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Abenteuer Analog – Der dritte Film hat funktioniert

Kodak Tri-X 400 - Pferde

Zwei Pferde auf der Weide.

Ich bin ja in letzter Zeit ziemlich angetan von einer voll mechanischen Mittelformatkamera, der Primar Reflex, die ich inzwischen auch offiziell erworben habe – Die Testphase ist vorbei.

Ich war zunächst unentschlossen – auf der einen Seite ist es einfach eine tolle Kamera und die Tatsache, dass sie komplett ohne Batterien funktioniert macht schon Spaß, auf der anderen Seite waren die ersten beiden Filme eher enttäuschend, die Negative überlagerten sich, der Filmtransport schien nicht richtig zu funktionieren. Für etwas Analog-Spaß hätte es sicher gereicht, für ernsthaftere Einsätze käme sie aber nicht in Frage und die Ablage der Negative gestaltet sich eher schwierig – Entweder als komplette Rolle oder doch flach mit zerschnittenen Fotos.

Das änderte sich mit dem dritten Film und meine Entscheidung stand sofort fest: Behalten! smile

Überlappungen – Ursachenforschung

Nach dem zweiten Film schaute ich mir die Kamera etwas genauer an und stellte fest, dass es mechanisch kein Problem sein sollte den Film korrekt zu transportieren. Es gab nämlich keine Gummiwalzen oder ähnliche Übersetzungen um die Drehung am Filmtransport-Rad auf die Filmrolle zu übertragen. Die Mechanik war viel simpler – Die Achse vom Rad geht direkt durch das Kameragehäuse und hat am anderen Ende die vorstehenden Nasen, die dann direkt in die eingelegte Filmrolle greifen. Keine Zahnräder, keine Rollen, es wird ganz einfach direkt die Filmrolle gedreht um den Film zu ziehen und aufzurollen.

Natürlich war irgendwo in der Kamera eine weitere Mechanik, die diesen Transport automatisch stoppte, damit man den Film genau ein Bild weiter transportierte. Nun könnte man spekulieren, dass diese Stopp-Mechanik nicht passen könnte, vielleicht ein Zahn eines Zahnrades ausgeschlagen oder ähnliches – dann müssten die Überlappungen aber konstant sein und das waren sie nicht. Ich schloss das daher als Ursache aus.

Übrig blieb nur der Film selbst.

Wird ein Film eingespannt, muss die Filmlasche in die Spule gesteckt und diese dann gedreht werden. Die Lasche klemmt sich unter dem folgenden Film fest und kann so nicht mehr heraus rutschen. Nun wird der Film von der Filmrolle, der Geberrolle, abgespult und auf die Nehmerrolle aufgewickelt.

Ich vermutete nun, dass die ersten beiden Filme nicht stramm genug eingelegt wurden. Wenn der Film zu locker eingespannt und aufgewickelt wurde, würde die Drehung der Nehmerrolle neben dem Filmtransport auch den bereits aufgewickelten Film stramm ziehen. Solange der Film stramm gezogen wird, kann er nicht transportiert werden. Ergebnis: Überlappende Negative.

Das ist zumindest meine Theorie. So ganz verstehe ich zwar nicht, wie über so viele Aufnahmen diese Überlappungen zustande kommen können um dann, zur letzten Aufnahme hin plötzlich auszubleiben, eine andere Lösung fällt mir aber nicht ein.

Film-Einlege-Mantra-Optimierungen

Beim dritten Film achtete ich daher sehr penibel darauf, dass er wirklich eng angelegt und stramm auf die neue Rolle aufgewickelt wurde. Ich spannte den Film außerhalb der Kamera in die Halterung ein, wickelte ihn aber per Hand nur gerade so weit auf, dass die Lasche so eben nicht mehr herausrutschen konnte. Dann legte ich die Halterung in die Kamera und zog den Film mit dem Drehrad an der Kamera langsam weiter, während ich mit dem Finger die Geberrolle etwas bremste. Als ich den Klebestreifen gerade so sehen konnte, mit dem der Film am Papier befestigt war, schloss ich die Kamera, drehte das Zählwerk zurück und spulte vor bis zum Anschlag – Bild 0.

Erfolg

Kodak Tri-X 400 - Pferde

Pferd, Weide und ein Lichtreflex in der Kamera

Ich führte die Kamera aus, es war ein toller Tag und die 12 Bilder waren schnell belichtet. Ich konnte es kaum erwarten den Film zu entwickeln – würden sich die Negative wieder überlappen oder hatte es dieses Mal gepasst?

Was soll ich sagen, es hatte funktioniert smile

Sehr regelmäßige Abstände zwischen den Aufnahmen, genau wie es sein sollte. Geil! smile

Kodak Tri-X 400 - Negative

Charakter

Was mir allerdings bei der Digitalisierung aufgefallen ist: Offenbar hat die Kamera irgendwo ein Licht-Leck. Auf vielen Aufnahmen sind am unteren Bildrand helle Fleckenmuster zu erkennen.

Kodak Tri-X 400 - Feldweg

Zunächst glaubte ich an einen Fehler beim Abfotografieren der Negative, vielleicht eine Reflexion eines Fensters auf der Oberfläche des Films? Also stellte ich meinen DIY-Leuchtkasten an einen schattigeren Platz und fotografierte die Negative noch einmal ab, keine Besserung. Nun konnte ich auch auf den Negativen die Flecken, hier natürlich schwarz und daher etwas unauffälliger, erkennen und nun fielen sie mir auch bei einigen Aufnahmen vom ersten und zweiten Film auf.

Vielleicht probiere ich irgendwann mal aus, durch welchen Spalt das Licht in die Kamera fällt. Bis dahin lebe ich mit diesen Mustern und deklariere sie als Charakter der Kamera bigsmile

Technisches hinter den Kulissen

Übrigens habe ich auch diesen Film mit dem alten Entwickler-Ansatz entwickelt. Wie beim zweiten Film beschrieben habe ich den Mix aufgefrischt und den Fixierer-Mix genutzt wie er war. Das hatte einwandfrei funktioniert. Das ist sparsam und kann gerne so weitergehen wink

Die Belichtungen der Bilder wählte ich überwiegend nach dem Sunny-16-Konzept. Allerdings schaute ich, bevor ich das Haus verließ, mit einem Belichtungsmesser nach draußen – sprich: Ich schaltete kurz die E-M1 ein, visierte draußen eine Hausfläche an und schaute bei ISO-400 nach, welche Blende bei 1∕400 bzw. 1∕1000 angemessen wären. Ich kalibrierte sozusagen die Sunny-16 wink So hatte ich ein ganz gutes Gefühl für die Lichtverhältnisse und wusste recht genau, dass ich bei kürzester Belichtungszeit mit Blenden um f∕5.6 bis f∕8 arbeiten konnte – eine leichte Überbelichtung dabei in Kauf nehmend. Das hatte prima geklappt.

Kodak Tri-X 400 - Raps

Raps – Ich liebe das Bokeh und mag die leichte Überbelichtung.

Kodak Tri-X 400 - Pferd

Pferd umgekippt smile Es wälzt sich auf der Weide. Hier mit sehr tiefer Kameraposition, sehr bequem mit dem Schachtsucher der Primar Reflex

Nun steckt der vierte Film in der Kamera, das Einlege-Mantra habe ich hoffentlich genauso befolgt und ich bin gespannt, ob ich das Problem mit den überlappenden Negativen nun tatsächlich im Griff habe smile

 

Vielen Dank auch für Euer tolles Feedback zu dieser Abenteuer Analog Reihe. Ich freue mich, wenn so viele Euch dadurch zu neuen Fotos und neuen Herangehensweisen inspiriert werden. Schreibt mir ruhig weiter oder am besten gleich als Kommentar zu den jeweiligen Beiträgen, womit Ihr analog fotografiert und verlinkt gerne mal Eure Ergebnisse. smile

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Boris,

    schön zu sehen, dass du zufrieden wirst, mit den Ergebnissen der Kamera. Aber es ist auch schön zu sehen, dass es nicht nur mir so ging mit meinen ersten Mittelformat-Ausflügen (bei mir hat es einfach nicht geklappt… irgendwann dann doch…).
    Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Spaß und freue mich schon wieder diebisch auf deine neuen analogen Abenteuerberichte bei meinem Lieblingspodcast.
    Ich wünsche dir noch viel Spaß und sende dir herzliche Grüße aus dem schönen bayrischen Schwabenland.
    Jürgen

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  2. Pingback: Abenteuer Analog – Vierter Film und Experimente | Ansichten

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