich Lichtdicht.

Es ist auch recht schwierig bis unmöglich bei wenig Licht etwas im Sichtfenster zu erkennen. Ohne Licht kann man den Film nicht zuverlässig transportieren. Ich werde mit der Zeit sicher lernen, wie viele Umdrehungen im Normalfall notwendig sind um das zu kompensieren smile

Doppelt hält besser

Ein ganz anderes Problem ist, dass man den Filmtransport schlicht mal vergessen kann, man kann jederzeit den Verschluss spannen und eine weitere Aufnahme machen ohne den Film bewegt zu haben. smile Das war mir schon bei der Sichtung der Kamera klar und ich fragte mich, wie lange es wohl dauern würde, bis ich versehentlich eine Doppelbelichtung erhielte. Ich war dann ganz stolz auf mich, dass ich bis zum letzten Bild immer an den Filmtransport gedacht hatte…

…dachte ich. Als ich die Negative sichtete war klar – schon bei der ersten Aufnahmen schuf ich eine Doppelbelichtung bigsmile

Schloss Berlepsch in unbeabsichtigter Doppelbelichtung

Schloss Berlepsch in unbeabsichtigter Doppelbelichtung

Schnappschusskamera

Die Bessa ist ganz klar eine Kamera für Schnappschüsse. So wurde sie damals auch beworben. Sie ist schnell einsatzbereit – aufklappen, Objektiv steht, fertig.

Es gibt aber keine Mattscheibe um sauber komponieren und fokussieren zu können. Naja, für den Bildausschnitt gibt es einen aufklappbaren Sucher auf der Kamera der bei meiner Version schon eine Optik hat. Trotzdem ist es eher ein Schätzen als ein präzises Komponieren. Bei meiner Doppelbelichtung oben sieht man, dass ich immerhin gar nicht so schlecht im Schätzen war – Es sollte zweimal derselbe Ausschnitt mit verschiedenen Einstellungen sein. Dafür, dass man wirklich nur grob zielt habe ich den Ausschnitt ganz gut reproduziert bekommen, finde ich, also rede ich mir jedenfalls ein bigsmile

Entfernung schätzen

Die ersten Versionen der Voigtländer Bessa hatten wohl nur drei einfach Einstellungen für die Entfernung, was dem Schnappschuss-Charakter der Kamera ganz klar näher kommt als die präzise Möglichkeit den Fokus bei meiner Version der Bessa einzustellen. Ich meine, die Schärfe ist schon mit Mattscheibe verhältnismäßig aufwendig sauber zu treffen, vor allem wenn man mit relativ großer Blende arbeiten möchte. Beim puren Schätzen mit der Bessa mus einem klar sein, dass es höchstens um scharf genug geht. smile Alternativ kann man natürlich ordentlich abblenden um die Schärfentiefe zu erhöhen wink

Pferde – Voigtländer Bessa mit Tri-X 400. Entfernung geschätzt / verschätzt

Pferde – Voigtländer Bessa mit Tri-X 400. Entfernung geschätzt / verschätzt

So richtig scharf sind die Pferde nicht – meine wenig vulkanische Fähigkeit der Schätzung von Entfernungen bedarf noch einer Kalibrierung und Optimierung smile

Woher der dunkle Schleier links im Bild kommt weiß ich auch nicht, der war nur auf dieser Aufnahme zu finden.

Ruhig halten – Und ein Kamera-Vergleich

Das gilt natürlich immer, immer wenn man mit längeren Belichtungszeiten arbeiten möchte. Die Bessa liefert mir allerdings auch bei 1∕10 Sekunde nur ein trockenes Klick, so dass ich versucht war, die Burg in der Abenddämmerung aus der Hand abzulichten

Berlepsch in der Abenddämmerung bei ca. 1∕10 Sekunde – hoffnungslos verwackelt

Berlepsch in der Abenddämmerung bei ca. 1∕10 Sekunde – hoffnungslos verwackelt

Mir war klar, dass ich beim Auslösen wohl etwas verrissen hatte also versuchte ich es gleich noch mal

Berlepsch in der Abenddämmerung mit der Voigtländer Bessa bei ca. 1∕10 Sekunde. Diesmal konzentriert ruhig gehalten

Berlepsch in der Abenddämmerung mit der Voigtländer Bessa bei ca. 1∕10 Sekunde. Diesmal konzentriert ruhig gehalten

Na, schon besser wink

Hier zum Vergleich eine Aufnahme mit der Primar Bessa II vom selben Standort zur selben Zeit

Schloss Berlepsch in der Abenddämmerung – Primar Bessa II auf Kodak Tri-X 400

Schloss Berlepsch in der Abenddämmerung – Primar Bessa II auf Kodak Tri-X 400

Die Komposition passt – diesen Ausschnitt wollte ich mit der Bessa eigentlich auch haben, habe aber offenbar zu hoch gehalten. Die Belichtungszeit war ähnlich, offenbar konnte ich die Primar ruhiger halten als die Bessa. Der seitliche Auslöser, der nach unten bewegt werden muss, macht das Handling eben doch wackeliger als der kleiner Auslöser der Primar Reflex, den man zu sich hin drückt.

Na und wenn ich da schon mal stehe, mache ich doch gleich eine digitale Aufnahme mit der Olympus OM-D E-M1 hinterher. Zum faireren Vergleich hier eine Schwarz-Weiß-Entwicklung vom selben Standort zur selben Zeit

Schloss Berlepsch in der Abenddämmerung – Vergleichsaufnahme mit E-M1 in Schwarz-Weiß entwickelt

Schloss Berlepsch in der Abenddämmerung – Vergleichsaufnahme mit E-M1 in Schwarz-Weiß entwickelt

Unvollkommene Euphorie

Ja, mit der Bessa muss man alles schätzen – Belichtung, Ausschnitt, Entfernung – ein erfahrungsorientiertes Glücksspiel smile Mit der Primar Reflex und erst Recht mit einer digitalen ist alles präziser, dafür ist aber auch die Überraschung geringer. Echte Euphorie kommt bei der Bessa auf, wenn man feststellt, dass die Schätzungen gut genug waren.

Ich werde sie sicher mit einem weiteren Film bestücken smile

 

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